Angetestet: Netgear NeoTV 550

Media-Player mit Blu-ray-Support von Netgear

Mit dem Netgear NeoTV 550 läutet der Hersteller eine neue Generation seiner Netzwerk-Media-Player ein, die nichts mehr mit den eher mäßigen Vorgängermodellen der EVA-Reihe zu tun hat. Der Player spielt nicht nur alle gängigen Dateiformate ab, sondern kann auch Blu-rays wiedergeben.

Netgear NeoTV 550

© Netgear

Netgear NeoTV 550

Mit der EVA-Modellreihe hatte sich Netgear im Bereich der netzwerkfähigen Multimediaplayer in der Vergangenheit keinen echten Gefallen getan - zu Umständlich war die Bedienung, das komplett datenbankbasierte Konzept wirkte eher umständlich als hilfreich.

Jetzt stellt der Hersteller eine völlig neue Produktreihe mit dem Namen "NeoTV" vor, die sich von der Bedienung her endlich mit den Mitbewerbern messen kann - und mit dem Modell "NeoTV 550" derzeit sogar die Konkurrenten hinter sich lässt. Während das kleinere Modell "NeoTV 350" (99 Euro online, 129 Euro im Handel) mit dem RealTek-1073-Chipsatz ausgestattet ist und "nur" 5.1-Sound liefern kann, werkelt im "NeoTV 550" der neue Sigma Designs 8642, der auch die HD-Audioformate über HDMI als Bitstream mit 7.1-Sound ausgibt. Mehr noch: Der Chip ist in der Lage, zwei Full-HD-Streams gleichzeitig zu dekodieren.

Das ist technisch auch notwendig, denn im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern ist das Gerät nicht nur ein (Netzwerk-)Mediaplayer, der alle gängigen Video- und Audioformate akzeptiert (außer DivX mit DRM), sondern auch ein vollwertiger Blu-ray-Player, wenn man ein externes Laufwerk per USB oder eSATA anschließt. Zudem kann das Gerät auch Blu-rays aus ISOs sowie aus Ordnern wiedergeben - BDlive, also die Online-Anbindung der Blu-ray-Disc, inklusive. Zu Redaktionsschluss war allerdings die Blu-ray-Zertifizierung noch nicht abgeschlossen, weshalb auch kein entsprechendes Logo auf der Verpackung prangt. Zum Testen wurde uns jedoch bereits jetzt die Blu-ray-Unterstützung freigeschaltet.

Äußerliches und Innereien

Anschlüsse sind an dem Gerät ausreichende vorhanden: Neben HDMI steht noch ein Componenten-Ausgang zur Verfügung, Besitzer von Röhrenfernsehern bekommen sogar noch einen Composite-Ausgang mit analogem Stereoton angeboten. Wer Audio-technisch noch nicht

im HDMI-Zeitalter angekommen ist, kann auch den optischen S/PDIF-Ausgang nutzen - bei den HD-Tonformaten wird dann nur der Core (Nicht-HD-Anteil) an den Verstärker ausgegeben. Vorne und hinten gibt es jeweils einen USB-Port, hinten zudem noch der eSATA-Anschluss, vorne ein SD-Kartenschacht. Eine interne Platte hat das Gerät nicht, so bleibt es jedem selbst überlassen, wie er die Daten speichert - beim WD TV Live Hub ist die 1 TByte-Festplatte fest eingebaut. Anbindung an das Netzwerk gibt es "nur" per Ethernet, für WLAN empfiehlt Netgear den hauseigenen "Universal WiFi Internet Adapter", ein kleines Kästchen, das per Ethernet-Kabel mit dem Player verbunden wird und sich dank 802.11n-Standard mit bis zu 300 MBit/s mit anderen Geräten verbindet. Der Vorteil sei, so der Realtek, dass es dann hinten am Gerät nicht so eng wird, wie wenn man einen klobigen WLAN-Stick verwendet.

Startet man das Gerät, so sorgt ein Assistent für die komfortable Einbindung in das eigene Netzwerk. Extern angeschlossene Geräte werden sofort erkannt und Mediendateien so indiziert, dass man integrierte Filterfunktionen zum Auffinden benutzen kann (z.B. Interpret, Album, Genre bei MP3). Liegen bei Filmdateien oder Musiktiteln Grafiken gleichen Dateinamens bei, werden diese als Cover-Art verwendet, was das Browsen in einer Titelliste visuell angenehmer gestaltet. Im Gegensatz zu WD TVs Live Hub muss man jedoch die Cover per Hand am PC hinzufügen, eine direkte Download-Funktion gibt es nicht. Gleiches gilt für Filminfos, die der Player direkt aus den MKVs ausliest - sofern sie angelegt worden sind. Dafür ist man dann nicht von einem bestimmten Online-Anbieter abhängig.

Wirft man einen Blick in die Einstellungen, merkt man die Liebe zum Detail. Für jedes Tonformat lässt sich extra einstellen, ob es stereo, per S/PDIF, per HDMI oder S/PDIF und HDMI ausgegeben werden soll. Zudem gehört der NeoTV 550 zu den ersten Playern, die MP3s auf Wunsch auch "gapless", also ohne jegliche Unterbrechung zwischen den Titeln, wiedergeben können - notwendig für Konzerte und Hörspiele, aber auch viele Pop- und Dance-CDs oder Musik aus dem Chillout-Bereich. Den Mediendateien beiliegenden Grafiken werden gecached, in den Einstellungen kann man festlegen, ob der Cache auf SD-Karte oder USB-Laufwerk abgelegt werden soll.

Desweiteren verfügt der Player über Einstellungen zur Zugangkontrolle - Stichwort: Jugendschutz - und erlaubt der Zugriff über einen Browser, um das Gerät fernzusteuern und das erneute Scannen von Medien manuell zu starten. Die Oberfläche dieses Webfrontends ist jedoch einfach gehalten, Streaming von Mediendaten ist (noch) nicht möglich.

In der Praxis

Bei einem kurzen Test konnten wir uns bereits einen ersten Eindruck vom Gerät verschaffen. Tatsächlich funktioniert die Blu-ray-Wiedergabe inklusive Menüs, allerdings schafften wir es zumindest bei zwei unterschiedlichen Disks, das Gerät zum Stillstand zu bringen - hier half nur das Trennen von der Stromzufuhr. Beim Start der Wiedergabe zahlreicher Videodateien fiel der Ton nach rund 5-10 Sekunden für einen ganz kurzen Moment aus; dass ein paar wenige Videodateien nach dieser Zeit plötzlich

wie von Geisterhand vorgespult wurden, dürfte in die gleiche Richtung gehen - wir vermuten einen Bug im Algorithmus für die Bild-Ton-Synchronisation. Beispielfiles mit amerikanischer Bildwiederholrate von 59,94 Bildern/Sekunden ruckelten - hier muss man wohl derzeit trotz aktivierter automatischer Bildratenanpassung manuell das Fernsehformat (PAL, NTSC) in den Einstellungen ändern.

Letztendlich dürfte es sich bei den genannten Problemen um kleinere Bugs in der Firmware handeln. Die Blu-ray-Probleme dürften spätestens mit der Blu-ray-Zertifizierung behoben sein, und der NTSC-Bug ist so offensichtlich, dass auch hier eine neue Firmware für Abhilfe sorgen wird.

Unter dem Strich kann das Gerät dennoch begeistern, da es alle gängigen Formate unterstützt und mit der Gapless-Playback-Funktion auch endlich ein "Feature" liefert, das wir von anderen Playern schon längt erwartet haben. Die Blu-ray-Wiedergabe ist, wenn sie ausgereift ist, ein geniales Feature: Bei einem empfohlenen Verkaufspreis von 149 Euro (online, Handel: 159 Euro), rund 60 Euro für ein BD-ROM-Laufwerk und ca. 25 Euro für ein externes USB-2.0-Gehäuse erhält man für unter 250 Euro einen vollwertigen Blu-ray-Player mit einer Medien- und Netzwerkunterstützung, wie sie noch kein Standalone-Player zu bieten hat - lediglich echte 3D-Unterstützung fehlt noch, das der verwendete Sigma-Designs-Chip keine MVC-Dekodierung beherrscht, natürlich aber "normale" Side-by-Side-Encodings.Im Vergleich zu Western Digitals WD TV Live Hub fehlt diesem Gerät die Anbindung an Facebook und kommerzielle Dienste - hier gibt es "nur" YouTube, Webradio, Flickr und News-Kanäle. Allerdings muss sich jeder selbst die Frage beantworten, ob er 100 Euro mehr ausgeben will für Facebook und eine interne, nicht austauschbare 1-TByte-Festplatte und stattdessen auf die umfangreichen Blu-ray-Features verzichtet.

Anschlüsse des Netgear NeoTV 550

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An der Rückseite bietet NeoTV 550 alle gängigen Anschlüsse von analog bis digital. Lediglich auf RGB- oder S-Video-Ausgabe muss man verzichten.
Netgear NeoTV 550 mit Fernbedienung

© Netgear

Dem Netzwerkplayer liegt eine große Fernbedienung bei - manche Mitbewerber knausern hier etwas.
Netgear NeoTV 550

© Netgear

Im Gegensatz zu den meisten Playern der letzten Generation bietet der NeoTV 550 auch eine Cover-Ansicht.

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