Megaupload-Nachfolger

Filehosting-Plattform Mega geht genau ein Jahr nach Dotcom-Razzia an den Start

Kim "Dotcom" Schmitz hat seine neue Filehosting-Plattform Mega exakt ein Jahr nach der Megaupload-Razzia gestartet. Anstatt den Mega-Launch still und leise per Pressemitteilung bekannt zu geben, hielt Dotcom auf seinem Anwesen in Neuseeland eine pompöse Show ab.

Launch von Mega: Genau ein Jahr nach der Megaupload-Razzia startet der Nachfolger.

© Screenshot: mega.co.nz

Launch von Mega: Genau ein Jahr nach der Megaupload-Razzia startet der Nachfolger.

Mega ist online. Der Internetmillionär Kim "Dotcom" Schmitz hat genau ein Jahr nach dem Megaupload-Aus seine neue Filehosting-Plattform gestartet. Mega - so der einfache Name des neuen Internet-Diensts - ging am vergangenen Samstag (19. Januar 2013) um 18:48 Uhr deutscher Zeit live. Diesen Zeitpunkt wählte Dotcom bewusst aus: Zu jener Minute begann exakt vor einem Jahr die Razzia gegen ihn und die Köpfe der umstrittenen Filesharing-Webseite Megaupload, die zur Festnahme von Schmitz und drei seiner Mitarbeiter führte.

Der neue Dienst Mega soll eine Stunde nach dem Launch bereits über 100.000 Nutzer gezählt haben. Innerhalb weiterer zwei Stunden wuchs die Zahl gar schon auf 250.000. Am Sonntagmorgen hatte sich die Anzahl registrierter Nutzer noch einmal verdoppelt. Bei Mega handelt es sich um einen Cloud-Dienst, auf dessen Servern Nutzer ihre Dateien ablegen und zum Download freigeben können. Kostenlos-Nutzer erhalten 50 GB freien Speicherplatz und beschränkte Bandbreite sowie Geschwindigkeit.

Wer zahlt, kann höhere Kapazitäten verwenden: Für 9,99 Euro im Monat gibt es 500 GB Speicherplatz und ein Terabyte Bandbreite. Für 19,99 Euro bietet Mega zwei Terabyte zum Ablegen von Dateien und vier Terabyte Traffic. Das Profi-Paket für 29,99 Euro bietet vier Terabyte Online-Speicher und ein Download-Volumen von acht Terabyte. Abgesehen von der Preisstaffelung handelt es sich praktisch um ein neues Megaupload: mit dem Unterschied, dass Dateien beim Upload nun verschlüsselt werden.

Wer Downloads nutzen will, braucht einen Entschlüsselungs-Key - wohl eine bewusste Maßnahme gegen Hollywood-Anwälte. Die Plattform selbst befindet sich noch im Beta-Status, der Mega-Dienst ist noch häufig überlastet. Das symbolträchtige Datum für den Launch war Dotcom womöglich wichtiger. Am Samstagabend (deutscher Zeit) ließ Dotcom die ein Jahr zurückliegende Razzia mit Pseudo-Militärs und einem Hubschrauber während der Pressekonferenz auf seinem Anwesen in Neuseeland nachstellen.

Bewaffnete Soldaten seilten sich gleichzeitig von der Dotcom-Villa ab, stürmten in das Publikum vor der Open-Air-Bühne und brüllten: "Ihr seid alle verhaftet!" Auf der Bühne ließ sich Dotcom gleichzeitig von einer Gruppe Frauen im Militär-Look abführen: ein Seitenhieb auf die US-Regierung. Diese versucht bereits seit Monaten, Kim Schmitz wegen Megaupload in ein US-Gefängnis zu stecken. Wegen juristischen Gegebenheiten ist es bislang nicht dazu gekommen. Im August 2013 soll eine neue Anhörung zur möglichen Auslieferung von Schmitz an die USA stattfinden.

Die geschlossene Megaupload-Plattform diente unzähligen, sogenannten Raubkopierern als Upload- und Download-Plattform für illegal vervielfältigte Fassungen urheberrechtlich geschützter Inhalte wie etwa Filme, Software und Musik. Laut den Verantwortlichen soll Megaupload zwischenzeitlich für vier Prozent des gesamten Internet-Traffics weltweit verantwortlich gewesen sein. Der größte Teil davon dürfte illegaler Natur gewesen sein.

Sehr hohe Zugriffszahlen auf die Seite führten zu massig Werbeeinblendungen, an denen Dotcom unter anderem gut verdiente. Er bestritt darüber hinaus bis zuletzt, Kontakten aus der Raubkopierszene Geld dafür gezahlt zu haben, damit diese für ihre Downloads weiterhin Megaupload verwendeten. Stattdessen witterte Dotcom seitens der großen Hollywood-Firmen eine Verschwörung gegen ihn.

Mehr zum Thema

Popcorn Time Webseite
Illegales Filesharing

Anwälte weisen auf eine Abmahnwelle im Zusammenhang mit der Video-Plattform Popcorn Time hin. Nutzer des vermeintlichen Streaming-Portals erhalten…
Symbolbild: Recht
Redtube-Abmahnung

Die Redtube-Abmahnungen werden für Ex-Anwalt Urmann zu einem immer größeren Bumerang. Ein Gericht verurteilte den Abmahnanwalt zu Schadensersatz.
Symbolbild: Filesharing
BitTorrent-Gerichtsurteil

Ein US-Gericht wies die Klage von "Manny Film" ob des illegalen BitTorrent-Downloads von "Manny" ab. Eine IP reiche nicht aus, um Filesharer zu…
Symbolbild: Filesharing
Kopfgeld, Überwachung & Co.

Wie der Antipiraterie-Verband FACT in UK Jagd auf Filmpiraten macht: Neben Kopfgeld gibt es auch Überwachung in Kinosälen und auf Facebook.
netload.in: Screenshot des Nachfolgers
Nach Rapidshare

Der One-Click-Hoster Netload.in ist offline: per einstweiliger Verfügung, nachdem die Betreiber nicht ausreichend auf gemeldete Raubkopien…