Buchtipp

"Modernism London Style": London gut in Form

Ein neuer Fotoband zeigt London mal nicht mit den Augen des Touristen, sondern von Architekten gesehen. Er vermittelt ein Bild von London, wie es die wenigsten bisher wahrgenommen haben.

Modernism London Style

© Hirmer-Verlag/Hoover Factory, Wallis Gilbert & Partners, 1935

Modernism London Style

Die Buchbeschreibung "Die Bauten des Art deco - Schatzkiste London" deutet an, wohin die (Zeit)Reise geht. Die Architekten Niels Lehmann und Christoph Rauhut spürten in den letzten drei Jahren Gebäude aus den "Goldenen Zwanzigerjahren" in London und Südengland auf. Mit der Dokumentation dieses bauliche Erbes führen sie uns nicht nur auf eine architektonische Entdeckungsreise in die 1920er- und 30er-Jahre, sondern entwerfen durch das mit erfasste, urbane Umfeld auch ein London-Bild, das bis in die Jetzt-Zeit reicht.

Im Fokus von Lehmann und Rauhut standen vor allem die klaren geometrischen Formen und wiederkehrenden ornamentalen Motive, die die Bauwerke des Art deco charakterisieren. Sie zeigen uns mondäne Kaufhäuser und Hotels, luxuriöse Wohnbauten in Vororten ebenso wie Fabrikgebäude und Bahnhöfe. Mit ihren großflächigen Fassaden und gediegenen Verzierungen heben sich die Bauten des Art deco zwar von anderen Gebäuden ab, ergeben jedoch im Zusammenspiel mit dem bestehenden Stadtbild aus älteren und neueren architektonischen Stilen das so typische London-Gesamtbild.

Mit den sauberen Architektur-Aufnahmen von ganzen Gebäudekomplexen ebenso wie von Details der schmucken Art-deco-Fassaden erweist sich Architekt Lehmann auch als versierter Fotograf. Er versteht es durch seinen Umgang mit Licht und Schatten, ohne Angst vor hartem Sonnenlicht, den plastischen, oft skulpturartigen Charakter der Architektur besonders zu betonen. Schon das macht das Stöbern in diesem Buch mit mehr als 230, meist hochwertig gedruckten Schwarz-Weiß-Fotografien für jeden Architektur- wie London-Interessierten zu einem Vergnügen. Dieses lässt sich noch steigern, wenn man sich beim Betrachten nicht nur auf das große Ganze, sondern auch auf die ungezählten kleinen Details in den Fotos konzentriert.

Der Blick für's Detail

Die alltäglichen Dinge wie Verkehrszeichen, Ampeln, Werbeschilder und Alarmanlagen mögen auf den ersten Blick als eher zufälliges, modernes Beiwerk erscheinen, machen aber letztenendes aus dem Band auch ein Dokument der "Street Photography" ganz eigener Art. Der Mensch steht dabei nicht im Mittelpunkt, sondern meist am Rande, wenn er denn überhaupt vorkommt. Auch für Erforscher der Geschichte von Straßenlampen ist der Band mit der Vielfalt des Gebotenen eine Fundgrube. Und wer sich zum ganz genauen Betrachten der Fotos erziehen will, kann die modernen Video-Überwachungskameras suchen, die sich immer wieder in den alten Fassaden verstecken.

Fotopraxis: Die Farbe Blau - Bilder von fc-Fotografen

Abgerundet wird das facettenreiche London-Bild, das "Modernism London Style" vermittelt, von einem einleitenden Essay, in dem der Londoner Architekt Adam Caruso die Entwicklung des Art deco in England beschreibt. Besonders zu Loben ist der bebilderte Index am Ende des Buches, der jedem Bauwerk Baujahr, Architekt und Straße zuordnet. Auf detaillierten Landkarten kann der Leser zudem jeweils den genauen Aufnahmeort finden. Damit würde sich der Bildband sogar als Reiseführer empfehlen, wenn er nicht so groß und schwer wäre.

Modernism London Style Fotografien von Niels Lehmann Hrsg. Christoph Rauhut Einleitung von Adam Caruso 216 Seiten, 231 Fotografien in Schwarz-Weiß Hirmer-Verlag, München ISBN: 978-3-7774-8031-2 39,90 Euro

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