Interview: 10 Fragen - 10 Antworten zum Thema 3D-Kino

"Keine 3-D-Müdigkeit festzustellen"

Die IFA im September in Berlin wird es zeigen: 3D ist mittlerweile ein großes Thema fürs heimische Wohnzimmer. Doch man erinnere sich: Der eigentliche 3D-Boom der Neuzeit entstand im Kino.Video-HomeVision wollte deshalb von Kim Ludolf Koch, Geschäftsführer von Cineplex, der zweitgrößten Kinokette Deutschlands, wissen, wie er die Zukunfts des 3D-Kinos beurteilt - und ob er sich selbst einen 3D-Fernseher kaufen würde.

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© Cineplex

Cineplex-Kino
Video-HomeVision:  Welche Rolle spielt 3D heute für die deutsche Kinolandschaft? Kim Ludolf Koch: 3D hat dem deutschen Kinomarkt einen wichtigen und auch notwendigen Innovationseffekt gegeben. Denn es hat der Branche einerseits einen Impuls gegeben, die technische Marktführerschaft wieder zu übernehmen und andererseits die Kunden wieder vom heimischen Monitor weggelockt, weil wirklich etwas spektakuläres zu sehen ist. Aber man darf nicht vergessen, dass diese Effekte mit einer immensen Investitionen erkauft worden.   VHV:  Wie sehen die Besucheranteile für 2D vs. 3D mittlerweile aus? Koch: Als es am Anfang noch Engpässe bei den 3D-Leinwänden gab oder es in der ersten Spielwoche überstarken Besucherandrang gibt, und viele Besucher dann auf die 2D-Version ausweichen, kommt es zu einer etwa hälftigen Aufteilung. Sobald ausreichend Kapazitäten für die 3D-Version da sind, ist diese im Regelfall die deutlich besucherstärkere. Abhängig vom Film beläuft sich das Verhältnis von 3D zur 2D eines Films auf etwa 60 bis teilweise 80 Prozent des gesamten Einspiels zu Gunsten der dreidimensionalen Version. Wird die 3D-Version wie zum Beispiel bei Avatar noch mehrere Monate länger gespielt als die 2D-Version, steigt der Anteil natürlich immer weiter.   VHV:  Sind in Deutschland schon ausreichend Kinos mit 3D-Technik ausgerüstet? Koch: Da derzeit jede Woche noch Kinos dazu kommen, sind nur grobe Schätzungen möglich. Ich gehe davon aus, dass rund 500 Leinwände 3D-fähig sind. Bei Cineplex, der zweitgrößten Kinokette in Deutschland, ist die stärkste Verbreitung von 3D festzustellen: Mehr als 100 Leinwände. Insgesamt glaube ich, dass der Markt weitestgehend gesättigt ist. Bei mehreren starken 3D-Filmen kann es zwar immer noch zu Engpässen kommen, aber die Vorhaltungen der Technik an einzelnen Besucherspitzen zu orientieren, ist nicht wirklich wirtschaftlich. Da die Anlagen nach wie vor recht teuer sind, muss eine Kapazitätsanpassung an der durchschnittlichen Belegung orientiert werden.   VHV:  Wie teuer und aufwendig ist es eigentlich, einen Kinosaal 3D-fähig zu machen und ihn später entsprechend zu unterhalten? Koch: Um 3D-fähig zu sein, ist zunächst eine digitale Projektion-und Servertechnologie anzuschaffen. Dieser setzt in einzelnen Fällen auch voraus, den Vorführraum zu klimatisieren und andere technische Vorkehrungen zu treffen. Diese Positionen belaufen sich auf rund 70.000 Euro bis 80.000 Euro. Die 3D-Systeme unterscheiden aktive und passive Systeme. Bei den passiven Systemen ist die Anlage teuer und die Brille preiswert bei den aktiven Systemen ist es umgekehrt. Mit einem Jahresbedarf an Brillen belaufen sich die Kosten zusätzlich noch einmal auf rund 30.000 Euro. Mit anderen Worten: um einen Kinosaal 3D-fähig zu machen, ist eine Investition von mindestens 100.000 Euro erforderlich.  

VHV:  Wie sieht die Zukunft fürs 3D-Kino aus? Wird 3D die herkömmliche 2D-Projektion irgendwann komplett ablösen?Koch: ich glaube, dass wenn regelmäßig starke und attraktive Filme in 3D produziert werden und ins Kino kommen, dass wir langfristig einen Besucheranteil von etwa 20 bis 30 Prozent für die dreidimensionalen Filme haben. Im Bereich Action wird es auch ein höherer Anteil sein können, bei Zeichentrick wird 3D sicherlich zwei Drittel der Besucher binden Im Bereich Komödie, Melodram, Literaturverfilmung und anspruchsvoller Filmware wird 3D hingegen die Ausnahme bleiben. "Bildqualität zuhause und im Kino nur bedingt vergleichbar" VHV:  Noch genießt Kino einen technischen Vorsprung gegenüber Home Entertainment. Sehen Sie eine Gefahr für das Kino, wenn sukzessive mehr 3D-Fernseher verkauft werden?Koch: Natürlich sind 3D-Fernseher ein Wettbewerb zur Leinwand im Kino, aber auch nicht stärker als der normale Fernseher ein Wettbewerb zur 2D-Leinwand darstellt. Im übrigen halte ich die Bildqualität zuhause gegenüber einer attraktiven Qualität im Kino - insbesondere wenn man mit mehreren Personen vor dem Fernseher sitzt - für nur sehr bedingt vergleichbar. VHV:  Werden Sie sich selbst einen 3D-TV zulegen?Koch: Definitiv nein. VHV:  Manche Branchenkenner sehen bereits eine erste 3D-Müdigkeit beim Publikum. Sehen Sie diesen Durchhänger auch?Koch: Diese 3D-Müdigkeit wurde für den amerikanischen Markt konstatiert und ich bin mir nicht sicher, ob die Daten wirklich valide sind. Für Deutschland jedenfalls kann ich diese 3D-Müdigkeit nicht feststellen und selbst wenn dies bei einzelnen Filmen einmal stattfindet, kann ich daraus noch keinen Trend ableiten. VHV:  Werden überhaupt die "richtigen" Filme in 3D gezeigt? Sind es zu viele, zu wenige?Koch: diese Frage kann ich für jede Art von Filmen stellen: wenn ein Film nicht gut läuft, war es vielleicht nicht der richtige, wenn es gut läuft war es der richtige. Tatsache ist allerdings, dass Filme, die nicht in 3D produziert, sondern nur nachbearbeitet wurden, deutlich weniger realistische Effekte aufweisen. Insofern wünsche ich mir, dass hier mehr Qualität als Quantität auf die Leinwand kommt. Angesichts des Aufpreises, den wir aufgrund der Investitionen in die Technik nehmen müssen, wird es dem Kunden schwer zu vermitteln sein, wenn wir einfach schlechte 3D-Filme zeigen. Ich hoffe, dass auch die Produzenten in Hollywood und anderswo dies erkennen und Filme von vornherein in 3D produzieren und nicht erst nach der Herstellung denken, hier noch mit ein paar nachbearbeiteten Effekten höhere Umsätze zu erzielen. VHV:  Auf welche 3D-Filme freuen Sie sich persönlich?Koch: Ich persönlich freue mich natürlich sehr auf den Pina-Bausch-Film von Wim Wenders, auch wenn ich weiß, dass dieser Film es an der Kinokasse schwer haben wird. Wirtschaftlich bin ich auf den "Harry Potter" gespannt, der im November starten wird und der Branche eine gute Möglichkeit bietet, die Besuchereffekte von 3D genauer zu beobachten. Über CineplexDie Cineplex-Gruppe ist der Zusammenschluss wirtschaftlich eigenständiger, mittelständischer Kinounternehmen, die sich Mitte der 90er-Jahre entschieden haben, in wichtigen Geschäftsfeldern gemeinsam zu handeln. Inzwischen sind über 80 Kinos mit insgesamt mehr als 400 Leinwänden deutschlandweit in der Grue vertreten, die sich als zweitgrößter Kinoanbieter in Deutschland etabliert hat. Über die Hälfte der Standorte sind modernste Multiplexe mit höchstem Standard in Bezug auf Service und Komfort. Quelle: Cineplex Mehr zum ThemaDas Thema "3D im Kino" ist auch Thema der "3D-Praxis"-Reihe in der Printausgabe von Video-HomeVision, die am 3. September erscheint. In der aktuellen Ausgabe lesen Sie: "So funktioniert ein 3D-Fernseher" und "Finstere Zeiten? Alles über die ersten 3D-Beamer fürs Heimkino". 

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Kim Luolf Koch, Cineplex

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