Interview des Monats

"Die Weiternutzung von Windows XP ist riskant"

Im Interview des Monats spricht Oliver Gürtler, Leiter Geschäftsbereich Windows bei Microsoft Deutschland, über die Zukunft von Windows XP.

Microsoft Windows XP

© Microsoft

Microsoft Windows XP

Business&IT: Der Support für Windows XP endet am 8. April 2014. Was bedeutet das im Detail?

Oliver Gürtler: Ab dem 8. April 2014 wird es keine Sicherheitsupdates und keinen technischen Support mehr für Windows XP durch Microsoft geben. Damit wird die mehr als zwölf Jahre alte Plattform nicht nur anfälliger für schädliche Software, auch die potenzielle Gefahr durch Hacker steigt. Mit einer Weiternutzung von Windows XP

riskieren Unternehmen somit nicht nur ihre eigenen, sondern auch die Daten ihrer Kunden und Geschäftspartner. Mehr noch: Das Festhalten an dem veralteten System birgt nicht nur ein höheres Sicherheitsrisiko, Unternehmen haben auch mit steigenden Ausgaben zu rechnen: So hat eine IDC-Studie festgestellt, dass sich die jährlichen Betriebskosten für einen fünf Jahre alten PC mit Windows XP im fünften Jahr fast verdoppelt haben. Schlussendlich haben Windows-XP-Nutzer in der Zukunft auch vermehrt mit Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen, sodass beispielsweise aktuelle Druckermodelle nicht mehr erkannt werden.

Für einen optimalen Schutz und eine zukunftssichere Leistungsfähigkeit empfehlen wir Unternehmen mit Windows-XP-Rechnern daher den Umstieg auf Windows 8.1.

Wie viele XP-Systeme sind in Deutschland noch im Einsatz?

Oliver Gürtler: Marktforschungsunternehmen schätzen, dass zwischen 10 bis 20 Prozent der Rechner mit Windows XP laufen. Die gute Nachricht ist: Unsere Großkunden befinden sich bis auf einige wenige in laufenden Migrationsprojekten oder haben diese schon abgeschlossen.

Was uns aktuell Sorgen bereitet, sind neben den Privatanwendern - die oftmals gar nicht wissen, dass sie Windows XP nutzen - die vielen Windows-XP-Rechner in Firmen mit 5 bis 250 Mitarbeitern. Einige kleine und mittelständische Unternehmen haben den Umstieg schlichtweg unterschätzt. Für diese bieten wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern weitreichende Unterstützung an. Mehr Informationen dazu finden Betriebe im Web unter pinpoint.microsoft.com

Einige glauben, XP sei aufgrund von Virenschutz weiterhin sicher, ist das so?

Oliver Gürtler: Ganz klar, nein. Interne Studien zeigen uns, dass die Effektivität von Anti-Malware Tools bei nicht mehr unterstützten Betriebssystemen limitiert ist. Ein Beispiel: Um Unternehmen bei anhaltenden Migrationsprozessen zu unterstützen, werden wir ausgewählte Anti-Malware Software für Windows XP bis zum 14. Juli 2015 weiterhinaktualisieren.

Das Support-Ende bleibt jedoch weiterhin bestehen: Regelmäßige Sicherheitsupdates, Hotfixes sowie technische Updates wird es ab dem 8. April 2014 für Windows XP nicht mehr geben. Mehr noch, Windows XP ist bereits heute das unsicherste aller Microsoft Betriebssysteme und dabei sechs Mal anfälliger für schädliche Softwareals Windows 8. Die Verlängerung ausgewählter Virenschutz-Programme bedeutet somit keineswegs eine erhöhte Sicherheit.

Viele würden gerne auf Windows 7 migrieren. Macht das Sinn?

Oliver Gürtler: Für Unternehmen sind bei der Wahl des Betriebssystems heute zwei Dinge besonders wichtig: Sicherheit und Zukunftsfähigkeit. Wie bereits erwähnt, kann der beste Schutz vor schädlicher Software nur durch die Verwendung der modernsten Software sichergestellt werden. Unternehmen sollten bei der Wahl ihrer Plattform aber auch die fortschreitende Modernisierung von Arbeitsplätzen berücksichtigen, bei denen auch mobile Endgeräte zunehmend eine Rolle spielen, um ihre Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit langfristig nicht zu gefährden.

Zahlreiche Branchen und Betriebe nutzen bereits Smartphones sowie Tablets im Arbeitsalltag, um zu jeder Zeit und von überall auf wichtige Daten und Informationen zugreifen zu können. Genutzt werden vor allem einfache Anwendungen, wie zum Beispiel der mobile Zugriff auf E-Mails, Kalender oder Adressbuch.

Effizient gestaltet sich eine solche Business Mobility aber nur durch ein Betriebssystem, das ein einheitliches mobiles Angebot ermöglicht, Cloud-Technologien integriert und neue Arbeitsweisen - beispielsweise die gezielte Nutzung von Apps - ermöglicht. Microsoft bietet Kunden mit Windows 8.1 ein Betriebssystem auf dem neuesten Stand der Technik, das für modernes Arbeiten konzipiert wurde. Unternehmen sollten beim Umstieg somit darauf achten, dass ihre Wahl auf eine Lösung fällt, die nicht nur sicher, sondern auch zukunftsfähig ist.

Wird ab dem 08. April die große Cybercrime-Welle über die XP-Nutzer hereinbrechen?

Oliver Gürtler: Wir können nicht in die Zukunft schauen, aber ein Beispiel aus der Vergangenheit zeigt, wie es laufen kann: Für Windows XP mit Service Pack 2 (SP2) stieg die Malware-Infizierung nach zwei Jahren um 66 Prozent nach Support-Ende im Vergleich zu Windows XP mit Service Pack 3 (SP3), dessen Support nun am 8. April 2014 endet.

Ohne Updates für Sicherheitslücken und aktuelle Bedrohungen ist somit davon auszugehen, dass Cyberkriminelle auf unentdeckte Sicherheitslücken lauern werden. Aus diesem Grund bieten wir Endkunden und Unternehmen in Zusammenarbeit mit unseren Partnern weitreichende Unterstützung an, um diesen einen rechtzeitigen Umstieg auf ein modernes Betriebssystem zu ermöglichen.

Oliver Gürtler

© Oliver Gürtler

Oliver Gürtler, Leiter Geschäftsbereich Windows bei Microsoft Deutschland

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