Viele Follower sind unbedeutend

"Das Problem der Start-ups sind die Gründer"

Wieder einmal rockte Gary Vanyerchuck die Bühne der Digitalkonferenz Le Web. Beim Thema Datenschutz aber vergallopierte er sich ebenso wie Orange-Chef Stephane Richard.

Gary Vaynerchuck

© Archiv/Intmag

Gary Vaynerchuck

Wenn Gary Vaynerchuck aufläuft, wird es unterhaltsam - und lehrreich. Und so sorgte er am zweiten Tag der Le Web in Paris für einen der dominierenden Auftritte. Einst hatte er Wine Library gegründet, den heute größten Online-Wein-Discounter Nordamerikas. Mit seinen Wein-Videos wurde er zum Kult, es folgten Management-Bücher und die neue Karriere als Berater.

Auf der Bühne teilt er aus, Flüche gehören dabei zur Alltagsware. Gary Vaynerchuck verwendete "Fuck" in einem Satz öfter als anderen Speaker in den bisherigen zwei Tagen zusammen.  Den anwesenden Startup-Gründern schrieb er ins Stammbuch, dass Profit durchaus ein relevantes Geschäftsziel sei. Große Fangemeinden und Followerschaften hießen gar nichts. Wichtig sind die, die sich für das Unternehmen und die Produkte interessieren. "Nichts ist wichtiger als der Endkunde", sagt Vaynerchuck. Das verstünden zu wenige Gründer, weshalb sie das größte Problem vieler Startups seien. Da erreicht die Digitalwirtschaft eine Nachricht, die die "Old Economy" schon eine Weile kannte.

Kontrovers wurde es beim Thema Datenschutz. "Der transparente Bürger ist ein besserer Mensch, denn er traut sich ja nichts Böses mehr", meint Vaynerchuck.  Hierauf dann doch die Erwiderung einer französischen Kollegin, dass das die Argumentation von totalitären Staaten ist. Chapeau Madame, das war nötig.

Stephane Richard, CEO des französischen Teleko-Konzerns Orange, hatte auch so seine Probleme mit dem Thema Datenschutz. Der Datenaustausch an staatliche Behörden sei ja gesetzlich genehmigt, außerdem handele es sich nur um Einzelfälle. Mancher im Publikum sah das anders.

Clara Shih, CEO und Gründerin von Hearsay Social, wünscht sich mehr Frauen im digital business und unter den Firmengründern. Ohnehin war dies ein Thema, das während der Le Web immer wieder auftaucht: Es gibt zu wenige Frauen im Tech-Geschäft. Das liege weniger an Sexismus, glauben viele Redner, als vielmehr an zu wenigen Frauen, die einen technischen Hintergrund mitbringen. Startups aber bräuchten dringend weibliche Teammitglieder, dann seien sie nachweislich erfolgreicher.

Am Rande der Le Web hatten wir die Möglichkeit, ein Exklusivinterview mit Rafi Haladjian zu führen. Als einer der Pioniere des Internet of Things sieht er die Entwicklung dort sehr positiv, aber auch große Aufgaben für die Unternehmen. Startups müssen sich plötzlich mit Herstellung, Lieferung und Support befassen, die eingesessene Industrie sich vom Produktanbieter zu einem Lösungsanbieter verändern. Das verändert das Wirtschaften grundlegend. Das komplette Interview lesen Sie in der Ausgabe 2/2014 des Internet Magazins.

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