Geplante Übernahme durch Canon

OCR-Firma I.R.I.S. Group - Gründer und CEO im Interview

Hier lesen Sie unser Interview mit Pierre de Muelenaere. Der Gründer, Präsident und CEO der I.R.I.S. Group spricht über die Hintergründe der von Canon geplanten Übernahme des OCR-Spezialisten und die Entwicklung der Software-Industrie.

PC Magazin spricht mit dem I.R.I.S.-Group-CEO Pierre de Muelenaere über die geplante Übernahme durch Canon.

© Peter Knoll

PC Magazin spricht mit dem I.R.I.S.-Group-CEO Pierre de Muelenaere über die geplante Übernahme durch Canon.

Der Canon-Konzern, seit 2009 ohnehin einer der größten Anteilseigner, will die belgische OCR-Firma I.R.I.S. Group möglichst komplett übernehmen. Pierre de Muelenaere hat I.R.I.S. vor 26 Jahren gegründet und ist bis heute ihr Präsident und CEO. Mit ihm sprach PC Magazin Redakteur Peter Knoll.

PC Magazin: Herr Muelenaere, noch vor 15 Jahren gab es mindestens zehn bekannte OCR-Software-Entwicklerfirmen mit nennenswertem Marktanteil. Übrig geblieben sind heute noch drei, darunter I.R.I.S. Was haben Sie besser gemacht als Andere?

Pierre de Muelenaere: "Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Wir haben immer sehr großen Wert gelegt auf einen respektvollen und auf langfristige, faire Zusammenarbeit angelegten Umgang mit unseren Partnern. Zudem haben wir uns nie auf unseren Erfolgen ausgeruht und gehen immer davon aus, auf harte Konkurrenz zu treffen. Es gibt ja nicht nur die drei bekannten OCR-Anbieter. Firmen, die OCR-Technologie entwickeln, finden Sie viele, darunter auch Firmen in China.

Von diesen Firmen müssen wir uns durch bessere Qualität abheben, deshalb haben wir immer sehr viel Geld in die Weiterentwicklung der Technologien gesteckt. I.R.I.S. hat immer einen internationalen, globalen Ansatz verfolgt und sich nie nur mit einem Teilmarkt zufrieden gegeben. Die meisten unserer Produkte werden in über 90 verschiedenen Ländern vertrieben.

Im Gegensatz zu einigen Firmen, die es heute nicht mehr gibt, haben wir aber auch Marketing und Vertrieb nicht vernachlässigt. Und wir haben immer sehr solide gewirtschaftet: Für den langfristigen Erfolg einer Firma kommt es entscheidend darauf an, die richtigen Investitionen an der richtigen Stelle - und zur richtigen Zeit! - zu tätigen."

PC Magazin: Canon will I.R.I.S. möglichst komplett übernehmen. Sehr viele Firmenübernahmen scheitern, weil die Firmenkulturen der übernehmenden und der übernommenen Firma nicht zusammenpassen.

Pierre de Muelenaere: "Sie sprechen da einen ganz wichtigen Punkt an. Ja, es stimmt: In vielen Fällen stellen Firmenübernahmen eine gigantische Ressourcen-Vernichtung dar. Im Fall der geplanten Übernahme von I.R.I.S. durch Canon sind jedoch alle Voraussetzungen für einen Erfolg gegeben: Es handelt sich um eine freundliche Übernahme, das Management-Team von I.R.I.S. begrüßt einhellig diesen Schritt, weil er eine Win-win-Situation für alle Beteiligten ist.

Er ist gut für die Shareholder, deren Interesse ich zu wahren habe. Er ist gut für Canon, da der Preis fair von Finanzexperten beider Seiten berechnet wurde. Und er ist gut für die Mitarbeiter(innen) von I.R.I.S. Es ist ja auch nicht so, dass wir seit gestern mit Canon kooperieren, sondern es findet seit mehr als drei Jahren eine sehr enge, vertrauensvolle und fruchtbare Kooperation statt.

Canon hat sich klar zu einem Ausbau der Informationsmanagement-Sparte bekannt, beide Firmen verfolgen eine gemeinsame Vision. Und: Anders als bei anderen Übernahmen bleibt der Firmensitz erhalten, ebenso der Name und das Geschäftsmodell."

PC Magazin: Wie wird sich die geplante Übernahme auf die bestehenden Geschäftsbeziehungen auswirken? Vor einigen Jahren war HP noch der große Sponsor der Hausmesse IrisLink, heute ist davon nichts mehr zu sehen.

Pierre de Muelenaere: "HP ist und bleibt einer unserer wichtigsten Partner, auf den wir sehr großen Wert legen. HP ist ein Technologie-getriebenes Unternehmen - eine perfekte Ergänzung zu unserer völlig anderen Partnerschaft mit Canon."

PC Magazin: Das Tablett verdrängt Desktop-PC und Laptop - das zumindest verkünden diverse Analysten. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Pierre de Muelenaere: "Offen gesagt, glaube ich nicht stark an die Vorhersehbarkeit von Entwicklungen durch die Marktforschung - dazu habe ich einfach schon zu viel erlebt. Selbstverständlich führen wir auch Marktforschung etwa in Form von Kundenbefragungen durch. Aber letztlich heißt es immer: Ausprobieren und dann weitersehen.

Keine Marktforschung hat beispielsweise den Markterfolg eines unserer erfolgreichsten Produkte vorhergesagt: Den Stiftscanner Irispen haben wir mittlerweile über 500.000 mal verkauft. Sicher scheint mir, dass die Bedeutung des Cloud-Computing zunehmen wird. Software-Firmen werden künftig zweierlei anbieten müssen: eine stationäre Lösung UND eine mindestens genauso funktionsstarke Cloud-Lösung.

Weil wir nie ganz sicher sein können, wohin sich die Märkte künftig entwickeln, bieten wir Produkte für unterschiedliche Plattformen an, unter anderem für Windows, MacOS, iOS und Android."

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© Peter Knoll

Pierre de Meulenaire: Gründer, Präsident und CEO der I.R.I.S. Group
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© Peter Knoll

Win-win-Situation: Pierre de Meulenaire, CEO der I.R.I.S. Group, begrüßt auf der Pressekonferenz anlässlich der Hausmesse IrisLink 2013 die von Canon geplante Übernahme der von ihm vor 26 Jahren gegründeten und seither geleiteten Firma.

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