Kommentar

IFA wird zur iFA

3D mag ein großes Trendthema der Berliner Technikschau gewesen sein. Doch bei näherem Hinsehen bestimmte in Wahrheit ein ganz anderer Megatrend die Szenerie auf dem Messegelände. Ein Kommentar zur IFA 2010.

IFA, 2010, Apple, iPad, Dock, Docking Station

© WEKA Media Publishing

Neues iPad-Dock in der Philips-Messehalle

Was wird bleiben von der Berliner Funkausstellung des Jahres 2010? Ja, vieles drehte sich in der Hauptstadt freilich um das neue 3D-Erlebnis. Keine Tageszeitung und keine Nachrichtensendung, die nicht Menschenansammlungen zu zeigen wusste, vor großen Bildschirmen und mit einer futuristischen Brille bewaffnet. Hätte man keine Bilder gesehen, sondern nur die staunenden Ahs und Ohs des Publikums gehört, man hätte nicht sicher sein können, ob man sich gerade auf einer Unterhaltungselektronikmesse befindet, oder eher auf der parallel an der Spree ausgetragenen Pyronale. Apple, Apps, Applaus Doch wer genau hinschaute, konnte neben 3D schnell den wahren Megatrend der Neuheitenschau ausmachen: Apple, Apps, Applaus. Der US-amerikanische Technikkonzern, der selbst auf der Messe gar nicht vertreten war, bestimmte allerorten das Geschehen. Noch vor Messestart eröffneten Apples Verkündigungen aus London den Reigen der Pressekonferenzen in Berlin. Und unterm Funkturm eine einzige Huldigung an Steve Jobs und seine Mannen: Blu-ray-Anlagen und Soundsysteme mit iPod-Anschluss ohne Ende, die ersten iPad-Docks, Zubehör für iPad, Pod und Phone in Massen; neue Flat-TV-Modelle, deren Design aber haarfscharf dem des iPads entsprechen und Tablet-PCs, die dem iPad technisch das Wasser reichen wollen; Set-Top-Boxen, Mediaserver, Lautsprecherboxen und Internetradios, die noch immer auf das Klavierlackweiss der ersten iPod-Generation setzen, oder Apps, die nagelneue AV-Receiver via iPod Touch steuern. Nicht zu vergessen die so genannte "iZone", eine Halle, in der zahlreiche Apple-orientierte Hersteller konzertiert ihre Produktpalette präsentieren durften. Hier waren sogar die Messestände in Apple-Anmutung konzipiert. Und hinter den Kulissen, in den Händler- und Pressezentren duellierten sich die Produktmanager der Industrie mit ihren Kunden und Gesprächspartnern um die besseren Präsentationen auf ihren kürzlich erworbenen iPads. Die IFA ist in diesem Jahr also fraglos zur iFA geworden - eine Neuheitenparade, die ohne den Einfluss des Computerriesen aus San Francisco kaum mehr vorstellbar gewesen wäre. Selten zuvor hat ein einziger Hersteller derart das Gesamtbild einer Messe geprägt, und das noch dazu ohne direkte Präsenz. Fehlt nur noch, dass die inzwischen ebenfalls in Berlin vertretene Weiße Ware auch dem Apple-Fieber verfällt. Aber wetten, die ersten Kaffeeautomaten und Bügeleisen mit iPod-Docking-Station werden längst entwickelt...

Andreas Stumptner

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