Indiegogo-Projekt

ParaShoot 2.1: Crowdfunding oder Vermarktungskampagne?

Auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo wirbt aktuell eine Kampagne für eine neue Kamera namens ParaShoot 2.1. Doch die Kamera ist keine Unbekannte.

Indegogo ParaShoot

© ParaShoot/indiegogo.com

Indegogo ParaShoot

"Eine ganz besondere Kamera sucht jetzt auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo Unterstützer: "Parashoot" ist eine Mini-HD-Cam, kleiner als eine Handfläche." So beginnt die Pressemitteilung die uns heute zugegangen ist. Schon beim ersten Blick auf das kleine neue Wunderding hatten wir ein Deja vue. Eine kleine Recherche im Fotoarchiv der IFA zeigte: Das Modell soll es auch bei Rollei unter dem Namen Mini WiFi Camcorder 1 geben. Es wurde bereits im August vorgestellt.

Die Auslieferung der 110 Euro teuren Kamera war für den September geplant, soll sich aber nach einer heutigen Anfrage auf Mitte Oktober verzögern. Die Kamera wird von Rollei exklusiv in Europa vermarktet, kommt aber letztendlich aus dem taiwanesischen Werk von Chicony Electonics. Fürs erste Quartal des nächsten Jahres ist zudem eine optisch ähnliche Variante, dann aber mit Full-HD-Videoauflösung, geplant. Die vorgestellte Version macht nur 1280x720p-Videos mit 30 Vollbildern.

Die Unterschiede vom Rollei-Modell zu der auf Indiegogo angebotenen ParaShoot 2.1 liegen im Detail. Hier wirbt das Gründerteam zwar mit einem Video und Produktgrafiken in dem genau das Rollei-Model auftaucht, doch fördern lassen will man sich in erster Linie die Version 2.1 der ParaShoot-Kamera. Diese soll nun eine viel kleinere Optik haben. Doch schaut man genauer hin, dann erkennt man recht deutlich, dass die kleinere Optik eigentlich nur der Verzicht auf Designelemente ist, die der kleinen Optik ein größeres Aussehen verleihen.

Mit dem Verzicht auf das Objektiv-ähnliche Design soll die Kamera weniger auffällig werden - entsprechend gibt es für die Front der Kamera verschiedene Designkappen, in denen das Loch der Optik nicht auffällt. Steuern lässt sich die ParaShoot 2.1 wie auch das Parallelmodell von Rollei via App, die es kostenfrei für Android und iOS gibt.

Für diese "Neuentwicklung" will man via Indiegogo 117.358 US-Dollar zusammenbekommen. Derzeit, nach Ablauf der halben Founding-Zeit, sind aber gerade mal 20.000 US-Dollar beisammen. Knappe 100.000 US-Dollar sollen also in den verbleibenden 16 Tagen eingenommen werden - das ist schon recht ambitioniert.

Entsprechend bietet man Unterstützern die Kamera für 149 US-Dollar an - 15 US-Dollar kommen außerhalb den USA noch für den Versand dazu. Lieferbeginn soll im Dezember sein. Wer die Kamera früher haben möchte bezahlt 20 US-Dollar mehr. Wohlgemerkt, man bekommt sie, ohne Design-Schnickschnack, schon früher für weniger Geld von Rollei.

Top: Die besten Foto-Apps für Android

Die Gründerplattformen haben wohl den Zeitgeist getroffen - werden aber immer häufiger für scheinbar neue Produkte, beziehungsweise als reine Vertriebsplattform genutzt. Das ist als Geschäftsidee durchaus nachvollziehbar, denn man profitiert von der Vermarktung der Gründerszene und muss Produkte nicht mal vorher ordern, sondern kann nach Ende der Founding-Zeit die Stückzahl nach Bedarf festlegen und dann ausliefern. Scheinbar profitieren alle Seiten davon, schließlich bekommt der "Gründer-Förderer" ja ein Produkt.

Doch letztendlich ist es Etikettenschwindel, denn statt eines neuen und spannenden Produkts, bekommt man, was "ums Eck" beim nächsten Elektro-Discounter schon steht. So richtig dagegen wehren will man sich bei den Plattformen offensichtlich nicht - immerhin verdient man an jeder Kampagne Geld. Auf unsere Anfrage über die Presseagentur bei Indiegogo, ob man offensichtlich schon vorhandene Produkte so mitfinanzieren will, führte zur folgender Stellungnahme: "Das Trust and Safety-Team von Indiegogo hat den Fall inzwischen eingehend geprüft und festgestellt, dass es sich um eine zulässige Kampagne handelt."

Bildergalerie

Indiegogo ParaShoot 2.1
Galerie
Indiegogo

Etikettenschwindel oder intelligente Marketing-Strategie? Die Parallel-Modelle Indiegogo ParaShoot 2.1 und Rollei Mini WiFi Camcorder 1.

Mehr zum Thema

Leica Camera AG übernimmt Sinar Photography AG
Markt

Die Leica Camera AG, Solms, hat am Montag den Schweizer Hersteller für Fachkameras, die Sinar Photography AG, Zürich, übernommen.
Systemkameras, Wechselobjektiv, Digitalkameras, Future source
Markt

Über Tendenzen im weltweiten Digitalkamera-Markt berichtet eine aktuelle Studie. Erstmals sind Systemkameras der größte Umsatzbringer.
Marco Hahn - Head of Digital Imaging
Fotoindustrie

Samsung baut seinen Foto-Bereich aus und unterstreicht seine Ambitionen durch Schaffung einer neuen Führungsstelle.
Samsung-Getty Images: Bilder-Kooperation
Fotoindustrie

Samsung und die Bildagentur Getty Images haben den Beginn einer langfristig angelegten Partnerschaft bekanntgegeben.
photokina 2014: Alle Infos zur Foto- und Videomesse
Photokina 2014

Vom 16.- 21. September ist Köln mit der Photokina 2014 wieder der Mittelpunkt der Fotowelt. Wir haben alle Infos zu den neuesten Produkten und…