Kryptowährung und Hardware

Ethereum: Kurs fällt und lässt auf günstigere Grafikkarten-Preise hoffen

Der Hype um Ethereum-Mining erhält einen Dämpfer. Der Kurs fällt innerhalb eines Monats um 50 Prozent und nährt Hoffnung auf Besserung bei Grafikkarten-Preisen.

Ethereum-Kurs

© Screenshot / coingecko.com

Der Ethereum-Kurs fällt - ist der Mining-Hype damit zu Ende?

Der Ethereum-Kurs hat in den vergangenen zwei Monaten eine beispiellose Kurve hingelegt. Nachdem ein Ether – die Einheit der Kryptowährung - Mitte Mai bei rund 80 Euro stand, kletterte der Wert bis Mitte Juni auf den bisherigen Höchststand von über 350 Euro. Die Folge war ein Hype um Ethereum-Mining, der bis jetzt für eine Dürre und in Folge Wucherpreise auf dem Grafikkarten-Markt sorgt. Seit Mitte Juni fällt der Ethereum-Kurs. Dabei ist - Stand 12. Juli um 10:00 Uhr – ein Verlust von bislang rund 50 Prozent zu verzeichnen.

Ein Ether ist aktuell über 173 Euro wert. Der Umsatz für Miner nimmt deutlich ab, während die Strom- und Anschaffungskosten für Hardware identisch bleiben. Nicht zu vergessen ist zudem die sogenannte Mining-Difficulty, die mit steigender Anzahl von Mining-Systemen bzw. deren Gesamtrechenleistung zunimmt. Die Difficulty gleicht steigende Rechenleistung im gesamten Netzwerk aus, um einer Inflation vorzubeugen. Das "Schürfen" von Ethereum wird dabei stetig schwerer für die Hardware. Passend zum Hype und zwecks Mining leergefegten Grafikkarten-Kontingenten hat die Difficulty vor wenigen Tagen einen gewaltigen Sprung gemacht.

Hier könnten nun vor allem Mining-Neulinge in Panik verfallen und die fürs Mining gekauften Grafikkarten wieder verkaufen wollen. Darauf spekulieren zumindest viele Beobachter und auch gebeutelte Nutzer, die seit Wochen auf bezahlbare Grafikkarten warten. Eine Entspannung ist jedoch nicht sofort zu erwarten. Anfangs dürfte – sollten sich die Erwartungen erfüllen – vor allem der Gebrauchtmarkt von vielen Grafikkarten-Angeboten und somit niedrigen Preisen profitieren. Spätere Nachproduktionen von AMD und Nvidia könnten daraufhin wieder ein normales Preisniveau erreichen, da die Nachfrage deutlich abnehmen wird.

Lesetipp: Ethereum-Mining lässt Grafikkarten-Preise steigen

Im Moment ist es zumindest noch so, dass anscheinend Mining-Firmen im Ausland neue Produktchargen bekommen, noch bevor Sie an Händler in Europa gehen. Das veranlasste etwa den norddeutschen IT-Händler Mindfactory dazu, Vorbestellungen zu stornieren und besonders schwer betroffene Produkte aus dem Sortiment vorübergehend zu entfernen.

Warum fällt der Ethereum-Kurs?

Es gibt keine eindeutige Erklärung für den jetzigen Kurssturz von Ethereum. Ein Blick auf andere Kryptowährungen zeigt immerhin, dass auch viele Alternativen zu Bitcoin, Ethereum und Co. betroffen sind. Das könnte für Laien wie eine allgemeine Korrektur von Kryptowährungen aussehen. In der Krypto-Szene wird vermutet, dass durch viele Verkäufe von erzeugtem Ether und sogenannten Ethereum-Tokens seit den ersten Kurs-Rückgängen ein Überangebot vorherrscht, das den Preis drückt. Tokens sind in diesem Zusammenhang gleichzusetzen mit Anteilen, die zum Start einer Kryptowährung verkauft werden. Mit wachsendem Erfolg – in dem Fall von Ethereum – steigt auch deren Wert. Mehr Infos dazu gibt es unter dem Stichwort ICO – Initial Coin Offering.

An anderer Stelle wird vermutet, dass der bekannteste Vertreter der Kryptowährungen – Bitcoin – Mitverantwortung trägt. Hier steht im August eine große Änderung an, die die Währung optimieren soll, aber gleichzeitig für viel Unsicherheit sorgt. Da die Kursentwicklung vieler alternativer Kryptowährungen mit Bitcoin zusammenhängt, vermuten Nutzer eine Anpassung an das Update. Der gesamte Markt soll sich danach angeblich wieder erholen. Eine Garantie dafür gibt es aber freilich nicht.

Immerhin lässt sich nach dem Tiefstand von Mittwochmorgen wieder eine kleine Aufwärtsbewegung erkennen. Möglich ist demnach, dass durch den niedrigen Preis wieder Investoren einsteigen und die Nachfrage und somit der Preis erneut wachsen.

Soll ich weiterhin Mining betreiben?

Die Frage, ob sich Mining noch lohnt, ist nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten. Wie bei jedem Spekulationsgeschäft ist ein Risiko auf sich zu nehmen, das viele Nutzer abschrecken dürfte. Wer plant oder sich erst kürzlich mit (bereits überteuerter) Hardware eingedeckt hat, um mit Ethereum-Mining Geld zu verdienen, wird – vorausgesetzt, es bleibt beim jetzigen Ethereum-Kurs – deutlich später den Punkt erreichen, an dem erstmals ein Plus bei der Gewinn- und Verlustrechnung steht. Fakt ist, dass ein privater PC mit einfacher GPU-Ausstattung in Deutschland immer ineffizienter wird. Beobachteten wir Ende Juni noch, dass mit einer Nvidia Geforce 1070 pro Tag etwa 0,02 Ether (Gegenwert aktuell: 3,46 Euro) erzeugt werden konnte, sind wir seit einigen Tagen schon deutlich darunter. Je nach Systemeinstellung und Erfolgsquote beim Mining liegt der Wert aktuell bei 0,01 bis 0,015 Ether (etwa 1,73 bis 2,595 Euro). Müssen wir davon je nach Stromtarif noch 1,50 bis 2 Euro für einen dauerhaft laufenden 250-Watt-PC abziehen, wird Mining für den Ottonormalverbraucher beim jetzigen Kursverlauf also schnell zum Verlustgeschäft.

Lesetipp: Ethereum-Anleitung - Mining-Tutorial und Tipps

Um beim Mining profitabel zu bleiben, müsste man neben dem Befolgen von Stromspar-Tipps für Ethereum-Grafikkarten auch die Anzahl derer erhöhen. Der Stromverbrauch steigt dabei langsamer als die Mining-Leistung. Doch durch die steigende Difficulty und - nochmals betont: bei gleichbleibendem Kurs – befindet man sich schnell in einer Spirale, in der anscheinend immer mehr Geld für Hardware und Strom nötig wird, um Profit zu machen. Das Riskante daran ist, dass der künftige Profit von einer unsicheren Spekulation abhängt. Und hier könnten viele Nutzer aussteigen wollen, die seit Juni Mining im privaten Rahmen betreiben und jetzt noch wenigstens Geld mit dem Verkauf Ihrer Hardware gutmachen wollen. Darauf spekulieren zumindest wiederum Spieler und PC-Bastler.

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