Horizon

80 Milliarden Euro für Forschungsprogramm

Bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in neue Produkte und Dienstleistungen hinkt Europa im weltweiten Vergleich hinterher. Das EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 soll das ändern.

EU-Report: 80 Milliarden am Horizont

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EU-Report: 80 Milliarden am Horizont

Europa droht aus Sicht des EU-Parlaments bei vielen modernen Technologien den Anschluss zu verlieren. Beherrschten beispielsweise europäische Mobilfunkkonzerne vor wenigen Jahren noch den Weltmarkt, haben heute die Wettbewerber aus Amerika und Asien mit Innovationen aufgeholt und überholt.

Mit dem Rahmenprogramm Horizon 2020 will die EU dieser Entwicklung gegensteuern. Die portugiesische Berichterstatterin Maria de Graca Carvalho hält das Forschungsrahmenprogramm gar für das wichtigste EU-Finanzinstrument, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren. Nachdem Anfang Dezember auch der Rat der EU zugestimmt hat, ist der Weg für Horizon 2020 frei.

Rund 80 Milliarden Euro stehen für den Zeitraum 2014 bis 2020 für die Entwicklung neuer Technologien und deren Umsetzung in marktreife Produkte zur Verfügung - fast 30 Prozent mehr als beim Vorgängerprogramm, vor allem aufgrund der Initiative des EUParlaments. Firmen und Forschungsinstitute sollen leichter an Finanzierungsmöglichkeiten kommen, marktorientierte Forschung und innovative Startups mehr Unterstützung erhalten.

Mehr Marktnähe gesucht

Der Schwerpunkt der Förderung liegt nicht nur auf der Grundlagenforschung, sondern mehr als früher auch auf der Entwicklung marktnaher Innovationen: zum Beispiel Investitionen in Schlüsseltechnologien wie Photonik, Nanotechnologie und Biotechnologie, Ansätze zur Lösung von zentralen Fragen in der Gesundheitsversorgung, nachhaltige Landwirtschaft, intelligenterer und umweltfreundlicherer Verkehr sowie Klimawandel.

Gleichzeitig ist das neue Förderprogramm kohärenter und einfacher als seine Vorgänger, damit eine Teilnahme - insbesondere für kleinere Forschungseinrichtungen und den Mittelstand - leichter wird. "Eine massive Vereinfachung des Regelwerks, eine Verkürzung der Antragsdauer auf acht Monate und ein besseres Zusammenspiel zwischen Horizon 2020 und der europäischen Strukturfondsförderung wird das Programm für ganz neue Teilnehmerkreise attraktiv machen", erwartet der CDUEuropaabgeordnete Christian Ehler, Berichterstatter des EU-Parlaments für die Beteiligungsregeln von Horizon 2020.

Fast Track to Innovation

Zu den Verbesserungen, die das EUParlament in den Verhandlungen für das neue Rahmenprogramm durchsetzen konnte, gehört der sogenannte Fast Track to Innovation (FIT), wofür sich auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stark gemacht hatte: Ab 2015 können Unternehmen in Teams mit bis zu fünf EU-Kooperationspartnern - ohne spezifische vorherige Ausschreibung - eigene, innovative Forschungsthemen vorschlagen, die eine zügige Markteinführung erwarten lassen.

Die Förderentscheidung soll nach maximal sechs Monaten fallen. Bei grünem Licht können dann bis zu drei Millionen Euro aus Brüssel die Investitionen der Unternehmen ergänzen (70 Prozent Förderquote). "Nach jetzigem Planungsstand sollen mindestens 100 Projekte auf diese Weise auf die Überholspur geschickt werden", berichtet der DIHK.

Gemeinsam mit den übrigen Förderprogrammen in Horizon 2020 sollen insgesamt mindestens 20 Prozent der Fördermittel in innovative kleine und mittlere Unternehmen fließen, bei wesentlich vereinfachten Beteiligungsregeln. "Seit Beginn der EU-Forschungsrahmenprogramme 1984 konnte noch kein EU-Parlament den EU-Kommissionsvorschlag so deutlich zugunsten der Teilnehmer verändern", sagte Parlaments-Berichterstatter Ehler.

Maire Geoghegan-Quinn ■ EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft

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Maire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft: "In den kommenden sieben Jahren werden wir jeden Cent des Budgets von Horizon 2020 dazu verwenden, ein stärkeres, innovativeres Europa aufzubauen."

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