Newsfeed manipuliert

Facebook-User empört über geheimes Psycho-Experiment

Vor eineinhalb Jahren manipulierte Facebook für eine Studie den Newsfeed von einigen Hunderttausend Nutzern. Ist ein solches Psycho-Experiment rechtens?

Facebook manipulierte Newsfeeds für eine Studie - zum Ärger vieler Nutzer.

© screenshot: WEKA; facebook.de

Facebook manipulierte Newsfeeds für eine Studie - zum Ärger vieler Nutzer.

Facebook manipulierte die Newsfeeds von knapp 690.000 Nutzern im Januar 2013 für eine Woche. Betroffen waren allerdings nur User der englischsprachigen Facebook-Version. Bei diesem Experiment sollte erforscht werden, wie sich positive und negative Emotionen in Netzwerken ausbreiten.

Entsprechend wurden für Nutzer die Einträge ihrer Facebook-Freunde vorgefiltert: Bei einem Teil der User wurden ausschließlich positivere, bei den anderen negativere Meldungen angezeigt. Für die Studie wurden über drei Millionen Einträge von einer Software ausgewertet, die per Wortanalyse die Emotion zuordnete.

Die Autoren der Studie kamen schließlich zu dem Ergebnis, dass Menschen, die mehr positive Nachrichten sahen, etwas eher dazu neigten, auch selbst Einträge mit positivem Inhalt zu veröffentlichen - und umgekehrt. Allerdings wird an der Aussagekraft des Experiments gezweifelt, da die Zuordnung der Stimmung eines Eintrags nur anhand einzelner Wörter laut dem Psychologie-Blog Psych Central problematisch sei.

Die Studie war bereits am 2. Juni veröffentlicht worden, kam aber erst jetzt mit Medienberichten und Kritik im Internet in die Diskussion. Facebook betont, dass die Datenverwendungsregeln, denen die Nutzer zustimmen, ein solches Vorgehen zulassen.

Das soziale Netzwerk beruft sich in diesem Punkt auf die Einverständniserklärung, die jeder User beim Einrichten eines Accounts akzeptiert. Darin stimmt der User neben Verwendung seiner Daten zu Werbezwecken auch zu ihrem Gebrauch bei internen Operationen, wie zum Beispiel bei Datenanalysen, zu. Die Newsfeeds der Mitglieder werden von Facebook ohnehin nach Algorithmen gefiltert, um sie nicht mit Informationen zu überfluten.

Die Kritik wurde dennoch so laut, dass Facebook mittlerweile reagieren musste: Adam Kramer, Facebooks Data Scientist und Co-Author der Studie, sagte, dass die Studie es nicht wert gewesen sei in Hinblick auf die Aufregung der User. Außerdem wolle Facebook niemals seine User verärgern. Der Kritik und Empörung zufolge, ist dies allerdings schon geschehen. 

Das US-Magazin "Forbes" hat nun festgestellt, dass der Punkt "Forschung" im Januar 2012, als das umstrittene Experiment stattfand, noch gar nicht in den Regeln vorkam. Facebook reagierte gelassen auf den Artikel. Laut einem Sprecher, werde jeder neue User um Erlaubnis gebeten, dass seine Informationen zur Verbesserung von Diensten verwendet werden dürfen. Daher sei es falsch zu behaupten, dass Tests ohne Erlaubnis der Mitglieder durchgeführt wurden.

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