DVB-T & DVB-T2

Die Zukunft des digitalen Antennenfernsehens

Ende Juli beginnt der Ausstieg von RTL aus der DVB-T-Übertragung. Ein Ende mit Schrecken? video hat nachgeforscht, wie es in der DVB-T-Szene weitergehen soll.

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Am 31. Juli quittiert RTL die Zusammenarbeit mit dem digitalen Antennenfernsehen im Raum München. Bis Ende nächsten Jahres folgt dann die komplette Abschaltung. Eigentlich unerhört: Viel gepriesen als Übertragungsstandard für einen unkomplizierten sowie sogar mobilen TV-Empfang, erscheint dies als große Überraschung.

Doch der Privatsender, der zum mächtigen Bertelsmann-Konzern gehört, bewertet DVB-T schlicht als unrentabel. Das Publikum sei zu klein, die Übertragung daher zu teuer, und aufgrund der nicht hinreichend langfristigen Lizenzvergabe für die Sendefrequenzen seitens der Landesmedienanstalten auch noch unsicher. Ist der DVB-T-Standard, dessen Einführung erst seit 2008 als beendet gilt, bereits jetzt ein Auslaufmodell?

Reichweite nach Sichtweise

Das sieht die Konkurrenz nicht so. Die Sendergruppe ProSiebenSat.1 möchte am liebsten zulegen . Der "Frauensender" sixx ging bereits Anfang Juni mit DVB-T im Raum München und Nürnberg on air. Folgen sollen ProSieben Maxx sowie ein Ableger von Sat.1 Gold, wobei hier noch die Zusage der Landesmedienanstalten abzuwarten sei.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender sehen den Erfolg auf ihrer Seite. Um 25 Prozent betrage laut Erhebung von 2012 der DVB-T-Zuschaueranteil in den städtischen Ballungsgebieten. Allerdings wurden hier Zweit- und Drittgeräte innerhalb eines Haushalts mitberücksichtigt. Deutschlandweit und wenn man ausschließlich Erstgeräte zählt, kommt das Antennenfernsehen gerade mal auf rund vier Prozent Marktanteil.

Neue Technik: DVB-T2

High Definition verlangt hohe Datenraten während der Übertragung. Derartiges ist mit herkömmlicher DVB-T-Technik ohnehin nicht zu machen.

Andere Länder zeigen, wie's möglich wird: Schön längst ist DVB-T2 Standard etwa in Italien, Russland, Afrika und seit Kurzem auch in Österreich.

Hierzulande soll die Neuerung frühestens 2016 kommen. Die öffentlichrechtlichen Sender betonen, dass den Zuschauern nicht schon wieder ein Wechsel zuzumuten sei. Tatsächlich erfordert DVB-T2 neue Empfänger.

Sendefrequenzen: DVB-T contra Mobilfunk

ProSiebenSat.1 zeigt derzeit ebenfalls kein Interesse. Angesichts der Einführungskosten und absoluten DVB-T-Reichweite erkenne der Privatsender-Anbieter kein schlüssiges Geschäftsmodell für sich. Über Satellit ist das anders: Mit HD+ als HD-Plattform verdienen ProSiebenSat.1 und RTL Geld.

Ein weiteres Diskussionsthema stellen zudem etwaige Einsatzmöglichkeiten von leistungsstarken Mobilfunktechniken wie LTE dar. Sie könnten in zukünftigen Versionen vielleicht die DVB-T-Technik obsolet machen. Zumindest ProSiebenSat.1 führt diese Vision als weiteres Argument ins Feld, um die Zurückhaltung gegenüber DVB-T2 zu begründen.

Smart mit DVB-T

Den Anschluss an moderne Zeiten zu verpassen muss man mit DVB-T dennoch nicht befürchten. So kommt auch hier HbbTV als eine der neuesten, multimedialen TV-Errungenschaften zum Einsatz. Wer etwa einen Smart TV mit integriertem DVB-T-Empfänger besitzt, benötigt nur noch einen Internet-Zugang, um wie via Satellit oder Kabel eine Vielzahl von zusätzlichen Diensten zu erhalten.

So sieht die Zukunft von HbbTV aus

Dank Media Broadcast sogar einen mehr als bei den konkurrierenden Verbreitungswegen. Media Broadcast zeichnet als einer der DVB-T-Netzbetreiber für die Übertragung der Privatsender und des ZDF verantwortlich. Er hat die multithek aufs TV-Parkett gebracht.

Konzeptionell vergleichbar mit den in Fernsehern integrierten Portalen, offeriert Media Broadcast ein komplett geräteunabhängiges Web-Portal. Das Portal-Menü erreicht den Zuschauer hier via Antenne. Daher ist es in der Programmliste zu finden und darin wie ein Sender "einschaltbar". Ist der TV oder die Set-Top-Box mit dem Internet verbunden, gelangt man mit den Portalangeboten nach dem Aufruf schließlich wie üblich ins Internet.

Für Web-TV-Anbieter besteht sogar die Möglichkeit, sich von Media Broadcast in die via DVB-T übertragene Senderliste einfügen zu lassen. Dann zappt man als Zuschauer munter zwischen "echten" DVB-T-Kanälen und solchen hin und her, die ins Internet führen.

So verlässt RTL zwar DVB-T, andere Anbieter steigen aber mit neuen Angeboten ein. Die großen Netz-Innovationen samt HDTV lassen allerdings noch auf sich warten.

dvb-t, deutschland, anschlüsse

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Wo werden welche Programme via DVB-T verbreitet? Die Grafik gibt Auskunft über den aktuellen Stand.

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