Messenger-Übernahme

Facebook kauft Whatsapp

Im Dezember wiesen Whatsapp und Facebook Fusionsgerüchte noch weit von sich. Doch nun stellen sie sich als wahr heraus: Der Nachrichtendienst wird vom Social Network für 16 Milliarden Dollar übernommen.

Whatsapp Übernahme

© Archiv/Intmag

Whatsapp Übernahme

Schon im vergangenen Dezember kochte die Gerüchteküche: Facebook und Whatsapp, meldete Techcrunch damals, stünden in Übernahmeverhandlungen. Prompt folgte das Dementi gegenüber der Techcrunch-Konkurrenz AllthingsD: Der Artikel sei nicht akkurat, mehr könne man nicht sagen, ließ Whatsapp verlauten; "Wir kommentieren Spekulationen nicht", sagte Facebook.

Vielleicht hätte es zu Denken geben können, dass beide Seiten gegenüber dem gleichen Tech-Dienst reagierten. Denn nun wissen wir: An den Spekulationen war viel dran.

Facebook wird den Nachrichtendienst Whatsapp für 19 Milliarden Dollar übernehmen, davon 12 Milliarden in eigenen Aktien und vier Milliarden in bar. Zusätzlich kommen drei Milliarden Dollar Facebook-Anteile für Mitarbeiter und Gründer von Whatsapp. Das erklärte das Social Network in einer Pressemitteilung. Damit wäre der Deal die größte Übernahme eines Venture Capital-finanzierten Unternehmens in der Geschichte.

Wer das Geld bekommt bleibt dabei so nebulös, wie die Struktur von Whatsapp. Gegründet wurde der Dienst, der laut eigenen Angaben 450 Millionen Nutzer hat, von den 70% ihn täglich verwenden, 2009 von den Ex-Yahoo-Mitarbeitern Brian Acton and Jan Koum. Letzter ist der offizielle CEO, welche Rolle sein Mitgründer im Unternehmen spielt ist nicht klar. Koum wird mit der Übernahme in das Board von Facebook wechseln.

Sie zeigten sich für Silicon Valley-Verhältnisse eher öffentlichkeitsscheu. So ist auch wenig über die Finanzierung von Whatsapp bekannt. Die gut gefütterte Crunchbase-Datenbank führt eine einzige Investmentrunde über mikrige 8 Millionen Dollar auf, durchgeführt vom Star-Investor Sequoia. Doch reichten 8 Millionen - plus die Einnahmen durch den App-Verkauf - tatsächlich um einen so großen Dienst zu betreiben? Vielleicht: Denn Whatsapp zählt nur 32 Programmierer, wie Sequoia in seinem Blog erklärt. Auch habe Whatsapp noch keinen einzigen Cent für Marketing ausgegeben.

Für die Nutzer werde sich nichts ändern, verkündet Whatsapp in seinem Firmenblog. Solche Versprechen haben in der Web-Branche immer wieder eine Haltbarkeit von maximal zwei Jahren. Es wäre nur logisch, würde Facebook die Verschmelzung von Whatsapp mit seinem Instant Messenger vorantreiben.

Und CEO Koum muss sich vorwerfen lassen noch kürzlich unehrlich gewesen zu sein: In einem seiner seltenen Interviews hatte er gegenüber dem "Wall Street Journal" noch Mitte Dezember darauf gepocht, dass Whatsapp unabhängig bleiben wolle um ein "Unternehmen für die nächsten 100 Jahre" zu erschaffen.

Die Kombination der beiden Unternehmen erscheint logisch. Whatsapp ist ein beliebtes Kommunikationsinstrument bei Nutzern außerhalb der digitalen Avantgarde. Letztere schaut eher skeptisch auf den Dienst, gab es doch immer wieder Anfälligkeiten für Hack-Attacken.

Derzeit kursiert unter deutschen Facebook-Nutzern die eher merkwürdige Einschätzung eines "Experten", den die Online-Ausgabe der Ruhrgebiets-Lokalzeitung "Waz" zu Whatsapp befragt hat. Seine Aussagen sind spekulativ bis wenig seriös, doch dass dieser Artikel eine derartige Verbreitung erfuhr - er war laut dem Monitoring-Dienst 10000 Flies der meistgeteilte Artikel im deutschen Social Web in der vergangenen Woche - demonstriert das Unsicherheitsgefühl vieler Whatsapp-Nutzer. Mit den Facebook-Milliarden könnte Whatsapp nun an der Sicherheit seiner Technik arbeiten.

Gleichzeitig steht der Dienst vermutlich unter Druck: Jüngere Nutzer in den USA haben sich in den vergangenen Monaten für den Konkurrenten Snapchat begeistert. Dieser ermöglicht es, übersandte Nachrichten nach einer vom Absender bestimmten Zeit zu löschen. Dies sichert mehr Datensicherheit und Privatsphäre.

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