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Gustave Caillebotte: Der Fotografie voraus

Der impressionistische Maler Gustave Caillebotte nahm in seinen Gemälden schon ab etwa 1870 vorweg, was sich in der Fotografie erst rund 50 Jahre später entwickelte und bis heute aktuell ist.

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© © bpk _ RMN _ Hervé Lewandowski

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Gustave Caillebottes Darstellungen des neuen Paris, die Landschaften, Stillleben, Porträts und Interieurs nehmen in Perspektivwahl und Bildkomposition, Bewegung und Realismus des Augenblicks auf avantgardistische Weise fotografische Bildformen des 20. Jahrhunderts vorweg.

Die Schirn KunsthalleFrankfurt widmet dem Impressionisten Caillebotte noch bis zum 20. Januar 2013 eine umfassende Werkschau mit rund 50 Gemälden und Zeichnungen. Ihnen werden über 150 teils mehr, teil weniger bekannte Fotografien des ausgehenden 19. sowie beginnenden 20. Jahrhunderts ergänzend gegenübergestellt.

Wie viele seiner impressionistischen Freunde, die sich die 1839 eingeführte Fotografie für ihre Bildgestaltungen nutzbar machten, kannte auch Gustave Caillebotte dieses neue Medium und dessen vielfältige Möglichkeiten wie Moment-, und Bewegung- und Stereoaufnahmen. Seine Gemälde mit neuartigen Sturzperspektiven, radikalen Aufsichten, Verzerrungen, bruchstückhaften Ausschnitten und Unschärfen muten tatsächlich wie der kühne Einsatz fotografischer Stilmittel an, die so in der Fotografie seinerzeit noch nicht umgesetzt wurden.Vergleichbare gestalterische Ansätze entwickeln sich in der Fotografie selbst erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Caillebottes Bilder bieten Fotografen auch heute noch seine Fülle spannender thematischer und gestalterischer Anregungen. Wer keine Gelegenheit findet, sie noch in der Ausstellung zu sehen, sei der bei Hirmer erschienenen begleitende Bild- und Fotoband empfohlen.

Fotopraxis: Portfolio Daniel Nimmervoll

Die Gegenüberstellung von Caillebottes Bilder mit Werken zeitgenössischer Fotografen wie Edouard Baldus, Charles Marville oder Eugene Atget und Beispielen der Neuen Fotografie der 1920er-Jahre von Andre Kertesz, Laszlo Moholy-Nagy, Wols oder Alexander Rodtschenko macht den besondere Reiz von Ausstellung und Bildband aus.

In der Konfrontation erschließt sich dem Betrachter der enge Zusammenhang zwischen dem Schaffen Caillebottes und der Herausbildung eines neuen Sehens, und sie verdeutlicht die bewusste oder unbewusste Nähe der Fotografen zu Caillebottes Werk. Ausführliche Kommentare gehen dazu auf verschiedenste Aspekte und Hintergründe des Themas ein und beschreiben in Caillebotte einen modernen Chronisten des gesellschaftlichen Wandels.

Wer selbst vergleichen will, findet zahlreiche Beispiele auf den Webseiten der Schirn Kunsthalle . Ein erläuterndes Video zur Caillebotte-Ausstellung ist auch auf YouTube zu sehen:

Gustave Caillebotte - Ein Impressionist und die Fotografie20 Kurztexte von Milan Chlumsky, Karin Sagner und Kristin Schrader sowie eine Biografie von Gilles Chardeau.248 Seiten, 280 farbige AbbildungenHirmer Verlag, München 2012ISBN 978- 3-7774-5411-5 (deutsche Ausgabe), Preis: ca. 29,90 Euro (Schirn), ca. 39,90 Euro (Buchhandel).

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