Moderne Fahrräder

Der Kampf um das Fahrrad der Zukunft

Jedes beliebige Fahrrad zum E-Bike umrüsten und mit dem Handy steuerbar machen - dieser Idee jagen gleich zwei US-Startups hinterher.

Fahrrad

© IntMag

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Eigentlich sind E-Bikes toll. Nur: Sie sind zu teuer für jedermann. Doch was wäre, könnte man aus jedem Fahrrad ein Elektrobike machen?

Genau das planen zwei Startups von der US-Ostküste: Superpedestrian mit seinem Copenhagen Wheel und FlyKly mit seinem Smart Wheel. Sie liefern sich einen Kampf um die Zukunft des E-Bikes.

Das Copenhagen Wheel wurde erstmals im Dezember 2009 auf der United Nations Climate Conference vom Senseable City Lab der US-Elite-Uni MIT als klimafreundliches Projekt für die Stadt Kopenhagen vorgestellt. Der Prototyp wurde mit technischer Unterstützung von Ducati Energia und Finanzierung des dänischen Umweltministeriums realisiert. Erst 2013 übernahm das Bostoner Startup Superpedestrian die Lizenz und sammelte 2,1 Millionen Euro vom Investor Spark Capital mit Beteiligung von Tumblr-Gründer und -CEO David Karp, um das intelligente E-Bike-Modul bis zur Marktreife zu bringen.

Die Macher entwarfen per Smartphone steuerbare Hinterradmotoren die mit jedem Fahrradrahmen in den Größen 20, 26 und 28 Zoll kompatibel sein sollen. Sie werden einfach gegen das vorhandene Hinterrad getauscht und bringen das Rad nicht nur ans Laufen, sondern liefern in Echtzeit Daten zu Luftverschmutzung, Verkehrssituation und Straßenzustand. Im Laufe diesen Jahres soll die Lösung auf den Markt kommen.

Um ein normales Fahrrad mit Hilfe des Copenhagen Wheel in ein E-Bike umzuwandeln, reichen laut Angaben des Teams zwei Schrauben, das Einsetzen des Rades und die passende App. Das Smartphone des Fahrers wird in der Mitte der Lenkerstange festgeclipst. Sämtliche anderen Bestandteile des Copenhagen Wheel sind elegant in der roten Nabe der Hinterachse verpackt. Keine zusätzlichen Verdrahtungen oder umständlich anzubringenden externen Batterien stören das Gesamtbild.

In der Nabe befinden sich alle Elemente für den Elektroantrieb und Sensoren - die exakt dosierte Unterstützung durch mitdenkende Mechanismen, sobald der Fahrer in die Pedale tritt. Sie wird aber immer nur dann zur Verfügung gestellt, wenn der Fahrer diese Unterstützung auch wirklich benötigt. Intelligente Elektronik soll dafür sorgen, dass er immer mit dem gleichen Aufwand strampelt, egal ob er sich auf einer geraden Straße oder auf dem Weg bergauf befindet, und daher weiter, einfacher und schneller als ohne Copenhagen Wheel vorankommt.

Das Smartphone des Fahrers mit der entsprechenden App steuert den Grad der Unterstützung, außerdem sammelt der E-Bike-Hybrid die durch Treten und Bremsen erzeugte Energie und speist sie zurück in den Akku, um die Reichweite zu erhöhen. Mit der Copenhagen-Wheel-App lässt sich das Fahrrad aber auch verschließen und wieder entsperren, der Anteil der automatischen Unterstützung beim Treten festlegen und die Gangschaltung regulieren.

Anfang diesen Jahres soll die Auslieferung beginnen. Preis: 799 Dollar. Superpedestrian-Chef Asaf Biderman sagt: >>Wir sind alle besonders begeistert vom CPH Wheel, weil es das Konzept von Urban Mobility für jede Stadt in den Bereich des Umsetzbaren rückt. Unsere Vision ist es, wirklich jede Stadt auf diese Weise befahrbar zu machen.<<

In der zeitlichen Lücke zwischen der Vorstellung des Prototyps und der Übernahme durch Superpedestrian entwickelte der New Yorker Niko Klansek das FlyKly Smart Wheel (oben im Bild), das viele Ähnlichkeiten mit dem CPH aufweist. Inspirierte ein Produkt das andere? Ist es eine Raubkopie? Oder ein Zufall? Darüber darf jeder spekulieren.

Die Funktion jedoch ist identisch: Ein Rad mit Elektroantrieb in der Nabe wird in die Hinterradhalterung gesteckt, die Kette angezogen und fertig ist das smarte E-Bike, dessen Steuerung über eine App erfolgt, während das Handy des Fahrers in einer Halterung auf der Mitte des Lenkers sitzt. Wo ist der Unterschied zum Copenhagen Wheel? Das Entwicklerteam behauptet, die grundsätzliche Idee sei nicht patentierbar: >>Das FlyKly Smart Wheel besitzt jedoch einen dünneren, leichteren und vor allem leistungsfähigeren Motor mit als alle vergleichbaren Modelle, und auf diesen haben wir ein internationales Patent. Außerdem fährt das Smart Wheel nie ohne Pedaleinsatz - es ist nämlich kein Standard-E-Bike, sondern bietet ausdrücklich eine Assistenzfunktion.<< Finanziert wurde das Projekt über eine Kickstarter-Kampagne die rund 700.000 Dollar einbrachte. Das erste Etappenziel von 100.000 Dollar war sogar schon nach 48 Stunden erreicht.

Auch FlyKly bringt interessante Detaillösungen mit: So lässt sich das Rad durch Abwärtsfahrten oder eine Verweildauer von 2 bis 3 Stunden an einer Steckdose wieder aufladen. Sein Smartphone-Halter ist ein Ladegerät, sodass auch dem Zugriff auf die App nie der Saft ausgehen kann. Dieses Ladegerät powert aber nicht nur das Handy, sondern auch das >>Smart Light<<, die LED- Beleuchtung des E-Bikes.

Sollte das Rad gestohlen werden, meldet die Mobile App die Bewegung trotz per Anwendung >>verschlossenem<< Bike durch das Senden einer Message und aktiviert anschließend ein GPS- Tracking, um ein zügiges Wiederauffinden zu ermöglichen. Außerdem erlernt auch dieses Smartphone-gesteuerte E-Bike die typischen Verhaltensweisen seines Besitzers und schlägt anschließend geeignete Routen vor, die sich per App an Freunde weitergeben lassen. Die FlyKly-App über- wacht durchgehend alle Komponenten und deren Funktionsfähigkeit, um zeitnah Lösungen anbieten zu können, wenn Probleme auftreten.

Die App ist kostenlos, die Standard-Edition mit Smart Light und FlyKly Smart Wheel sowie Ladegerät können für 590 US-Dollar inklusive internationalen Versandkosten vorbestellt werden. Die >>Hacker<< SDK Edition des Rads für 700 US-Dollar bringt ein Software Development Kit mit. Laut der Timeline auf der Kickstarter-Kampagnenseite wird das FlyKly Smart Wheel ab Frühjahr 2014 ausgeliefert.

CPH Wheel

© Hersteller

The Copenhagen Wheel - Data Visualization

Quelle: MIT Senseable City Lab
1:59 min

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