Analyse zur Whatsapp-Übernahme

"Whatsapp ist für Facebook ein Schnäppchen"

Viel wird angesichts der 19-Milliarden-Dollar-Übernahme von Whatsapp durch Facebook über Weltherrschaft, CEO-Charaktere und Teenagernutzung diskutiert. Doch was denkt die Finanzwelt?

Whatsapp

© Brian A Jackson/shutterstock.com

Whatsapp

Wir baten Daniel Kröger, Portfoliomanager bei der Acatis Investment, um einen Gastbeitrag. Er ist ein ausgewiesener Kenner von Medien- und Internet-Aktien und auf Twitter unter @eflation zu finden.

"Whatsapp ist eine Erfolgsstory wie Sie nur das Silicon Valley schreibt. Vor 5 Jahren gründeten Jan Koum und Brian Acoton, zwei Ex Yahoo Mitarbeiter, das Unternehmen Whatsapp mit dem Ziel Multimedia Messaging Service (MMS) der Telekom Unternehmen zu ersetzen.  Der Erfolg zeigt sich an der Nutzerbasis (aktuell 450 Millionen), die dreimal so schnell gewachsen ist, wie die Facebook-Nutzerbasis. Jeden Tag kommen 1 Million neue User hinzu. Aktuell zahlt jeder User  1 US-Dollar im Jahr, was einem Umsatz von 450 Millionen Dollar entspricht. Bei 32 Mitarbeitern und keinen Werbekosten sind das 14,1 Millionen Dollar Umsatz pro Mitarbeiter - eine stolze Summe.

Nun hat Facebook Whatsapp für 19 Milliarden Dollar übernommen - davon 4 Milliarden in Cash, 12 Milliarden in Facebook-Aktien und 3 Milliarden in Aktienoptionen. Damit hat jeder Whatsapp User einen Gegenwert von 42 Dollar. Zum Vergleich: Ein Facebook-User liegt bei 152 Dollar, ein Twitter-Nutzer bei 124 Dollar.

Ist das zu teuer?

Nein. Der Deal ist eine Investition in die Zukunft. 

Mark Zuckerberg hat die Vision der mobilen "Vorherrschaft" - jede App, mit der ein Nutzer viel seiner "Online Zeit" verbringt, soll möglichst eine Facebook-App sein. Das hat Zuckerberg schon damals mit Instagram bewiesen. Die Übernahme von Snapachat für 3 Milliarden Dollar ist in der Vergangenheit nicht gelungen, nun hat man mit Whatsapp ein starkes Gegengewicht geschaffen.

Die Schnittmenge zwischen Whatsapp- und Facebok Usern ist sehr groß. Aus den täglich 50 Milliarden verschickten Nachrichten und dem Kontaktbuch der einzelnen User lassen sich wertvolle Daten sammeln. Diese helfen in der Zukunft die Werbebotschaften auf den Facebook-Seiten und der App noch gezielter zu schalten. Genau da liegt der Mehrwert für Facebook, deshalb könnte das Unternehmen es sich auch leisten, Whatsapp werbefrei zu halten. Zuckerberg sieht enormes Wachstum bei den Nutzerzahlen. Bei dem derzeitigen Wachstum, was mit weiteren Nutzern an Dynamik gewinnt, ist in 6 Jahren schnell die 2-Milliarden-Grenze erreicht.

Zuletzt sind die Wachstumszahlen bei Facebook in der jungen Zielgruppe zurückgegangen. Mit Whatsapp wirkt man dem entgegen. Viele junge User verbringen tägliche mehre Stunden Zeit damit, sich Bilder und Videos zu schicken.  Auch zeigt das Geschäftsmodell, dass es in der Branche keinen Moat gibt. Von heute auf Morgen kann man einen Trend verschlafen und ein nächster großer Player steht vor der Tür. Gut wenn man dann eine Kriegskasse hat um solche Unternehmen zu kaufen. Ob Whatsapp das beste Produkt ist und die besten Datenschutzabsichten verfolgt, sei dahingestellt.

Der Aufschrei  in den sozialen Netzen, Medien und bei den Whatsapp-Usern wird in den nächsten Tagen groß sein, sich aber genau so schnell wieder legen. Die Facebook Aktie gab nachbörslich um 5% nach, doch den Anlegern wird schnell einleuchten, wie wichtig der Deal für Facebook ist.

In 10 Jahren werden wir keine Emails mehr verschicken und nur noch über Messenger Dienste kommunizieren. Spätestens dann wird auch der letzte Zweifler den Kauf von Mark Zuckerberg als Genie Streich bezeichnen."

Daniel Kröger

© Archiv

Mehr zum Thema

Whatsapp Übernahme
Messenger-Übernahme

Im Dezember wiesen Whatsapp und Facebook Fusionsgerüchte noch weit von sich. Doch nun stellen sie sich als wahr heraus.
Facebook-Startseite
Quartalsbericht Q3 2014

Facebook verdoppelt beinahe seinen Gewinn für das dritte Quartal 2014. Mark Zuckerberg plant bereits eine aggressive Investitionspolitik für die…
WhatsApp
Quartalszahlen 2014

Whatsapp generiert einen Verlust von 232,5 Millionen US-Dollar. Hauptgrund sind enorm hohe Aufwendungen für Mitarbeiteroptionen.
Tastatur mit Paragrafen-Knopf
Urheberrechtsverletzung

Blogbetreiber, die den Facebook-Share-Button und fremde Texte und Bilder in ihren Beiträgen verwenden, riskieren Geldstrafen wegen…
Facebook-Zentrale Dublin
Konkurrenz für Xing, Linkedin und Co.

Facebook plant nun auch in der Arbeitswelt Fuß zu fassen und entwickelt dazu ein eigenes Business-Netzwerk: "Facebook at Work".