Verschlüsselung

iPhone: Daten-Abgriff durch die Hintertür?

Ein US-Gericht hat von Apple eine Software gefordert, um wichtige Sicherheitsfeatures im iPhone auszuhebeln. Apple-CEO Cook kündigt Widerstand an.

Apple Store 5th Avenue

© Apple

Eingang zum Apple Store in der 5th Avenue in New York.

Nachdem ein US-Gericht Apple aufgefordert hatte, bei der Entschlüsselung eines iPhones zu helfen, kündigte Apple-Chef Tim Cook in einem offenen Brief heftigen Widerstand an. Er bezeichnete die Forderung des Gerichts als einen beispiellosen Schritt, der die Sicherheit der Apple-Kunden gefährdet, und als Angriff auf die Werte der Demokratie, die der Staat eigentlich schützen soll.  

Aushebeln der Apple-Sicherheitsfeatures

Das US-Gericht hatte im Fall von Sayed Farook, der im Dezember 2015 in San Bernadino 14 Menschen erschoss und 22 Personen verletzte, bei Apple eine technische Unterstützung des FBI beim Knacken seines iPhone 5c eingefordert. Bislang war die US-Bundespolizei nicht in der Lage, die gespeicherten Daten aus dem Smartphone des Attentäters zu lesen.

Speziell geht es um die Aufhebung der automatischen Löschfunktion, wenn ein falsches Passwort zehn Mal eingegeben wird. Außerdem forderte die Richterin von Apple ein Programm, das die Eingabe des Passworts über eine elektronische Schnittstelle erlaubt. Und schließlich soll die geforderte Software auch verhindern, das sich der eingebaute Verzögerungsmechanismus bei der Eingabe falscher Passwörter aktiviert. Nach Angabe von Apple braucht man bei diesem Sicherungssystem in iOS 9 bis zu fünfeinhalb Jahre, um ein sechsstelliges Passwort zu knacken, das aus Kleinbuchstaben und Zahlen besteht.

Cook kündigt Widerstand an

Apple-Chef Cook sieht den Gerichtsbeschluss als Aufforderung an, die eigenen Geräte zu hacken und die Sicherheitsentwicklungen der letzten Jahre auszuhebeln. In seinem offenen Brief betont er, dass das Gericht etwas von Apple haben will, was Apple gar nicht besitzt und technisch auch nicht machbar sei. Er sieht die Forderung des Gerichtes als eine Aufforderung zum Einbau einer Hintertür in iPhones an, die alle wichtigen Sicherheitsfunktionen im iPhone aushebelt.

Ist diese Technik einmal vorhanden, argumentiert Tim Cook weiter, könnte sie immer wieder eingesetzt und auf einer beliebigen Anzahl von iPhones verwendet werden.

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