ICANN-Reform

US-Regierung gibt Internet-Verwaltung ab

Eigentlich ist die die zentrale Internet-Behörde ICANN als nichtstaatliche und Non-Profit-Organisation schon immer politisch und wirtschaftlich neutral. Jetzt soll auch deren wichtigste Top-Level-Domain-Funktion aus der Kontrolle der US-Regierung entlassen werden.

Die ICANN wird künftig vollständig politisch und wirtschaftlich neutral.

© Screenshot: WEKA, www.icann.org

Die ICANN wird künftig vollständig politisch und wirtschaftlich neutral.

Am Freitag hat die nationale Telekommunikations-Behörde NTIA (National Telecommunications & Information Administration) der USA bekannt gegeben, dass sie ihre Kontrolle über die ICANN abgeben will. Damit wird die Zuständigkeit für den Betrieb des obersten Root-Servers für das Domain Name System (DNS) des Internets in neue Hände gelegt.

Auch die Vergabe von Top-Level-Domains sowie von IP-Nummern-Bereichen an die verschiedenen nationalen und regionalen Internet-Registrare (wie beispielsweise der deutschen Denic) wird neu geordnet.

Seit 1998 hat die ICANN einen Exklusiv-Vertrag mit der US-Regierung. Eine neue Regelung könnte bereits ab Oktober 2015 in Kraft treten und die ICANN dann eine multilaterale Organisation werden. Die direkte Zuständigkeit der US-Regierung für das Internet entfällt dann.

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Wie der ICANN-Chef Fadi Chehade in einem Interview betont, steht es "außer Frage, dass die Snowden-Enthüllungen den Dialog vorangetrieben haben." Er habe auf dem Weltwirtschaftsgipfel gesehen, dass sich "die Chefs mehrerer Großkonzerne wie General Electric um das Vertrauen im Internet ernsthaft Sorgen machen."

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Für den April dieses Jahres ist ein ICANN-Treffen in Brasilien geplant. Verschiedene Interessengruppen wie die Internet Engineering Task Force (IETF), das Internet Architecture Board (IAB), die Internet Society (ISOC) und regionale Internet-Registrare werden dann über die neue Internet-Ordnung beraten. Der im Oktober nächsten Jahres auslaufende Vertrag mit der US-Regierung könnte allerdings auch verlängert werden. Dort waren ursprünglich Verlängerungen im Zwei-Jahres-Rhythmus vorgesehen.

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