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Kapitalgeber greift deutsche Gründer an

Schwerwiegende Fehler, die zur Existenzgefährdung ihrer Unternehmen führen, wirft Neil Rimer vom bekannten Venture-Capital-Fond Index Ventures deutschen Gründern vor.

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© Archiv

Es sind harsche Worte, die Neil Rimer wählt: "...zu unserem Überraschen treffen wir weiterhin auf Gründer, die in frühen Finanzierungsrunden schwerwiegende Fehler gemacht haben, die letztendlich die Grundlagen ihrer Unternehmen gefährden und vermutlich mit ihrem Instinkt unvereinbar sind."

Damit meint der Mitgründer und Partner des Wagniskapitalgebers Index Ventures deutsche Startup-Gründer. In einem offenen Brief, veröffentlicht im WSJ Tech-Blog des Wall Street Journal Deutschland,

Er sieht als Hauptfehler deutscher Gründer:

  1. Sie geben zu früh zu viele Anteile an Geldgeber ab.
  2. Sie halten zu wenig Anteilspositionen zurück um so später Mitarbeiter zu locken oder zu halten.
  3. Jene Geldgeber mit den vielen Anteilen dominieren dann noch die Unternehmensgremien.

Hielten Investoren jedoch sehr früh schon über die Hälfte der Anteile, kritisiert Rimer, sei es für spätere Geldgeber extrem schwer ihr Investment zu strukturieren. Schließlich sollte dessen Ziel sein, eine gesunde Finanzbasis zu schaffen.

Rimer schreibt: "Natürlich liegt die Schuld an solch 'windschiefen' Strukturen nicht allein bei den Angel-Investoren. Zu einem gewissen Grad tragen die Gründer Mitschuld, da sie entweder zu viel Kapital eingesammelt oder ihre Anteile verschenkt haben, ohne die Auswirkungen auf spätere Kapitalerhöhungen zu berücksichtigen. In vielen Fällen gehen Gründer bei Finanzierungsrunden mit einer gewissen Naivität vor - insbesondere wenn es ihr erstes Unternehmen ist. Dies kann man ihnen nur bedingt vorwerfen, jedoch lässt dies Rückschlüsse auf ihr Urteilsvermögen und ihre Prioritäten zu - hätten sie doch anstelle eines schnellen, unüberlegten Deals einen erfahrenen Ratgeber hinzuziehen können."

Index Ventures gehört zu den bekanntesten Venture Capital-Gebern der Technologieszene. In Deutschland ist der Fonds unter anderem beteiligt am Musikdienst Soundcloud und dem Online-Marktplatz Dropshop. Auch der hochgejubelte und tief gefallene Empfehlungsdienst Amen gehört zum Index-Portfolio.

Rimer greift damit in eine seit Monaten schwelende Debatte. Im Wahlkampf versuchte Xing-Gründer Lars Hinrichs die Politik zu sensibilisieren, Wirtschaftsminister Philipp Rösler hatte gemeinsam mit Intershop-Gründer Stephan Schambach eine Wiederbelebung des Börsensegments Neuer Markt ins Spiel gebracht. Im Lunch Talk von Wiwo.de sprach Hinrichs auch von einem Überangebot an Seed-Kapital: "Wir schwimmen im Geld." Gleichzeitig aber "fehlt es an typischen Anschlussfinanzierungen, wie es sie in den USA gibt":

Lunchtalk mit Lars Hinrichs

Quelle: WirtschaftsWoche
16:41 min

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