Legitimer Lauschangriff?

FBI will Chats und E-Mails aktiver mitlesen

Das FBI setzt sich Berichten zufolge dafür ein, Online-Kommunikation in Echtzeit abhören zu dürfen. Dies beträfe etwa Chats bei Skype, E-Mails bei Googlemail und Inhalte bei Dropbox.

Legitimer Lauschangriff: Das FBI will seinen Einflussbereich in der Privatsphäre vergrößern.

© Aude / Wikipedia

Legitimer Lauschangriff: Das FBI will seinen Einflussbereich in der Privatsphäre vergrößern.

Das FBI hat das legitimierte Anzapfen von Internet-Konversationen wie Chats und E-Mails sowie das Kontrollieren von Cloud-Daten etwa bei Dropbox zu seinen wichtigsten Aufgaben für dieses Jahr erklärt. Das berichtet das Web-Magazin Slate unter Berufung auf den Leiter der Rechtsabteilung des FBI: Andrew Weissmann. In der vergangenen Woche habe dieser während einer Gesprächsrunde der "American Bar Association" über die dringlichsten Überwachungs- und Sicherheitsfragen debattiert.

Weissmann sagte laut Slate, dass die Echtzeit-Kommunikation im Internet via E-Mail und in sozialen Netzwerken immer schwieriger zu überwachen sei. Bislang habe das FBI per Gesetz nur Zugriff auf Daten, die es vorher gesondert von Providern anfordern müsse. Echtzeitüberwachung von Cloud-Diensten wie Dropbox, Chats bei Skype oder ähnlichen Tools sei unmöglich. Das FBI setzt sich für entsprechende Abhör-Rechte ein, da Kriminelle vorrangig solche Möglichkeiten zur Kommunikation nutzen würden.

Betroffen seien nicht nur E-Mail-Anbieter (etwa Google-Mail), Chats wie beispielsweise Google Voice oder Cloud-Dienste, sondern auch Online-Spiele. Weissmann sprach laut slate.com sogar vom "Chat-Feature in Scrabble". Das FBI hält die bisherigen Gesetzesregelungen der indirekten Überwachung, also der Daten-Einsicht nach Anforderung beim Provider, für überholt und für nicht ausreichend. Bisherige Erfahrungen würden zeigen, dass die jetzige Vorgehensweise ineffektiv sei.

Ein Google-Sprecher kommentierte das Vorhaben des FBI mit den Worten, dass es jetzt schon möglich sei, unter bestimmten Voraussetzungen Überwachungs-Tools in den eigenen Diensten einzurichten. Dienste wie Google-Mail übertragen Daten zwischen Nutzer und den Servern des Suchmaschinengiganten in der Regel per SSL-Verschlüsselung, die das FBI nicht umgehen kann. Der Umweg über den jeweiligen Anbieter ist dem FBI nicht genug. Angeblich finden bereits Gespräche statt, die hier geschilderten Pläne umzusetzen. Details dazu gibt es laut slate.com jedoch noch nicht.

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