Wettrennen der Konsolen

Der Kampf ums Wohnzimmer

Spielkonsolen haben sich zu echten Multimedia-Zentralen entwickelt. PlayStation 3, Xbox 360 und Wii kämpfen um die Vorherrschaft im Wohnzimmer. Wir verraten, was die Geräte können und welches zu Ihnen passt.

Der Kampf ums Wohnzimmer

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Der Kampf ums Wohnzimmer

Mit der seit Kurzem erhältlichen PlayStation 3 (PS3) ist das Trio der neuen Spielkonsolen komplett. Längst sind die Geräte dem Kinderzimmer entflohen. Vollgestopft mit teurer Technik und vielen Funktionen drängen sie als Medien-Zentralen in die Wohnzimmer. Sony bezeichnet die PS3 deshalb auch stets als "Computer-Entertainment-System" und meidet das Wort Spielkonsole.

Nintendo Wii macht’s anders

Noch im Jahr 2005 schien es schlecht um Nintendo zu stehen. Viele befürchteten, dass die renommierte Spieleschmiede im Duell zwischen Sony und Microsoft untergeht. Doch keine zwei Jahre später hat sich das Blatt zu Gunsten von Nintendo gewendet. Der Gameboy-Nachfolger DS verkauft sich prächtig und lässt Sonys tragbare Play-Station PSP weit hinter sich. Seit Dezember bietet Nintendo zudem die Heimkonsole Wii an, die sich zu einem echten Überraschungserfolg entwickelt. Statt auf teure Ausstattung wie HD-Auflösung oder Bluray-Wiedergabe setzt Nintendo auf mehr Spielspaß.

Durch ein neuartiges und einfach zugängliches Bedienkonzept will der Hersteller auch Menschen ansprechen, die bisher nichts mit Spielen anfangen konnten oder sich nicht an Konsolen herantrauten. Kein ungeschickter Zug, denn mit Gelegenheitszockern und Party-Spielern erreicht man einen viel größeren Teil der Bevölkerung. Schon Sony machte mit einer Mini-Kamera für PS2 (EyeToy) einen ähnlichen Schritt in diese Richtung.

Die Konsole Wii ist zusammen mit dem Spiel Wii Sports für rund 250 Euro erhältlich. In der Verpackung liegt ein Gerät, das kaum größer als ein externes DVD-Laufwerk ist. Für den Betrieb reicht ein herkömmlicher Fernseher aus – die Wii kann sowieso keine HD-Grafik darstellen. Das Wichtigste aber ist die kabellose Steuerung. Man hält eine Fernbedienung (Wii Remote) in der Hand, auf der nur wenige Knöpfe zu finden sind. Der Controller erkennt die Hand- und Armbewegungen des Spielers, auch ein Vibrationsmotor und ein Lautsprecher sind eingebaut.

Damit Wii die Bewegungen des Spielers im Raum erkennt, muss man eine dünne Sensorleiste auf oder unter den Fernseher legen. Mit dem beigelegten Wii Sports kann man das neue Bedienkonzept gleich ausprobieren. Dazu bietet sich eine Partie Tennis an. Man benutzt die Wii Remote wie einen Schläger. Überkopfschläge, angeschnittene Bälle oder druckvolle Aufschläge: Mit ein wenig Übung kann man seine Schläge und Reaktionszeiten verbessern. Trifft der Ball auf den Schläger (Wii Remote), spürt man eine leichte Erschütterung und hört ein Schlaggeräusch aus dem Mini-Lautsprecher der Fernbedienung.

Bei einigen Spielen braucht man zusätzlich den zweiten Controller namens Nunchuk. Er wird per Kabel an die Wii Remote gestöpselt. Der Nunchuk hat einen kleinen Mini-Joystick und wird in der anderen Hand gehalten. Wii Sports umfasst etwa auch ein Boxspiel: Remote und Nunchuk sind hier die virtuellen Hände des Spielers. Man nimmt die Hände zur Deckung hoch und zwingt durch geschicktes Schlagen den Gegner auf die Matte.

Die Multimedia-Eigenschaften der Wii sind bescheiden: Sie spielt weder Audio-CDs noch Filme auf DVD ab. Letzteres sollen erst die Ende 2007 ausgelieferten Wiis beherrschen. Immerhin kann man aber die SD-Karte aus einer Digitalkamera einstecken und die Konsole zeigt dann die Bilder und Videos in einer Diashow an.

Spiele für den Wii-Vorgänger GameCube funktionieren weiterhin, da die Konsole voll abwärtskompatibel ist. Dank Online-Funktionen über den eingebauten WLAN-Adapter informiert Wii über aktuelle Nachrichten und das Wetter. Für 5 bis 10 Euro lassen sich Retrospiele herunterladen und spielen. Darunter sind viele Klassiker wie Mario Kart 64, Gradius oder Super Mario Bros.

Mit der neuen Konsole ist Nintendo ein genialer Coup gelungen. Marktforscher sehen die Wii gar als Gewinner und prognostizieren, dass sich die Konsole in den nächsten Jahren besser als Xbox 360 oder PS3 verkaufen wird. Ob das gelingt, hängt stark vom Nachschub an Spielen ab, die das neue Konzept sinnvoll nutzen. Von den derzeit verfügbaren Titeln empfehlen sich vor allem das Fantasy- Abenteuer The Legend of Zelda: Twilight Princess (Nintendo) und die Mini-Spiel- Sammlung Rayman Raving Ribbids (Ubisoft).

Microsoft Xbox 360

Nachdem die erste Xbox sich zwar ordentlich verkaufte, gegen die Übermacht der PS2 aber nichts ausrichten konnte, setzte Microsoft alles daran, mit der nächsten Konsolengeneration vor der PS3 zu starten. Das gelang ohne Probleme, bereits seit Ende 2005 ist die Xbox 360 zu haben. Sieht man sich die technischen Daten an, steht sie der PS3 eigentlich kaum nach. Statt eines teuren Blu-ray-Laufwerks baut Microsoft ein günstiges DVD-Laufwerk ein. Bei Bedarf kann man zum HD-Filme ansehen ein externes HD-DVD-Laufwerk (etwa 180 Euro) nachrüsten, denn Microsoft unterstützt statt Blu-ray das alternative HD-DVD-Format.

Die Xbox 360 ist in zwei Varianten erhältlich. Die günstige Core-Version für 299 Euro hat aber keine Speichermöglichkeit. Wer hier Spielstände sichern will, benötigt zusätzlich eine überteuerte Speicherkarte (etwa 35 Euro) oder muss eine Festplatte nachrüsten (etwa 85 Euro). Sinnvoll ist es, gleich zur besseren Premium-Version für 399 Euro zu greifen. Neben einer 20-GByte-Festplatte bekommt der Käufer hier zusätzlich einen kabellosen Controller, ein Headset und ein HD-Komponentenkabel. Es wird erwartet, dass Microsoft den Preis der Xbox 360 demnächst senkt, um den Abstand zur PS3 noch zu vergrößern.

Die Anzahl an guten Spielen für die Microsoft-Konsole ist inzwischen beachtlich. Zu den besten gehören das Rollenspiel The Elder Scrolls 4: Oblivion (2K Games) und der Ego-Shooter Call of Duty 3 (Activision). Gespannt erwartet wird zudem der Science- Fiction-Shooter Halo 3, dessen Vorgänger allein ein Kaufgrund für die alte Xbox waren.

Technisch gesehen laufen alle Xbox-360- Titel in der HDTV-Auflösung von 720p, also mit 1280x720 Bildpunkten. Einige Titel schaffen sogar 1080i/p (1920x1080). Außerdem lässt sich ein Teil der alten Xbox- Originalspiele starten. Wer nur einen herkömmlichen PAL-Fernseher hat, kann die Konsole natürlich auch anschließen.

Als Multimedia-Zentrale überzeugt die Xbox 360: Sie spielt DVDs ab und rippt Musik- CDs auf die Festplatte. Wer einen PC mit Windows Media Center besitzt, kann Filme zur Konsole streamen und am TV ausgeben. Über USB angeschlossene Digitalkameras und MP3-Player lassen sich auslesen.

Sehr ausgereift sind auch die Online-Funktionen. Jeder Spieler hat eine eigene Kennung, den Gamertag. Man kann online Demos und Videos herunterladen und sich mit anderen Spielern unterhalten.

Will man gegen die anderen Spieler auch antreten, muss man allerdings eine Xbox- Life-Gold-Mitgliedschaft für etwa 5 Euro monatlich erwerben. Ein kleiner Kult ist zudem um den Xbox-Live- Arcade-Dienst entstanden. Fast jede Woche erscheint dort ein kleines Retro-Spiel wie etwa Bejeweld 2, das man gegen eine geringe Gebühr herunterladen kann.

Die Xbox 360 bietet insgesamt eine sehr gute Auswahl an Spielen, die auch in HD-Auflösung laufen. Teure Extras wie ein Blu-ray-Laufwerk muss man hier nicht zwangsweise mitbezahlen. Für Vielspieler bietet die Xbox 360 das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sony PlayStation 3 (PS3)

Seit Ende März ist die PlayStation 3 endlich auch in Europa zu haben. Eigentlich war der Start schon zum Weihnachtsgeschäft geplant, doch Probleme bei der Produktion der blauen Blu-ray-Laserdiode erzwangen eine Verschiebung. Nur US-Amerikaner und Japaner zocken bereits seit November mit der neuen Konsole. Zum Europastart stehen laut Sony rund eine Million Geräte bereit.

Dennoch dürfte es, aufgrund der vielen Vorbestellungen, kurzfristig zu Engpässen kommen. Satte 599 Euro kostet das Vergnügen – so teuer war noch keine Konsole zuvor. Schaut man auf die Ausstattung, wird schnell klar warum: Ein speziell für die PS3 entwickelter Cell-Prozessor, eine hochwertige nVidia-Grafiklösung, eine 60-GByte-Festplatte und natürlich das Blu-ray-Laufwerk sind im Vergleich zum Vorgänger ein Quantensprung. Nicht nur Filme auf Bluray, natürlich auch die Spiele werden hochauflösend ausgegeben. Entweder im 720p-Modus, wie etwa Need for Speed Carbon oder im noch detailreicheren Format 1080p. Damit man die verbesserte Grafik genießen kann, sollte man einen HDready- Fernseher besitzen, am besten eines der neueren Full-HD-Geräte.

Schließt man die PS3 an einen herkömmlichen PAL-Fernseher an, ist die Bildqualität eher enttäuschend und erinnert mehr an den Vorgänger PS2. Eins ist klar: Die PS3 ist keinesfalls nur als Zeitvertreib für den Nachwuchs gedacht. Sony zielt mit dem Gerät klar auf zahlungskräftige und technikbegeisterte Erwachsene, die sich HD-Fernseher und Blu-ray-Scheiben auch leisten können.

Im Vergleich zur Xbox 360 fehlen der PS3 die Streaming-Funktionen, es lassen sich also weder Filme noch Musik per Netzwerk übertragen. Ansonsten überzeugt die PS3 als Multimedia-Zentrale: CDs lassen sich rippen und DVDs abspielen. Sie besitzt zudem Kartenleser für SD, Memory-Stick und CompactFlash, auch über USB angeschlossene Geräte werden unterstützt.

Die PS3 ist auch onlinefähig. Mit dem eingebauten Browser surft man durchs Internet. Über das Playstation Network lassen sich kostenpflichtige Erweiterungen und Videos zu Spielen herunterladen. Auch kleine Arcade-Spiele gibt es zum Download – ähnlich wie bei der Xbox 360. Die Preise hierfür schwanken zwischen drei und zehn Euro.

Interessant ist auch Home, eine virtuelle Welt, die wie eine Mischung aus Second Life und Die Sims wirkt. Jeder PS3-Besitzer kann sich einen Avatar erschaffen und diesen durch die Welt von Home steuern, um dort auf andere PS3-Spieler zu treffen.

Stolperfallen gehören der Vergangenheit an, das Gamepad der PS3 ist kabellos. Es verfügt über eine Bewegungserkennung, sodass man durch Kippen zusätzlich steuern kann. Vibrieren tut der Controller nicht mehr. Das ist bedauerlich, denn diese Funktion sorgte auf der PS2 bei Rennspielen wie Gran Toursimo für zusätzlichen Realismus.

Über 30 Spiele sind zurzeit erhältlich. Davon sind die beiden Shooter Resistance: Fall of Man (Sony) und Call of Duty 3 (Activision) sowie die Sportspiele Virtua Tennis 3 (Sega), Virtua Fighter 5 (Sega) und Fight Night Round 3 (EA Sports) am interessantesten. Alte PS2-Spiele laufen auf der PS3 nur in einer Software-Emulation. Welche noch funktionieren, kann man in der Liste unter http://faq.eu.playstation.com/bc einsehen.

Insgesamt ist die PS3 ein interessantes und teures Stück Hardware. Die Auswahl an Spielen kann im Moment noch nicht völlig überzeugen. Wer warten kann, sollte dies tun, gerade wenn man noch keinen HD-Fernseher sein Eigen nennt.

Welche Konsole darf’s sein?

Nintendos Wii hat viel Potenzial, um eine große Zahl von Menschen zu begeistern. Gelingt es den Machern weiterhin originelle Spiele zu entwickeln, steht dem Erfolg nichts entgegen. Gerade wer nur gelegentlich spielt und kurzweilige Spiele schätzt, wird an der Wii und seiner neuartigen Steuerung seine wahre Freude haben.

Eingefleischte Zocker zieht es dagegen zu Xbox 360 oder PS3. Für die Microsoft-Konsole spricht der günstigere Anschaffungspreis, zudem bietet sie die größte Auswahl an Spielen der neuesten Generation.

Die PS3 lohnt sich für alle, die einen günstigen Blu-ray-Player suchen, denn vergleichbare Abspielgeräte kosten meist weit über 1000 Euro. Letztendlich sollte man seine Entscheidung an den Software-Titeln festmachen, denn nicht alle Spiele erscheinen für alle drei Konsolen. Auf der Heft-DVD/CD finden Sie unter "Software/Artikel zum Heft/Testbilder der neuen Spielekonsolen" eine Diashow mit Bildern aus den aktuellen Spielen.

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Einfache Bedienung und originelle Spiele sind das Erfolgsrezept der Wii
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Wii Remote: Die Fernbedienung erkennt die Bewegungen des Spielers, vibriert und gibt Töne von sich.
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Der Online-Dienst Xbox Live überzeugt: Via Headset können sich die Zocker in und außerhalb der Spiele unterhalten. Zudem bekommt man Demos, Videos und Retro-Games.
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Die fotorealistische Grafik bei Forza Motorsport 2 (ab Mai erhältlich) zeigt die Leistungsfähigkeit der Xbox 360.
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Hightech-Spielzeug für Erwachsene: Sonys Play-Station 3 mit Blu-ray-Player und HD-Bildausgabe.
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Ähnlich wie Second Life: In der virtuellen Welt Home treffen und unterhalten sich PS3-Besitzer online.
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Auswertung Frage des Monats: PCgo 3/2007
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