Bot-Journalismus

Algorithmus statt Mensch - LA Times automatisiert Breaking News mit Quakebot

Das automatische Schreiben von Nachrichten durch Software ist seit Längerem auf dem Vormarsch - sei es bei Wettervorhersagen oder sogar Spielberichten im Sport. Nun sorgt in den USA ein aktuelles Beispiel für Aufsehen: Dank des durch Algorithmen gesteuerten Quakebots der "LA Times" meldete die Webseite als erste ein Erdbeben.

News Bot - Roboter Journalismus

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News Bot - Roboter Journalismus

Als die US-Nachrichtenseite "Los Angeles Times" am Montag in den Morgenstunden über das Erdbeben der Stärke 4,4 nahe des Stadtviertels Westwood berichtet, erscheint der Artikel nur wenige Minuten nach den Erschütterungen. Dabei wurde der als Autor aufgeführte Ken Schwencke selbst erst von dem Erdbeben um 6:25 Uhr Ortszeit geweckt. Doch während er seinen Rechner hochfuhr, war die Meldung zum Erdbeben längst fertig verfasst. Schwencke musste nur noch auf  "veröffentlichen" klicken.

Erstellt hatte die Breaking News ein von Schwencke programmierter News-Bot. Wie der Journalist und Entwickler dem US-Onlinemagazin Slate erklärte, habe er die Quakebot getaufte Software bereits vor zwei Jahren programmiert. Nun hatte sie ihren ersten großen Auftritt.

Das Programm erfasst die Informationen der US-Behörde U.S. Geological Survey (USGS), wertet sie nach einem bestimmten Algorithmus aus und erstellt automatisch einen Artikel im Redaktionssystem der "LA Times". Dabei geht es vor allem um die grundlegenden Informationen: Wo genau liegt das Epizentrum? Wie stark war das Erdbeben auf der Richterskala? Wann genau waren die Erschütterungen zu spüren? Die Textbausteine dafür hat Schwencke basierend auf früheren Erdbeben-Nachrichten in die Software eingepflegt - die Daten kommen vom USGS.

Gegenüber dem Online-Portal Business Insider erläutert Schwencke, dass der Quakebot sogar Artikel selbst veröffentlichen kann. Während bei kleineren Beben immer noch ein Redakteur den Artikel freigeben muss, kann die Software Erdbeben ab einer Stärke von 6,0 selbständig vermelden. Auf diese Weise haben Autoren direkt eine textliche Ausgangslage, auf deren Basis sie weitere Informationen einbauen können.

Bot-Journalismus auf dem Vormarsch

Der Quakebot von Ken Schwencke ist nicht die erste Software, die eingesetzt wird, um im Rennen um schnelle - und günstige - Nachrichtenangebote von aktueller Technologie zu profitieren. Während Wetterberichte etwa schon länger automatisiert in Textform erstellt werden können, verfassen die Algorithmen von Firmen wie Narrative Science oder Ai (Automated Insights) bereits fleißig Spielberichte zu Sportereignissen, Webseitenberichte, Finanznachrichten oder sogar personalisierte Fitnessanalysen.

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Das Stichwort hier ist wie so oft "Big Data". Wo viele Daten anfallen, können diese über den richtigen Algorithmus automatisch verarbeitet werden. Die Entwickler von Ai sind dabei mittlerweile sogar soweit fortgeschritten, dass Teilnehmer in einer Studie der schwedischen Universität Karstad nicht mehr den Unterschied zwischen einem ihrer automatisch generierten NFL-Spielberichte und einem von Menschen geschriebenen Artikel erkennen konnten.

Noch arbeiten die neuen Bot-Journalisten nicht vollständig fehlerfrei und können die menschlichen Kollegen nicht ganz ersetzen. So erfasste der Quakebot der "LA Times" etwa in der ersten Version seiner Meldung fälschlicherweise eine Stärke von 4,7 auf der Richterskala. Dies wurde von der Redaktion manuell auf den korrekten Wert von 4,4 korrigiert. Anschließend reicherten die Redakteure den Artikel mit weiteren Informationen an.

Den Quakebot kümmerte das natürlich wenig. Während die Redaktion über die Folgen der Erschütterungen berichtete, verfasste er bereits automatisch einen Artikel zu einem Nachbeben mit der Stärke 2,9.

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