Musik schaltet Bremsen aus

MP3-CD manipuliert Fahrzeug-Elektronik

Forschern in den USA ist es auf vielfältigen Wegen gelungen in die elektronischen Systeme diverser Autos einzudringen und dort Funktionen zu manipulieren. Angriffsflächen bieten etwa die Bluetooth-Schnittstellen für Mobiltelefone oder der CD-Spieler.

MP3-CD manipuliert Fahrzeug-Elektronik

© Frank Ziemann

MP3-CD manipuliert Fahrzeug-Elektronik

Automobilhersteller werben mit der Sicherheit, die ihre Fahrzeuge den Insassen bei einem Unfall bieten oder wie sie einen Unfall vermeiden helfen. Doch bei der IT-Sicherheit steht man offenbar noch ganz am Anfang. Eine Vielzahl von vernetzten Computer-Systemen im Auto kommunizieren ungesichert miteinander, können sich gegenseitig beeinflussen und lassen sich zudem von außen manipulieren.Eine Forschergruppe um Stefan Savage, Informatik-Professor an der Universität von Kalifornien in San Diego, und Tadayoshi Kohno, Assistenzprofessor an der Universität von Washington, Seattle, hat in den letzten zwei Jahren die Angriffsflächen untersucht, die moderne Autos bieten. Sie haben zunächst die Diagnoseschnittstelle für Werkstätten angezapft und waren überrascht, wie leicht sich darüber nicht nur Fehlerdaten auslesen sondern auch Parameter vieler Subsysteme verändern lassen.Doch damit nicht genug - die Forscher sind bei der Suche nach anderen Möglichkeiten in die elektronischen Systeme einzudringen fündig geworden. So bietet etwa auch die Bluetooth-Schnittstelle zur Freisprecheinrichtung für Mobiltelefone beliebigen Zugang zur Fahrzeugelektronik. Es ist den Forschern sogar gelungen mit einer speziell präparierten MP3-Datei, die sie auf eine CD geschrieben haben, über das Autoradio (wenn man das heute noch so nennen kann) Zugriff zu erhalten.Sie haben zum Beispiel den Tacho veranlasst bei geparktem Fahrzeug (Automatikgetriebe in Stellung "P") eine hohe Geschwindigkeit (Tachonadel auf Anschlag) sowie eine von den Forschern selbst definierte Meldung anzuzeigen. Sie können auch die Bremsen deaktivieren, per Bluetooth von außen die Türen entriegeln oder ein eingebautes GPS-System veranlassen, in regelmäßigen Intervallen die Position des Fahrzeugs zu senden. Namentlich die beiden letztgenannten Möglichkeiten dürften für Autodiebe sehr interessant sein.Nachvollziehbar ist, dass ein Autoradio die aktuelle Motordrehzahl und Fahrzeuggeschwindigkeit auslesen kann, um die Lautstärke anzupassen oder erkennen soll, ob ein Telefonat geführt wird, um die CD-Wiedergabe zu stoppen. Warum es auch die Bremsen ausschalten kann, bleibt eine offene Frage an die Hersteller. Zwar mögen solche Angriffe im Moment akademisch erscheinen, doch die Automobilhersteller sollten sich mehr Gedanken über die IT-Sicherheit der verbauten Systeme machen.

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