Buch- und Ausstellungstipp

Harry Callahan in der Retrospektive: Vom Amateur zum Klassiker

Das Hamburger Haus der Photographie präsentiert über 280 Bilder des US-Fotografen Harry Calahan. Der umfangreiche Ausstellungskatalog ist mehr als nur Begleitwerk.

Harry Callahan. Retrospektive

© Kehrer Verlag / The Estate of Harry Callahan. Courtesy Pace/MacGill Gallery, New York

Harry Callahan. Retrospektive

Bisher eher Geheimtipp unter Insidern, wird Harry Callahan (1912-1999) als moderner Klassiker der US-Fotografie nun auch in Europa entdeckt. Der 1938 als nebenberuflicher Autodidakt gestartete Callahan hat sich fotografisch über fast 60 Jahre vor allem drei Motivbereichen aus seiner unmittelbaren Umgebung gewidmet. Seine durchgängigen Motive sind die Natur, die Stadt und seine Frau Eleanor. Spannend ist, wie er sie immer wieder neu interpretiert hat. Den naheliegenden Realismus durchbricht er dabei durch seine subjektive Sicht auf das Alltägliche. Er macht immer wieder neue Entdeckungen im Unspektakulären, variiert seine Motive, wie ein Jazz-Musiker eine Melodie immer wieder neu improvisiert.

Callahan wendet sich Mitte der 40er-Jahre ganz der Fotografie zu, lernt in New York große Fotografen wie Levitt, Model, Strand, White und Abbott kennen. Seine fotografischen Mittel sind vielseitig. Callahan setzt schon früh auf Farbe - eine Generation vor der später berühmten >>New Colour Photography<< -, nutzt unterschiedlichste Kameratypen von der handlichen Contax bis zur riesigen Deardorff-Großformatkamera, experimentiert mit Belichtungszeiten, Kontrasten, intensivem Licht, und er entwickelt sich zum einem Meister der Mehrfachbelichtung in der Kamera.

So spiegeln Callahans abwechslungsreiche Fotos von Natur und Landschaften, von seinen alltäglichen Streifzügen durch Städte wie Detroit, Chicago, Providence, Atlanta oder New York, von Straßenzügen, Schaufenstern, Gebäuden oder vorübereilenden Passanten, sein eigenes Leben ebenso wieder wie den sozialen und kulturellen Wandel in den USA. In späteren Jahren erweitern auf zahlreichen Reisen nach Frankreich, Italien, Marokko, Portugal oder Irland gesammelten Impressionen sein Motivspektrum.

Ratgeber: Miniaturmodelle fotografieren - so geht's

Ausstellung wie Katalog dokumentieren diese Bandbreite von Callahans Werk. Dazu gehören sowohl in Schwarz-Weiß produzierte Silbergelatineabzüge wie auch die bislang selten gezeigten Farbfotografien, darunter die im Dye-Transfer-Verfahren ab Ende der 70er Jahre bei den Hamburger Spezialisten in F. C. Gundlachs Firma Creative Color in Hamburg entstandenen Prints.

Angesichts der Bilderfülle reicht ein Besuch der Ausstellung allein kaum aus, um Callahans Schaffen nachhaltig zu erfassen. So wird der Katalog zur Retrospektive zu einem "Must have" für alle, die diesen faszinierenden, vielseitigen Fotografen für sich entdecken wollen. Ergänzende Texte, speziell die ausführlichen Analyse von Callahans Arbeit durch Sammlungs-Kuratorin Dr. Sabine Schnakenberg , detaillierte Informationen zu den einzelnen Fotos sowie eine Biographie des Fotografen runden das umfassende Callahan-Gesamtbild ab. Ganz nebenbei erweist sich der Katalog bei der Lektüre als anregendes Ideen-Reservoir für eigene fotografische Herangehensweisen.

Katalog >>Harry Callahan. Retrospektive<< Herausgeber: Dirk Luckow, Sabine Schnakenberg Autoren: Dirk Luckow, Julian Cox, Peter MacGill, Sabine Schnakenberg 256 Seiten, 198 Farb- und S/W-Abb. Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-86828-358-7 49,90 Euro (Subskriptionspreis bis 16.06.2013) Ausstellungen Harry Callahan. Retrospektive22. März - 9. Juni 2013 Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg 19. Juli - 27. Oktober, Münchner Stadtmuseum

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