Schwerer Fall von Identitätsdiebstahl

Betrüger melden tausende Online-Shops auf falsche Namen an

Cyber-Kriminelle haben mit den Daten tausender Internetnutzer Online-Shops eröffnet und darüber gefälschte Produkte verkauft. Den Unschuldigen droht juristischer Ärger.

Online-Sicherheit

© Luis Escóbar / Fotolia

Identitätsdiebstahl, Abzocke und Betrug: Im Internet drohen Gefahren - nicht nur für unvorsichtige Nutzer.

Stellen Sie sich vor, Sie werden aus heiterem Himmel von Adidas verklagt. Der Vorwurf: Sie würden über ihren Online-Shop gefälschte Markenartikel des Herstellers verkaufen. Dabei sind Sie gar nicht Betreiber einer entsprechenden Webseite. Es stellt sich heraus: Betrüger haben den Shop zum Verkauf von Plagiaten eingerichtet und Ihren Namen und Adresse als Tarnung missbraucht. Bis Sie diesen Schwindel beweisen können, müssen Sie nun unschuldigerweise mit juristischem Ärger rechnen.

Was sich in diesem Beispiel ereignet, ist ein dreister Fall von Identitätsdiebstahl, der in dieser Form derzeit tausende Internetnutzer betrifft. Wie Recherchen des Radioprogramms "NDR Info" ergeben haben, sind von der Betrugsmasche auch hunderte Deutsche betroffen. Ihre Daten wie Name, Adresse und Kreditartennummer hatten sie zuvor selbst in ähnlichen Betrüger-Shops angegeben. Wochen oder Monate später wurden dann in ihrem Namen Webseiten eröffnet, die gefälschte Markenartikel wie Turnschuhe, Handtaschen oder Sonnenbrillen anbieten. Die eigentlichen Verkäufer operieren aus China.

Betroffenen Nutzern drohen Klagen

Laut den NDR-Recherchen steigt die Anzahl derartiger Fälle von Identitätsdiebstahl in den vergangenen Monaten stark an. Der Internetrecht-Experte Dr. Klaus Lodigkeit vermutet organisierte Banden hinter den gefälschten Online-Shops und warnt vor möglichen, rechtlichen Folgen für betroffene Internetnutzer. So habe es in den USA bereits Sammelklagen von Markenherstellern gegen unfreiwillige Shop-Betreiber gegeben, deren Identität dafür missbraucht wurde.

Lesetipp: Facebook-Betrug mit Fake-Profilen - wie Sie sich schützen

Sollten Sie Opfer dieser Form des Identitätsdiebstahles werden, sollten Sie sofort Strafanzeige erstatten und so klarstellen, dass Sie mit dem betreffenden Online-Shop nichts zu tun haben. Bei der Verfolgung der Straftäter sehen die Ermittler jedoch nur wenige Chancen. "In der kurzen Zeit sind die Täter in der Regel über alle Berge, haben ihre Spuren verwischt, melden sich neu an und, bevor wir denen ansatzweise hinterherkommen, sind sie schon wieder weg," erklärte Michael Böhl vom Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) gegenüber dem NDR.

Als vorbeugende Maßnahme können wir nur dazu raten, vorsichtig zu sein, welchen Webseiten im Internet Sie Ihre vollen Daten anvertrauen, und bei Verdacht auf Identitätsdiebstahl schnell zu handeln. Weiterhin empfehlen wir unseren Ratgeber “Identitätsdiebstahl: So schützen Sie sich”.

Mehr zum Thema

Sparkasse: Phishing-Mail
Erfolgreiche Spam-Angriffe

Online-Banking: Seit Monaten gibt es anscheinend erfolgreiche Spam-Attacken auf Sparkassen-Kunden. Der Grund sind täuschend echte Phishing-Mails.
Shutterstock Teaserbild
Passwort-Manager

KeePass ist ein starkes Tool für die eigene Passwort-Verwaltung. Wir geben unverzichtbare Tipps, damit Sie noch sicherer im Web surfen.
OnionShare Anleitung
Anleitung zum Tor-Service

Cloud-Angebote sind komfortabel - aber sind sie auch abhörsicher? Mit OnionShare können Sie anonym und verschlüsselt Dateien verschicken.
Shutterstock 736737748 Einkaufswagen einkaufen Online-Supermarkt
Lebensmittel online kaufen

Online-Supermärkte locken teilweise mit Lieferzeiten, die bei weniger als einer Stunde liegen. Die PCgo-Redaktion vergleicht vier Anbieter im Test.
Wir zeigen, wie Sie Daten verschlüsseln und verstecken können.
Mozilla-Browser

Das Firefox-Update 59 verbessert den Datenschutz und schließt Sicherheitslücken. Lesen Sie hier, wie der Mozilla-Browser Ihre privaten Daten künftig…