Interview

Timo Schneckenburger über HD+

HD+ macht mobil: Das Tochterunternehmen des Satellitenbetreibers SES mausert sich von der HDTV-Plattform zum Universaldienstleister für private Fernsehsender. Im Gespräch mit video erläutert Geschäftsführer Timo Schneckenburger, wie sich HD+ weiterentwickelt.

Timo Schneckenburger

© HD+

Timo Schneckenburger

video: HD+ hat 1,28 Mio zahlende Zuschauer und fast 2,7 Millionen Nutzer. Allerdings flacht die Wachstumskurve schon etwas ab. Gibt es hier bereits eine Art Sättigung?

T. Schneckenburger: Die Anzahl unserer Kunden wächst nach wie vor sehr dynamisch. Geringere Zuwächse sehen wir derzeit nur bei Haushalten in der 12-monatigen Gratisphase, nachdem man eine HD+-Karte erstmals in Betrieb genommen hat. Durch die Abschaltung der analogen Satellitenübertragung im letzten Jahr wurden 2012 sehr viele Set-Top-Boxen verkauft, darunter auch viele HD+-Geräte. 2013 ging der Markt stark zurück, dieser Einbruch betrifft die gesamte Branche und damit auch uns.

video: Wie schätzen Sie das weitere Potential für HD+ in Deutschland ein?

T. Schneckenburger: Wir können da keine absoluten Zahlen sagen, aber die HDisierung ist ein fortlaufender Prozess. Natürlich wächst das Potential mit jedem HD-fähigen TV-Gerät das ausgeliefert wird und mit der Bekanntheit der HD-Ausstrahlung. Wir erwarten auch durch die neuen Ultra-HD-TVs weiteres Wachstum. Schließlich gibt es bislang so gut wie keine entsprechenden Inhalte und auch die Schnittstellen- und Übertragungstechniken entstehen erst. Dennoch soll auf den Ultra-HD-TV-Geräten mit 60, 65 oder mehr Zoll ein gutes Bild zu sehen sein. Dafür sind Inhalte in HD nicht nur wichtig sondern zwingend notwendig. Denn die neuen TV-Geräte sind in der Lage, HD-Material in einer guten Qualität in das neue Ultra-HD-Format hochzurechnen.

video: Was hemmt die Verbreitung von HD-Inhalten im Fernsehen aus Ihrer Sicht noch am meisten?

T. Schneckenburger: Wir haben festgestellt, dass bei den TV-Zuschauern in der Breite noch sehr viel Aufklärungsbedarf besteht. Früher haben wir eher mit TV-Spots mit schönen Bildern und Filmen geworben. In unserer aktuellen Werbekampagne "Deutschland macht den HD-Check" setzen wir dagegen an eine grundsätzliche Sensibilisierung zum Thema HDTV an. Dafür sind wir tatsächlich in die Wohnzimmer gegangen und haben die Leute gefragt: Wie schaust Du fern? Wie empfängst Du Dein TV-Programm? Schaust Du in HD?

Da gibt es bei den Leuten noch ganz viel aufzuklären. Und oft habe ich den Eindruck, dass es nicht überall in der Industrie oder im Handel klar ist, dass man bei einer großen Anzahl der Zuschauer noch immer auf einem sehr viel praktischeren, lebensnaheren Niveau auf das Thema HD aufmerksam machen muss. Um es bildhaft zu sagen: Da müssen wir runter von und raus aus unserem Branchen-Elfenbeinturm.

video: Doch zurück zum Ultra-HD-affinen video-Leser. Wann wird es eine Art Ultra HD+ der ersten privaten Sender in Deutschland geben?

T. Schneckenburger: Gute Frage - da müssen Sie sich noch etwas mit der Antwort gedulden. Wir haben ja noch nicht einmal Standards auf der Empfangsseite. Der einzige Anbieter, der sich bislang in der Öffentlichkeit zu Ultra-HD-Inhalten bekennt, ist Sky. Mit seinem Anspruch als Premiumsender ist das verständlich. Doch ansonsten ist bei den Sendern noch keine operative Hektik ausgebrochen. Insofern haben wir die Frage, ob es mal ein "Ultra HD+" geben wird oder nicht, bislang weder intern noch mit den Privatsendern diskutiert.

Ultra HD - Die neue Generation des Fernsehens

video: Und für die Archivare unter den video-Lesern: Wäre es nicht ein schönes Weihnachtsgeschenk für die vielen treuen HD+-Kunden, wenn man die privaten HD-Sender endlich unbegrenzt aufnehmen darf?

T. Schneckenburger: Klar, ein schönes Geschenk wäre das schon. Aber diese Entscheidung liegt bei den Sendern - und die ist beispielsweise bei der Mediengruppe RTL klar: Sie werden bei keinem Kabelnetzbetreiber und auf keiner IPTV-Plattform deren Sender ohne diese Einschränkungen in HD empfangen und aufnehmen können. Auch nicht bei HD+.

video: HD+ ist auch im Bereich Smart-TV aktiv - zum Beispiel mit HD+ RePlay, dem kostenpflichtigen Mediatheken-Bouquet der Privatsender, das ja gerade erst Zuwachs von DMAX und der Pro7Sat1-Gruppe bekommen hat. Wie viele bezahlte 3-Monats-Pakete hat HD+ dafür schon verkauft?

T. Schneckenburger: HD+ RePlay wurde ja zunächst mit einem sehr kleinen Bouquet gestartet, als eine Art technischer Soft-Launch. Bis weitere Sender ihre Mediatheken aufschalten konnten, hat es leider länger gedauert als ursprünglich geplant. Deshalb war das Angebot bisher so überschaubar, dass wir noch gar nicht groß mit dem Zählen von verkauften 3-Monats-Paketen begonnen haben. Seit wenigen Tagen sind nun die Mediatheken von ProSieben, SAT.1, kabel eins und DMAX mit im Paket verfügbar. Inwischen haben wir eine technische Reichweite von zirka 300.000 HD+-SmartTV-Receivern, und werden HD+ RePlay nächstes Jahr auch als App auf Fernsehern von LG und Hisense haben. Jetzt startet für uns auch die Vermarktung von HD+ RePlay - und die Messung des Erfolges.

video: Ist es geplant, HD+ RePlay auch auf weiteren Smart-TVs zu integrieren?

T. Schneckenburger: Das Angebot ist ja völlig unabhängig von der HD+ Smartcard, deshalb lässt es sich natürlich in jedem Smart-TV integrieren. Wir sind offen für jeden TV-Hersteller, der das Paket einbaut und dabei unsere Spezifikationen in Bezug auf das Rechtemanagment und das Streaming einhält.

Praxis: Apps fürs Video-Streaming

video: Um welche Art Spezifikationen handelt es sich?

T. Schneckenburger: Es geht dabei insbesondere um das Digital Rights Management sowie um das Streaming-Format.

video: HD+ RePlay sendet gegen Gebühr Inhalte, die in ähnlicher Qualität - also in SD-Auflösung - im Free-TV schon gelaufen sind. Teilweise ist auch Werbung dabei. Wie überzeugen Sie Kunden mit diesen Einwänden?

T. Schneckenburger: Mit Qualität und dem umfangreichen Angebot. Wenn Sie einmal die Inhalte der Mediatheken aus dem Internet - die auf einem kleinen Laptop oder Pad vielleicht noch gut aussehen - auf einem großen TV-Bildschirm geschaut haben, werden Sie die Bildqualität bei HD+ RePlay auf dem heimischen TV-Gerät zu schätzen wissen. Diese Qualität, etwa für die hochwertigen Streams, ist natürlich mit technischem Aufwand verbunden - und damit eben auch mit Kosten.

Auch werden die Sendeinhalte nicht 1:1 mit Werbepausen angeboten. Es gibt vielleicht mal einen 30-Sekunden-Clip vor oder während der Sendung, aber keine längeren Werbeinseln. Ob die Mediatheken Werbung zeigen oder nicht, ist aber ohnehin die Entscheidung der Sender. Die Mediatheken der Pro7Sat1-Gruppe etwa haben keine Werbung integriert. Praktisch ist auch, dass jeder das Angebot drei Monate lang völlig unverbindlich auf seinem Gerät testen kann, bevor es etwas kostet.

video: HD+ RePlay in seiner heutigen Form wirkt so, als wäre es jeweils auf ein Gerät begrenzt. Dabei sind Mediatheken im Zweifel auch praktisch auf Tablets oder eben doch am PC. Ist das für HD+ RePlay geplant?

T. Schneckenburger: Das ist in erster Linie eine Rechtefrage. Natürlich machen wir uns dazu unsere Gedanken und befinden uns diesbezüglich auch in engem Kontakt mit den Sendern.

video: HD+-Replay ist ja ein Portal mit pauschal bezahlten Mediatheken. Pauschal-Angebote mit zumindest teilweise vergleichbaren Inhalten gibt es aber auch auf ganz andere Weise - etwa Maxdome, wo man zu ähnlichen Preisen TV-Inhalte wie auch Spielfilme auf Abruf sehen kann. Ist das ein Konkurrent oder eher eine Inspiration für HD+?

T. Schneckenburger: Weder noch - als wir uns Gedanken über interaktive Anwendungen für HD+ machten, haben wir einiges an Marktforschung betrieben. Dabei kam heraus, dass sich die TV-Zuschauer von einem Onlinedienst auf dem TV-Gerät am häufigsten wünschen, dass man eine verpasste Sendung später anschauen kann.Und genau das haben wir mit HD+ RePlay für die Privatsender umgesetzt. Maxdome und andere Onlinevideotheken verfolgen ein anderes, ebenso valides Geschäftsmodell mit dem wir gar nicht konkurrieren wollen. Unser Klientel sind weniger die Dauer-Serien- oder Filmegucker, sondern eher die Zuschauer, die sonst auch das Live-Programm der privaten TV-Sender anschauen.

Praxis: Sat-to-IP - Satelliten-Fernsehen per Netzwerk

video: Die 2013 eingeführte HD+ App bietet ja einen tollen, kostenlosen Programmguide und einen Sat-IP-Client fürs iPhone oder iPad. Das echte HD+ aber ist über Sat-IP nicht nutzbar, obwohl beide Techniken von Astra vorangetrieben werden - woran liegt das?

T. Schneckenburger: Der Widerspruch ist uns bewusst. Es liegt weniger am nicht wollen, als an der technischen Umsetzung. Verschlüsselte Sat-Signale lassen sich eben nicht ohne weiteres übers IP-Netzwerk übertragen. Die Umsetzung ist nur mit recht hohem Aufwand machbar. Wir sind dran, ich kann aber nicht sagen, ab wann sich HD+-Sendungen via Sat-IP-übertragen und entschlüsseln lassen.

video: Eine Frage zum Abschluss: Welches Zubehör oder Gerät zum Fernsehen wünschen Sie sich zu Weihnachten?

T. Schneckenburger: Endlich zu Hause Sat-TV empfangen zu können, das ist einer meiner größten Wünsche. Leider ist auch das nicht so einfach machbar, da ich mit meiner Familie in München in einer denkmalgeschützten Altbauwohnung lebe.

HD-Checker

© HD+

HD-Checker: Der aus dem Sat.1-Allgemeinwissen- Quiz bekannte Außenreporter Ulf Oswold ist für HD+ im Einsatz.
HD+ RePlay

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Mit HD+ RePlay bietet HD+ jetzt auch die Mediatheken der Privatsender.
HD+ App

© Hersteller

HD+ hat sein Portfolio im vergangenen Jahr um eine TV-App erweitert.

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