Intensiv-Überwachung

US-Geheimdienst liest bei IT-Konzernen systematisch mit

In weit größerem Umfang als bislang befürchtet scheint die US-Regierung Datenzugang zu den großen IT-Firmen zu haben. Ein Programm des US-Geheimdienstes NSA zapft regelmäßig Daten von Facebook, Google, Apple und Anderen ab.

NSA liest bei Facebook & Co. mit: Laut einer Zeitung hat der US-Geheimdienst Zugriff auf die Server.

© © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

NSA liest bei Facebook & Co. mit: Laut einer Zeitung hat der US-Geheimdienst Zugriff auf die Server.

Laut Medienberichten hat der US-Geheimdienst NSA direkten Zugang zu den Servern der führenden Internet-Konzerne des Landes und kann darüber praktisch jede E-Mail, jedes Foto, Video oder anderes private Dokument mitlesen. Wie die "Washington Post" berichtete, wurden ihr Vorlagen und Protokolle über das bis jetzt geheimgehaltene Programm "Prism" zugespielt. Über dieses Programm arbeiten Unternehmen wie Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, AOL, Skype, YouTube und Apple wissentlich mit dem US-Nachrichtendienst NSA und dem FBI zusammen.

Die geheimen Dokumente wurden der Zeitung von einem Geheimdienstmitarbeiter zugespielt, der die erheblichen Verletzungen der Privatsphäre nicht billigt. "Die können im wahrsten Sinne des Wortes sehen, wie Sie beim Tippen Ihre Gedanken ausformulieren", so zitiert die Washington Post den Geheimdienstmitarbeiter. Die Datensammlung erfolge direkt von den Servern dieser Dienste. Das systematische Ausspionieren des Privatlebens der Amerikaner durch das Programm "Prism" läuft seit 2007, der Umfang habe sich seitdem sehr stark ausgeweitet.

Apple hat die Behauptung einer Mitarbeit an "Prism" unverzüglich dementiert, andere IT-Konzerne verweigern eine Stellungsnahme. Laut der Berichte sind nur wenige Washingtoner Kongressmitglieder in das Programm eingeweiht. Sie sind zu striktem Stillschweigen verpflichtet. Die US-Regierung gibt zwar keine Stellungnahme im Detail ab, bestätigt aber die Überwachungen insgesamt und begründet sie mit den Erfordernissen des Krieges gegen den Terror. Man würde aber nur Ausländer überwachen und den Zugriff auf private Daten von US-Bürgern so gering wie möglich halten. Die Gerichtsentscheidungen gehen auf den sogenannten "Patriot Act" zurück, der  nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verabschiedet wurde.

Neben der Überwachung der IT-Konzerne ist jetzt auch die Telefonüberwachung des US-Telefonkonzerns Verizon bestätigt. Dieser muss detaillierte Informationen über alle inneramerikanischen und internationalen Gespräche an die Sicherheitsbehörde NSA weitergeben. Die Schnüffelaktion ist gerichtlich angeordnet. Bürgerrechtler der "Electronic Frontier Foundation" sind sich sicher, dass solche Anordnungen für jeden großen US-Telekomkonzern bestehen, wodurch die NSA Zugriff auf die Daten jedes Gesprächs in den USA über die vergangenen sieben Jahre habe.

Mehr zum Thema

Der britische Geheimdienst soll Yahoo-Nutzer ausspioniert haben.
Neues von NSA & GCHQ

Der britische Geheimdienst GHCQ hat angeblich gemeinsam mit der NSA Webcam-Chats von Millionen ahnungslosen Yahoo-Nutzern aufgezeichnet. Unter dem…
Dank Cryptocat können Facebook-User ihre Nachrichten ab sofort verschlüsseln.
Cryptocat

Cryptocat bietet eine neue Funktion, um Chats auf Facebook zu verschlüsseln. Mit diesen Tipps bestimmen Sie, wer Ihre Nachrichten (mit)liest.
Die iPhone-App von Instagram hat eine Sicherheitlücke.
iPhone-App

Ein Hacker hat bei Instagram eine Sicherheitslücke gefunden. Nach einer abgelehnten Belohnung droht er Facebook mit einem Angriff, um den Druck zu…
PGP für E-Mails: Yahoo will bei dem Verschlüsselungs-Plugin mit Google zusammenarbeiten.
Sicherheit

Yahoo hat auf der Black Hat 2014 angekündigt, E-Mails mit PGP-basierter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu versehen. Dazu will Yahoo mit Google…
Facebook-Logo
Verbraucherzentrale reicht's

Die neuen Facebook-Nutzungsbedingungen verstoßen laut Verbraucherschützern gegen deutsches Recht. Der Verbraucherzentrale Bundesverband mahnt…