Mobile Payment

Die lange Suche nach dem iPortemonnaie

Seit zehn Jahren versuchen sich immer wieder neue Anbieter mit innovativen Ideen im Segment der mobilen Zahlungsanbieter festzusetzen, doch kaum ein Versuch ist von Erfolg gekrönt. Mobile Payment wird kommen, aber langsamer als erhofft.

Mobile Payment

© Archiv/IntMag

Mobile Payment

Die Taz refinanziert sich seit Neuestem über Nacktbilder. Nein, sie kopiert nicht ihr großes Feindbild aus dem Springer-Verlag, sondern die Mitarbeiter lassen die Hüllen fallen, um für die Taz-eigene Bezahlmethode zu werben. Die heißt Pay-Wahl und gibt dem Leser der streitbaren Linkspostille die Möglichkeit, nicht nur das Bezahlverfahren frei zu wählen, sondern auch den Betrag. Und der kann auch gegen Null tendieren, wenn es sein muss.

>>Pay-Wahl<< setzt ein Gegengewicht zum von Springer präferierten Pflichtbezahlen, um sich an der Paywall vorbei zu kaufen. >>Wir haben die Möglichkeit, eine Mauer zu bauen, wollen das aber nicht<<, sagt die Taz.

210.086 Euro hat die Taz seit dem Aufbau von Pay-Wahl vor einem Jahr bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe gesammelt. Ganz nett, möchte man von außen meinen, aber zum Überleben von Qualitätsjournalismus reicht das nicht. Die allermeisten Spenden sammelt die Taz durch freiwillig abgeschlossene Abos. Rund zwei Drittel aller Einnahmen, die aktuell bei rund 12.000 Euro im Monat liegen, kommen aus Daueraufträgen. Das andere Drittel sind spontane Zahlungen.

Und hier wird es spannend. Die Taz setzt auch das digitale Spendensystem Flattr ein. Parallel gibt es aber auch andere, klassische Bezahlmethoden wie Lastschrift oder Paypal. Und der Reality-Check für Flattr zeigt ein bitteres Ergebnis: Im Januar kamen ganze fünf Prozent der Spenden über Flattr. Rund 28 Prozent der Spontanzahlungen laufen über ganz langweilige, altbewährte Methoden.

653,20 Euro Spenden >>flattrten<< im Januar 2014 bei der Taz aufs Konto. Und damit zeigt zumindest diese Plattform, dass der Dienst den Weg vieler Startups geht: steil nach oben und dann konsequent nach unten. Die Taz setzt den Dienst schon seit der Betaphase im Jahr 2010 ein und hatte schon im dritten Monat ein zwischenzeitliches Spendenhoch von 950 Euro auf diesem Weg eingenommen. Es scheint, als hätten viele User das System ausprobiert, langfristig nutzen wollen es wenige. Als der Techniknachrichtendienst Golem letzten Sommer Flattr-Zahlungen einführte, musste man nicht lange auf den ätzenden Kommentar warten: >>Flattr ist doch längst tot.<<

Worum geht es eigentlich? Flattr verwaltet ein Prepaid-Konto des Nutzers. Dort zahlt er monatlich einen Beitrag ein und 90 Prozent dieser Einzahlungen werden von Flattr an die teilnehmenden Partner ausgeschüttet. Der Ausschüttungsschlüssel entsteht durch ein Punktesystem. Der User selbst entscheidet, welchen Anteil welcher Artikel erhält. Auch die direkte Alternative unter den so genannten Social Payments namens Kachingle erzielte nur im ersten Jahr signifikante Aufmerksamkeit. Inzwischen stagniert der Dienst und versucht sich über den Vermarktungswert - also die vermeintlich gesteigerte Aufmerksamkeit, die ein Anbieter erhält, der die Bezahlmethode einsetzt - neu zu positionieren.

Möglicherweise mangelt es Flattr und Kachingle aus Sicht der Nutzer einfach an Mehrwert. Für den Verkäufer von Kleinstprodukten ist die Abwesenheit von Fixkosten zwar ein wesentlicher Unterschied zu den klassischen Bezahlverfahren, für den Käufer unterdessen nicht. Tatsächlich benötigen beide Dienste eine Registrierung des Nutzers und sie können natürlich das Konsumverhalten sehr detailliert protokollieren.

Eine bestimmte Klientel mit hohen Datenschutzanforderungen schließt das genauso aus wie bestimmte Produktgattungen, etwa aus der Erotikindustrie. Hier wäre Bedarf für anonym ausgelöste Bezahlungen, die sich vor allem im Bereich Prepaid ansiedeln. Prepaid-Bezahlverfahren sind einer der ganz großen Wachstumstreiber in diesem Segment, meint der Payment Innovation Report zu wissen. Für diesen Bericht werden im zweijährlichen Turnus wichtige Marktteilnehmer aus der Payment-Industrie anonym befragt und die Ergebnisse dann aggregiert. Neben der Anonymität haben Prepaid-Methoden zwei weitere Vorteile. Sie sind von Nutzern verwendbar, die nicht über ein Bankkonto verfügen, und sie sind grundsätzlich ziemlich sicher, weil außer dem Aufladen des Kontos keine direkte Finanztransaktion während des Bezahlens vorgenommen wird. Der aufgeladene Betrag ist gleichsam ein Sicherheitslimit.

Starbucks arbeitet mit Prepaid in seiner App. Kaffeetrinker können dann bargeldlos von ihrem Konto herunter bezahlen, in dem sie die App an der jeweiligen Kasse vorzeigen. Eine Milliarde Dollar hat Starbucks eigenen Angaben zufolge im letzten Jahr mobil umgesetzt. Das ist vor allem auf die Kombination mit dem hauseigenen Bonusprogramm >>Myrewards<< zurückzuführen. Und Apple hat bei iTunes gezeigt, wie gewaltig die Wirkung von Prepaid sein kann. Unterdessen ist diese Form der zinslosen Vorkasse keineswegs neu, allerhöchstens das Abbuchen mittels Smartphone ist die Innovation dahinter.

Die mit Abstand größte Bewegung am Markt existiert gerade im Bereich der mobilen Zahlung. Alle bestehenden Zahlungsanbieter und auch einige neue Marktteilnehmer bieten inzwischen Apps an, die es erlauben, via Smartphone eine Transaktion auszulösen. Diese wird dann im Hintergrund zwischen den Systemen ausgeführt, ohne dass der Nutzer unmittelbar sicherheitskritische Inhalte im Smartphone speichern oder übertragen muss. Der erhoffte Mehrwert für den Kunden soll der Verzicht auf Bargeld sein.

In Deutschland mit der recht hohen Verbreitung der EC-Karte hat das nur bedingt Relevanz, zum Beispiel bei Kleinbeträgen oder Automatenzahlungen. Aus Sicht des Händlers gibt es freilich einen Zusatznutzen: Er kann dem Kunden kaufrelevante Zusatzinformationen - nennen wir sie Gutscheine - direkt aufs Smartphone schicken.

Die Kölner App-Anbieter von >>Coupies<< haben auf der Grundlage solcher Gutscheine ein leidlich erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt. Im Wesentlichen gibt es zwei Methoden der Abwicklung der Bezahlung. Entweder der Kunde scannt mit seinem Smartphone einen personalisierten Barcode ein, der dann wie eine Einzugsermächtigung wirkt. Oder er setzt sich mit dem Kassensystem via NFC (Near Field Communication) in Verbindung. Das Prinzip bleibt gleich, nur muss er für Letzteres das Smartphone nicht einmal aus der Hosentasche ziehen.

Während hierzulande NFC noch keine Bedeutung erlangt hat, wird im Nachbarland Polen bereits eifrig auf diesem Weg bezahlt. 200.000 entsprechender Terminals sind bereits im Einsatz, weiß Olaf Taupitz, Geschäftsführer der Cashcloud AG. Wer kein NFC-fähiges Smartphone besitzt, kann sich zum Beispiel den Mpass-Sticker aufs Gerät kleben, der stellt dann den Kontakt her. Mpass ist eine gemeinsame Initiative von Vodafone, O2 und der Telekom. Der Zahlungsdienstleister ist Wirecard, und bezahlt wird letztlich über Kreditkarte, Bankabbuchung oder ein Guthaben. Auch die populäre App Mytaxi nutzt Wirecard zur Zahlungsabwicklung der Geldströme zwischen dem Smartphone des Kunden und dem des Taxifahrers.

Viel Aufsehen erregt aktuell die Otto-Tochter Yapital. Auch hier geht es um das Bezahlen per Smartphone und dazu benötigt man die Yapital-App. Spannend aber ist, dass man ausgerechnet den Alltagssupermarkt Rewe zur Teilnahme am System bewegen konnte und somit schlagartig Reichweite generieren kann. >>Bisher bieten unsere 1.700 konzerneigenen Filialen von bundesweit 3.400 Rewe-Märkten die Bezahlung per Yapital-App an. Das Rollout läuft noch<<, erläutert Rewe-Sprecher Thomas Bonrath.

Inzwischen ist auch Sport Scheck zum Yapital-Partner geworden. Aus Kundensicht ist allerdings der Supermarkt spannender, weil das Kleingeldproblem beim Kauf der nächsten Tüte Chips zweifellos wahrscheinlicher ist als beim nächsten Laufschuh. Vorläufer war hierzulande sogar ein Discounter. Netto experimentiert schon seit einem Jahr mit Smartphone-Bezahlung per eigene App, die die Technologie von Valuephone nutzt. In der App werden natürlich auch aktuelle Werbung und Gutscheine angeboten.

>>In Deutschland wird das Thema Mobile Payment kommen, aber langsam<<, meint ein Brancheninsider, der nicht genannt werden will. Die Konkurrenz verschiedener Apps verwirrt die Nutzer und der gefühlte Mehrwert hält sich auch angesichts einer guten Geldautomateninfrastruktur in Grenzen. Anekdotische Problemfälle, wie Zahlungsunfähigkeit mangels verfügbaren Handynetzes oder leergesaugter Akku, tun ein Übriges.

Das Thema >>allgemeine Verfügbarkeit<< wird einmal mehr von einem Startup aufgegriffen. Die Rede ist von Boku. Man versucht, die Telekom-Carrier unter ein Dach zu holen und dann die Bezahlung jeweils einfach auf die Telefonrechnung zu buchen. Das würde den Download zusätzlicher Apps, die Eröffnung weiterer Accounts und somit viele Umstände ersparen. In Deutschland hat Boku eigenen Angaben zufolge Verträge mit Vodafone, O2, der Telekom und Mobilcom-Debitel.

In Ländern, deren Mobilaffinität höher oder der Leidensdruck in Sachen Bezahlverfahren stärker ist, sieht das anders aus. Das mobilfunkbegeisterte China wird laut einer Studie von Gartner Ende 2015 schon fast 400 Millionen Konsumenten aufweisen, die mit dem Handy bezahlen. Und in Teilen Afrikas, wo ein Großteil der Netzinfrastruktur mangels stationärer Leitungen vom Mobilfunk abhängt, ist Ähnliches zu erwarten. Schon heute nutzen 16 Millionen Kunden in Kenia und somit fast die Hälfte der Bevölkerung ein System namens M-Pesa, herausgegeben von Safaricom. Bezahlt wird hier allerdings nicht via IP-Netz, sondern einfach per SMS.

Verfahren zum digitalen Bezahlen gibt es jede Menge, echte Innovationen sind unterdessen Mangelware. Bitcoins könnten als rein digitale Währung eine solche Innovation sein. Freilich wagt sich bislang kein Zahlungsdienstleister hierzulande an das System heran, um das enorme Schwankungsrisiko abzusichern und die Bitcoin-typische Anonymität aus Sicherheitsgründen aufzuheben. Die Fidor-Bank hat entsprechende Pläne veröffentlicht. In einem ersten Schritt hat man Anfang Januar aber nur eine Art von Börsenspiel rund um Bitcoins inszeniert, die Bitcoin Battle. Hier dürfen zwei Fidor-Kunden gegeneinander auf die Kursentwicklung wetten.

Fidor-Vorstand Kröner feierte im Januar noch den Einstand mit der gewagten Prognose, dass Bitcoins als echte Währung dauerhaft Erfolg haben werden. Ende Februar stellte dann aber die weltgrößte Bitcoin-Börse MtGox Insolvenzantrag - mit knapp 50 Millionen Dollar aufgehäuften Schulden. Die Zukunft der Digitalmünzen ist offen mit eher düsterer Perspektive.

Zu den Innovationen der letzten Jahre gehörten vor allem digitale Wallets. Der Payment Innovation Report wertet diese Diskussion aber als grundsätzlich überbewertet. Wallet-Funktionen (Prepaid-Guhaben) können viele Anbieter in ihre Bezahlmethoden integrieren. Entscheidend ist, welche Kostensituation auf der Seite des jeweiligen Händlers angeboten wird. Für Micropayments, etwa in Spielen, funktionieren ausschließlich Bezahlsysteme ohne oder nur mit einem sehr geringen Fixkostenanteil. O2 stellte in Großbritannien sein Wallet nach 18 Montanen erfolglosen Betriebs wieder ein.

Das Hauptaugenmerk in Sachen Wallets richtet sich derzeit auf die großen Player Google, Facebook, Amazon und natürlich Apple. Google hat letzten Sommer Gutscheinkarten hinzugefügt und steht Branchenberichten zufolge kurz davor, in Deutschland auch Lastschrift als Zahlmethode zu akzeptieren. Amazon öffnete seine Coins vor Kurzem auch für Android. Bislang konnte man nur vom Kindle aus bei Amazon digitale Güter und Software kaufen, nun darf man das auch aus der Google-Plattform heraus. Um Reichweite zu generieren, räumt Amazon nach wie vor große Rabatte ein, wenn der Aufladebetrag möglichst hoch gesetzt wird.

Mit Spannung wird auch der nächste Schritt von Apple erwartet, nicht nur im Bezug auf Wallets. Apple hat, mit iTunes im Kern, fast alles, was es braucht, um eine umfassende Payment-Lösung in iOS-Geräte zu integrieren. In Kombination mit der virtuellen Kundenkarten- und Gutscheinbörse Passbook erreicht das dann ähnliche Qualitäten über verschiedene Anbieter hinweg, wie das die Netto-App nur für einzelne Händler ermöglicht. Leichte Andeutungen in diese Richtung hat es von Tim Cook bereits gegeben.

Und natürlich ist auch Ebay mit Paypal ganz vorne dabei, wenn es um neue Lösungen geht. Mit 230 Millionen Kunden und einem sehr komfortablen Bezahlverfahren hat auch Paypal eine gute Ausgangslage. Gerüchten zufolge besitzt das neue Samsung Galaxy S5 einen Fingerabdruck-Scanner, der für das Auslösen von Paypal-Zahlungen genutzt werden kann.

Das ist momentan aber noch immer ein Zukunftsszenario. Aktuell kümmert sich Paypal um eine passende Zahlungsmethode für Smart TVs. Aus Sicherheitsgründen verzichtet man auf die Übertragung der echten Kontodaten, also des Benutzernamens und -kennworts. Stattdessen muss der User sich für die App freischalten lassen und bestätigt Transaktionen mit einem vierstelligen Zahlencode. Das passt auch besser zur Fernsehfernbedienung.

Sehr aggressiv steht aktuell Dwolla im US-Markt. Das Unternehmen verlangt nur 25 Cent pro Transaktion und das auch nur dann, wenn man mehr als 10 Dollar Umsatz macht. Offensichtlich will man sich über das Thema Micropayment einen Stellenwert im Markt schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, war Dwolla bis vor einem halben Jahr noch ausschließlich an Bankkonten gebunden. Seit Oktober gibt es eine virtuelle Kreditkarte, die aber auf den gleichen Transaktionsgebühren basiert und bei Privatkunden ein Limit von 5.000 Dollar vorsieht.

Glaubt man dem Informationsdienst Mashable, dann hat Dwolla etwa 500.000 aktive Kunden. Das spielt natürlich noch keine Rolle, aber geringe Transaktionsgebühren sind allemal ein gutes Argument für die erfolgreiche Verbreitung.

Square ist ein weiteres viel beachtetes Startup, das schon in der zweiten Finanzierungsrunde unter anderem von Starbucks 200 Millionen Dollar einsammelte. Square bringt Kreditkartenzahlungen auf jedes Smartphone, in dem man dieses mit einem passenden Lesegerät ausstattet. Das eröffnet zwar keine neue Bezahlmethode, aber es bringt den Point of Sale praktisch überall hin.

Wie schwierig es ist, neue Methoden gegen etablierte Player durchzusetzen, musste letztes Jahr Ribbon spüren. Kaum hatte man einen Button in den Twitter-Stream eingebaut, der direkte Zahlungen auslösen konnte, hat Twitter diesen wieder entfernt. Seit Ende letzten Jahres widmet sich Ribbon nun den direkten Zahlungen zwischen Endkunden. Die Paypal-Tochter Venmo macht das auch, aus deutscher Sicht ist das aber noch ein Nischenthema.

Unterm Strich ist leicht zu erkennen, dass das Segment Payment in den Industrienationen weit- gehend ausdifferenziert ist. Alle wichtigen Anbieter arbeiten an den gleichen Themen, eine echte Differenzierung gelingt kaum. Man lebt von der vorhandenen Kundenbasis oder adressiert spezifische Rahmenbedingungen, die eben in einem Land wie Kenia oder einer Kultur mit geringerer Kreditkartenaffinität wie Deutschland vorherrschen. Reichweite bei den Shops erreicht vor allem, wer günstige Gebühren anbietet wie Dwolla oder Sonderlösungen installiert wie Square, Paypal, Mpass oder Yapital. Allen gemeinsam ist ein enormer Marketingaufwand, den man betreiben muss, um Gehör zu finden.

Der skeptische Tenor des Payment Innovation Report, der sogar Mobile Payment für überbewertet hält, ist somit verständlich. NFC hat bislang bei weitem nicht das gehalten, was sich die Anbieter versprochen hatten. Innovationen im Bereich Payment findet man deutlich mehr, wenn man nicht die Methoden, sondern die Strategien betrachtet. Eine solche ist Pay-what-you-want (PWYW). Das Preisfeld bleibt leer und der Nutzer entscheidet, was er bezahlen möchte. Die Strategie selbst ist nicht neu, neu aber ist die Möglichkeit, sehr präzise die Effekte im Netz zu messen und unterschiedliche Ansätze zu vergleichen. So kann man im Preisfeld einen Preis >>vorschlagen<< und dann in der Webanalyse sehen, was ein solcher Vorschlag bewirkt.

Freilich eignet sich PWYW vor allem für digitale, beliebig skalierbare Güter wie zum Beispiel Whitepaper oder E-Books. Buchautor und Blogger Tom Morkes hat das getestet und festgestellt, dass vor allem die virale Verbreitung der frohen Kunde des freiwilligen Bezahlverfahrens einen PR-Wert erzielt, der höher sein kann als der Verlust im Durchschnittspreis. Morkes empfiehlt das System auch Dienstleistern, die einen direkten Kundenkontakt pflegen, denn dann ist die Hemmschwelle für den Kunden, extrem wenig zu bezahlen, sehr hoch.

Für das Internet Magazin fasst Tom Morkes seine Erfahrungen zusammen: >>Die Menschen sind großzügig. Die größten Fans wollen unbedingt bezahlen. Und nichts kann via Social Media stärker wirken als ein PWYW-Angebot.<< Morkes gibt selbst an, über 50 Prozent mehr zu erlösen als früher mit festem Preis. Freilich bietet Morkes auch für PWYW ein Whitepaper an und könnte hier ein wenig pro domo argumentieren.

Statt mit Geld kann man auch mit Aufmerksamkeit bezahlen. Google bietet Site- Betreibern an, Umfragen auf ihren Seiten einzublenden und pro ausgefülltem Bogen eine Prämie zu kassieren. Das kann ein Bezahlmodell für Paid Content sein. Eine weitere immer häufiger anzutreffende Strategie ist das Bezahlen mit Daten, entweder den eigenen oder denen der Freunde in Form von Pay with a Tweet oder Pay with a Like.

Nach anfänglichem Hype ist es deutlich ruhiger geworden um diese innovative Bezahlmethode. Das mag daran liegen, dass eine bewusst herbeigeführte positive Meinungsäußerung durch den Nutzer hierzu- lande den Tatbestand der Schleichwerbung erfüllen kann.

Eine sehr pfiffige Adaption des Themas hat American Express gefunden. Das Kreditkartenunternehmen bietet Kunden Pay with a Tweet als Promotion-Lösung an. Will Amazon zum Beispiel den Verkauf seines Kindle Fire weiter anfeuern, so wird ein Hashtag erzeugt, der dem User einen Rabatt verspricht, wenn er das Gerät kauft und gleichzeitig darüber twittert. Aktuell verschenkt Buchhändler Barnes & Noble fünf Dollar an eifrige Twitterer, die für mehr als 25 Dollar einkaufen. Pay with a Like ist hingegen unkritisch, wie Rechtsanwalt Thomas Schwenke unter Berufung auf ein Gerichtsurteil argumentiert. Der Like selbst gilt noch nicht als beeinflusste Willensäußerung. Diese Methode setzt zum Beispiel das Magazin Focus nach wie vor ein - allerdings mit deutlich weniger nackter Haut als die Kollegen von der Taz.

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