Berufsunfähig oder nicht?

Facebook wird Versicherungsbetrügern zum Verhängnis

Aus einem aktuellen Gerichtsurteil geht hervor, dass Facebook persönliche Nutzerdaten nach gerichtlicher Anordnung nicht zurückhalten darf. Das war eigentlich zu erwarten. Daran hätten rund 400 US-Bürger, denen Versicherungen Sozialbetrug vorwerfen, denken können, als sie trotz offizieller Berufsunfähigkeit munter auf dem sozialen Netzwerk vom Urlaub, vom Kampfsport und mehr berichteten.

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Facebook wird Versicherungsbetrügern zum Verhängnis

Wenn man berufsunfähig geschrieben ist und somit frühzeitig seine Rentenbeiträge kassieren kann, sollte man tunlichst vermeiden, seine etwaigen Beschwerden noch ernster werden zu lassen. Man sollte gar nicht erst das Risiko eingehen, seinen Zustand noch weiter zu verschlimmern.

Macht man es dann doch und erweist sich aus irgendwelchen Gründen als doch gar nicht so angeschlagen, sollte man (entsprechende Unehrlichkeit vorausgesetzt) möglichst wenige Menschen davon wissen lassen - beispielsweise, indem man Kontakten nicht davon auf Facebook erzählt oder sogar Bilder hochlädt. Denn dann werden meist die Versicherungen hellhörig und können Sozialbetrüger indirekt ganz schnell wieder zurück ins Arbeitsleben zwingen - natürlich nach einer angemessenen Strafe.

Das sollte 381 offiziell Berufsunfähigen im US-Staat New York drohen. Die Staatsanwaltschaft schaltete sich nach entsprechendem Verdacht Ende Juni ein und begutachtete die Statusbeiträge der Betroffenen auf Facebook. Dabei hätten sich in vielen Fällen mehr oder weniger fragwürdige Diskrepanzen zwischen dem herausgestellt, was die Frührentner der Sozialversicherung zu ihrem Gesundheitszustand erzählt haben und dem, was die Facebook-Nutzer laut ihren eigenen Beträgen im sozialen Netzwerk in der jüngeren Vergangenheit so unternommen haben.

Lesetipp: Facebook - Privatsphäre-Einstellungen

Diverse Postings der mutmaßlichen Sozialbetrüger mit Urlaubsbildern oder Berichten zu Hubschrauberflügen und Kampfsportaktivitäten ließen der Staatsanwaltschaft wenig Zweifel an einem möglichen Unrecht. Facebook sollte die Nutzerdaten der Beschuldigten herausrücken. Darunter sind vergebene Likes, hochgeladene Fotos, private Nachrichten und mehr. Das ist datenschutzrechtlich zwar nicht immer astrein abgelaufen, doch auch hierzulande können entsprechend motivierte Nutzer bei der Aufklärung ihrer Straftaten nicht auf einen Schutz durch Online-Anbieter wie Provider oder Social Networks bauen.

Lesetipp: Vorsicht vor Facebook-Betrug

Wie die New York Times nun berichtet, musste Facebook dem Wunsch der Staatsanwaltschaft trotz Gegenwehr - in Form einer Klage - nachkommen. Im Zuge dessen haben sich von den 381 Betroffenen 108 schuldig bekannt, in 62 Fällen droht als Folge der Datenherausgabe ein Strafverfahren wegen Betrug.

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