Buchtipp

Gregor Sailers "Closed Cities"

Einen seltenen und beeindruckenden Blick auf gewöhnlich der Öffentlichkeit verschlossene Städte bietet der österreichische Fotograf Gregor Sailer in seinem neuen Bildband "Closed Cities".

closed cities gregor sailer

© gregor sailer

closed cities gregor sailer

Für diese Serie bereiste der Fotograf mehrere Kontinente, denn das Phänomen der "geschlossenen" Städte ist global, wenn auch die Ursachen nicht immer die gleichen sind. Schon die Planung, Organisation und die Durchführung des Vorhabens verdienen Bewunderung und Anerkennung, denn der Zugang zu solchen Siedlungen ist stets reglementiert und überwacht - also keineswegs leicht. Viele dieser Städte sind immer noch nicht auf der Landkarte verzeichnet.

Allen in diesem Bildband abgebildeten Städten ist eine pragmatische und planmäßige Entwicklung gemein. So ist Mirny in Russland eine Industriestadt, Refugee Cities in Westsahara ein Flüchtlingslager, Nordelta eine Gated Community für Wohlhabende in Argentinien.

Diese Städte sind nicht wie gewöhnliche Siedlungen "gewachsen", sondern auf einem Reißbrett entworfen - ein konstruierter Raum. Die städtische Planung und die Architektur tragen einen ausgeprägt funktionalen Stempel, denn Gregor Sailer in seinen Bildern festhält: Hier nüchterne Produktionsstädten neben Wohnbaracken, da geometrisch angeordnete Container-Reihen mitten in der Wüste. Selbst die kulturellen, Sport- und Freizeiteinrichtungen, tragen diesen.

Die Bilder sind aus eine konsequent sachlichen und neutralen Perspektive aufgenommen. Stilistisch können sie als dokumentarisch bezeichnet werden. Die oft weitwinklige Aufnahmen fangen nicht nur einzelne Bauten, sondern zeigen vielmehr Räume - sowohl solche innerhalb der geschlossenen Städten als auch deren Abgrenzung nach außen. Menschen sind auf diesen Bildern nicht zu sehen. Ohne Menschen wirken die Straßenbilder zeitlos und surreal. Deren Wirken ist jedoch an hängenden Wäscheleinen, Plakaten, Fensterschmuck etc. leicht erkennbar,so dass die Bilder auch den spezifischen sozialen Mikrokosmus der jeweiligen Siedlungen einfangen.

Begleitet werden die Bilder durch mehrere lesenswerte Essays, deren Autoren sich dem Thema "geschlossene Städte" aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Perspektiven nähern und gar die Frage stellen, ob hier überhaupt noch von Städte gesprochen werden darf. Wie auch immer, eins zeigen die Bilder von Gregor Sailer deutlich, ohne Außenwelt sind diese Städte nicht überlebensfähig.

Ratgeber: Die schönsten Fotogeschenke

Der bei Kehrer-Verlag erschienene Bildband ist eine der interessantesten Neuerscheinungen und eine fotografische Ausnahmeerscheinung  - ausgesprochen empfehlenswert.  

Gregor Sailer - Closed Cities Kehrer-Verlag 24 x 30 cm 300 Seiten 151 Farbabb. Deutsch/Englisch ISBN 978-3-86828-328-0 48 Euro

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