Praxistest Samsung NX-10 - Systemkamera

Samsung startet mit der NX-10 eine kompakte Systemkamera-Linie ohne Spiegel-kasten, aber mit großem Sensor und Wechselobjektiven. Zur Ausstattung gehören der

image.jpg

© Archiv

Samsung startet mit der NX-10 eine kompakte Systemkamera-Linie ohne Spiegel-kasten, aber mit großem Sensor und Wechselobjektiven. Zur Ausstattung gehören der bekannte 14-Mega-pixel-Sensor, Live-View, 3-Zoll-AMOLED-Display und HD-Video.

Auf dem Markt der Kompaktkameras hat sich Samsung längst erfolgreich etabliert. Bei Systemkameras gab es bisher nur die gemeinsam mit Pentax entwickelten GX-Modelle. Nun kommt die erste Eigenentwicklung, die Samsung NX-10. Für unseren Praxistest stand ein Vorserienmodell zur Verfügung, Messwerte folgen, sobald es Serienmuster gibt.

Mit der NX-10 setzt auch Samsung auf die "EVIL-Bauweise" (Electronic Viewfinder, Interchangeable Lens), das aber im etwas größeren Sensorformat, als die Konkurrenten des Micro-Four-Third-Standards. Wie die Micro-Four-Third-Modelle verzichtet die Samsung auf den Spiegelkasten sowie den optischen Sucher und bietet stattdessen einen fest eingebauten elektronischen Sucher und ein entsprechend schlankes Gehäuse: 12,3 x 9,0 x 6,0 cm, 350 g. Beim Sensor bleibt Samsung dagegen dem APS-C-Format treu und baut den aus der GX20 bekannten 14 Megapixel CMOS ein. Zudem wurde die von der SLR gewohnte Bauform beibehalten: So findet sich, wo typischerweise das Pentaprisma sitzt nun der elektronische Sucher, als Alternative zum hoch auflösenden Live-View-Monitor.

Der anvisierte Nutzerkreis ist klar: Fotografen, denen eine klassische SLR zu groß ist, die jedoch sowohl die Bildqualität einer SLR als auch die Möglichkeiten einer Systemkamera mit Wechselobjektiven zu schätzen wissen.  

3-Zoll-AMOLED: Gute Sicht auch bei Sonnenlicht

Ein Highlight findet sich auf der Rückseite der Kamera. Statt eines gewöhnlichen LCD- oder TFT-Display ist die NX-10 mit einem 3-Zoll großen AMOLED-Display mit üppiger Auflösung von 300 000 RGB-Pixeln ausgestattet. Ein Vorteil ist laut Hersteller dessen vergleichsweise geringer Stromverbrauch. Gleichzeitig überzeugen Helligkeit, Kontraste und Farbwiedergabe sowie die Motivdarstellung bei starker Sonneneinstrahlung. So blieb das Motiv erkennbar, ohne dass wir das Display mit der Hand abschatteten. Alternativ gibt es den elektronischen Sucher, der eine hohe Auflösung von ebenfalls 300000 RGB-Bildpunkten bietet plus eine 100-prozentige Bildfeldabdeckung und eine effektive Suchervergrößerung von 0,57. Farbe und Helligkeit von Display und Sucher lassen sich individuell im Kameramenü justieren.

Praktischerweise kann man alle aufnahmerelevanten Einstellungen wie Histogramm, Blende, Belichtungszeit oder Gitterraster in den Sucher einblenden. Weißabgleich und Belichtungseinstellungen werden simuliert. Natürlich ist auch das komplette Kameramenü über den  Sucher einsehbar, so dass alle Einstellungen während des Fotografierens vorgenommen werden können, ohne das Auge überhaupt vom Sucher zu nehmen. Gut gefallen haben uns die Leistungen beider, Sucher und Display, bei schlechten Lichtverhältnissen. So kann man in dunklen Räumen noch gut Details auch im Hintergrund erkennen. Durch die notwendige Signalverstärkung wirkt das Bild zwar leicht grießelig, dafür ist die Verzögerung beim Bildaufbau vergleichsweise gering.

Gute Bedienbarkeit mit bekannten Elementen

Sehr geschickt hat Samsung sein Design der typischen SLR-Form angepasst und zugleich das Gehäuse deutlich verkleinert. Ebenfalls ganz klassisch ist der Body mattschwarz gehalten und um die Griffhaltigkeit zu erhöhen, hat Samsung die rechte Vorderfläche sowie den Bereich der Daumenstellung auf der Rückseite mit einer lederartigen rutschfesten Kunststoffschicht bezogen. Über dem Suchereinblick findet sich der ausklappbare Systemblitz, davor ein Blitzschuh-Mittenkontakt. Rechts daneben ein kleines Mikrofon für die Videofilme.

In Sachen Bedienbarkeit kann die NX-10 dabei durchaus überzeugen: Das Gros der Bedienelemente findet sich auf der rechten Gehäuseseite. Die Anordnung gefällt, das Einstellrädchen für Blende und Belichtung vor dem On/Off-Schalter lässt sich durch die vertikale Ausrichtung gut mit dem Zeigefinger bedienen. Das große, stark geriffelte Einstellrad für die Belichtungs- und Motivprogramme ist leicht per Daumen zu drehen. Auch das Anwählen des Menüs kann nicht verfehlt werden, da die Taste alleinstehend auf der rechten Seite oben platziert wurde. Der Vier-Wege-Schalter, der sich wie üblich im unteren rechten Drittel befindet, dient dem Anwählen der Menü-Einträge.

Im Aufnahmodus hat man dort Zugriff auf fünf Einstellmenüs für zentrale Funktionen wie Weißabgleich oder Empfindlichkeitseinstellung, die als horizontale Leiste am Bildschirm erscheinen. Verstellt wird per Vierrichtungswippe oder Rändelrad. Zusätzlich kann der Fotograf sieben weitere Einstellmenüs über die "Fn"-Taste am unteren Bildrand einblenden. Gut gefallen hat uns dabei die große, plakative und gut lesbare Schrift sowie die klare Symbolführung im Menü. In den Geräteeinstellungen finden sich ebenfalls große Auswahlbuttons unter anderen zu Systemlautstärke, Tasten- und AF-Ton, Display/Sucher, Energiesparmodus und weitere Geräteparameter. Im Abspielmodus stehen umfassende Retuschefunktionen zur Auswahl: Gesichtsretusche in drei Varianten, diverse Fotostile (weich, lebhaft, Natur, nebelig, dunkel, Herbst, klassisch), Gegenlicht und Rote-Augen-Korrektur. Auf dem Moduswahlrad für diverse Belichtungsprogramme finden sich die Standardprogramme M (manuell), S (Blendenautomatik), A (Zeitautomatik), P (Programmautomatik),  diverse Motivprogramme (Landschaft, Porträt, Nacht) sowie neun Scenes. Ebenfalls lässt sich auf "Smart"-Funktion mit automatisch angepassten Einstellungen sowie auf Videobetrieb stellen. Als Belichtungsmessung stehen Spot, Zentrum, Multi zur Auswahl. Die Belichtung lässt sich in 1/3 oder 1/2 Stufen anpassen, darüber besteht die Möglichkeit, diverse Belichtungsreihen anzufertigen (+ 3EV).

Autofokus mit 35 Punkten und Gesichtserkennung

Zum Scharfstellen der Kamera steht ein Autofokus mit immerhin 35 Fokuspunkten als Single und kontinuierlicher Modus zur Verfügung. Daneben bietet die NX-10 einen Verfolgermodus und automatische Gesichtserkennung. Grundsätzlich nutzt Samsung den Aufnahmesensor zum Scharfstellen und keine speziellen AF-Module, wie in SLRs mit Spiegelkasten üblich. Der Autofokus des Vorserienmodells arbeitete gut, eine Zeitenmessung folgt mit einem Serienmuster.

In Kombination mit dem Multifokussystem findet die Gesichtserkennung selbst außermittig platzierte Personen - ein Vorteil bei Grup-penaufnahmen. Bei manueller Fokusfeldwahl lässt sich das Messfeld beliebig im Aufnahmefeld platzieren. 

Daneben kann der Fotograf die Schärfe manuell einstellen, indem er sich von einer 7,3-fachen Bildschirmlupe unterstützen lässt.  Bei der Bildstabilisatortechnik setzt Samsung auf bewegliche Linsen in den Objektiven:  OIS (Optical Image Stabilization). Von den ersten drei NX-Rechnungen sind die beiden Zooms entsprechend ausgestattet. Nur die 30- mm-Festbrennweite kommt ohne Bildstabilisator. Per Bildassistent kann man aus sieben Grundeinstellung seine auswählen, in puncto Sättigung, Schärfe, Kontrast feinjustieren sowie drei eigene "Stile" speichern.

Blitzen: integriert und extern

Die NX-10 besitzt einen eingebauten Blitz, der Aufhellblitzen, Rote-Augen-Reduzierung, Blitzen auf 1. Vorhang und 2. Vorhang unterstützt. Alternativ bietet Samsung einen Systemblitz mit höherer Leistung an: Er ist kompakt, mit Schwenkreflektor ausgestattet, so dass auch indirektes Blitzen etwa über die Decke möglich ist. Er erlaubt Blitzbelichtungskorrektur um 3 EV und ist mit einer herausklappbaren Diffusorscheibe für weiches Licht ausgestattet.

Neue Objektivlinie

Da der Spiegelkasten wegfällt, kann Samsung das Gehäuse besonders schlank konstruieren und kommt zu einer kürzeren Schnittweite (Abstand Sensor zu Bajonett) als bei den GX-Kameras. Das erfordert eine neue Objektivlinie, ermöglicht aber auch Adapter für GX- und Pentax-Objektive, und Adapter für manuelle Leica- oder Zeiss-Rechnungen sind wie beim Micro-Four-Thirds-System denkbar.

Zum Start erscheint die NX-10 mit drei Objektiven, deren Preis wie der Gehäusepreis bis Redaktionsschluss offen blieb. Das Kit dürfte aber unter 700 Euro kosten. Mit angesetztem Samsung NX 3,5-5,6/18-55 mm OIS deckt die NX-10 den gemäßigten Standard-Zoombereich ab. Für den Telebereich bietet Samsung das NX 4-5,6/50-200 mm ED OIS an - beide mit Bildstabilisator. Die überzeugendste Lösung bietet jedoch das ultraflache und zugleich lichtstarke NX 2/30 mm: Das Tiefenmaß beträgt dann inklusive angesetzter Fest-brennweite nur 7,5 cm. Lediglich ein Bildstabilisator fehlt dem 30er.

Videofunktion im HD-Format

Die NX-10 bietet HD-Filmaufnahmen mit einer Auflösung von 1280 x 720 bei 30 Bildern pro Sekunde. Eine Sequenz ist dabei auf fünf Minuten begrenzt, bei VGA (480 x 640) auf gute 10 Minuten.Ebenfalls in den Bereich Multimedia fällt das komfortable Wiedergabe-Feature: Mit zweierlei vorprogrammierten Übergangseffekten können abge-speicherte Fotos (auf SD oder SDHC) als selbst ablaufende Diashow präsentiert werden.

Auf dem großen AMOLED-Display macht das richtig Spaß. Mittels HDMI-Ausgang kann man die Bilder-Revue aber auch jederzeit auf dem Fernsehgerät ausgeben.Die Stromversorgung der Kamera erfolgt via Li-Ion-Akku (1300 maH, 7,4A, 9,6 Wh). Als Schnittstellen bietet die NX-10 DC-in, HDMI- und AV-out sowie eine Mini-USB-2.0-Buchse.

Fazit: Mit der NX-10 steigt Samsung in das neue Feld der kompakten Systemkameras ein. Gegenüber der Konkurrenz von Olympus und Panasonic punktet die Samsung mit einem etwas größeren Sensor und dem festeingebauten, hochauflösenden, elektronischen Sucher. Zur Bildqualität können wir aber erst bei einem Serienmuster definitive Aussagen treffen, doch sollte die NX-10 eine der GX20 vergleichbare Bildqualität erreichen. Gut gefällt der elektronische Sucher, der sich durchaus mit dem 480 000- RGB-Bildpunkte-Aufstecksucher von Olympus messen kann sowie das 3-Zoll-AMOLED-Display.

Bedienbarkeit und Menüführung passen. Spannend wird der Test des Autofokus bezüglich Tempo und Genauigkeit. Gerade das Tempo ist bisher ein Schwachpunkt der Systemkameras ohne Spiegelkasten und damit ohne spezielle AF-Sensoren. Ganz wesentlich ist nun ein schneller Systemausbau mit einem zweiten und dritten Modell sowie einer attraktiven Objektivlinie. Wenn Samsung seine entsprechenden Andeutungen umsetzt, hat die NX-Linie das Zeug zu einem echten Erfolg. Spaß gemacht hat jedenfalls auch schon das Vorse-rienmodell.

Download: Tabelle

Download: Tabelle

www.samsung.de

image.jpg

© Archiv

image.jpg

© Archiv

30 mm Pancake
image.jpg

© Archiv

50-200 mm Zoom
image.jpg

© Archiv

Samsung NX Blitz

Mehr zum Thema

Sony A7 II
Vollformat-Systemkamera

Die neue Sony A7 II soll die Kritikpunkte an der Vorgängerin beheben und kommt mit 5-Achsen-Bildstabilisierung und besserem Autofokus.
Canon EOS 5DS und 5DS R
50-Megapixel-DSLR

Canon hat neue Spiegelreflexkameras mit einem 50,6-Megapixel-Vollformat-Sensor vorgestellt. Die beiden Modelle Canon EOS 5DS und EOS 5DS R…
Fujifilm X-T10 mit Aufklappblitz
Spiegellose Systemkamera

Der Nachfolger der X-T1 wird kleiner und günstiger. Die spiegellose Systemkamera mit 16,3 Megapixeln soll ab Sommer erhältlich sein.
Canon EOS-1D X Mark II
Profi-DSLR

Die neue Canon EOS-1D X Mark II bringt zahlreiche Verbesserungen. Wir haben alle Details zu Features, Preis und Verkaufsstart.
Sony Alpha 6300
Systemkamera

Die neue Sony Alpha 6300 soll beim Autofokus gleich zwei Rekorde in der Klasse der APS-C-Systemkameras brechen.