Aufregung um iStockphoto

Deal zwischen Getty Images und Google verunsichert Stockfotografen

Getty Images und die Tochter iStockphoto haben in einem großen Deal Bilder an Google verkauft. Die betroffenen Stockfotografen gehen nun auf die Barrikaden - sie fühlen sich übergangen.

Screenshots: gettyimages.com / istockphoto.com

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Mehrere tausend Bilder umfasst das Paket an Stockfotos, das Google im Herbst 2012 von Getty Images und deren Tochterfirma iStockphoto erwarb. Mit den Bildern können Nutzer der Online-Office-Suite Google Drive nun Dokumente und Präsentationen illustrieren. Nachdem immer mehr Details über den Deal ans Tageslicht kommen, fühlen sich betroffene Stockfotografen in zweifacher Weise übergangen.

Zum einen bekommen sie als Rechteinhaber zwar ihren Anteil, doch nur in Form einer Einmalzahlung, die je nach bestehendem Vertrag mit iStockfoto oder Getty Images bei zwischen 6 und 12 US-Dollar liegen soll. Zum Vergleich: Für einige der verwendeten Bilder aus Premium-Sammlungen erzielen Fotografen je nach Bildauflösung eine Entlohnung von etwa 100 Dollar - pro verkauftem Bild.

Der noch viel größere Haken ist aber: Bei Google Drive wurden die Fotos frei von Rechteeinschränkungen angeboten, so dass diese Bilder auch bei kommerzieller Nutzung keine weiteren Einnahmen für den Fotografen bringen.

Ratgeber Recht: Foto-Abmahnungen

Zwangsläufig bekommt so zwar auch Getty Images nur einmal Geld, doch sie kassieren bei dieser Anzahl der Bilder ein klägliches Sümmchen: zwischen 300.000 und 700.000 US-Dollar, so die Schätzungen, sollen die Bilder in die Kasse bringen. Die Fotografen werden lediglich mit 10 bis 20 Prozent daran beteiligt, verlieren aber ihre Bildrechte. So hat es Robert Kneschke für Blog zur Stockfotografie recherchiert. In seinem Artikel zum Getty-Images-Deal hebt er auch ein Zitat von Googles Bedingungen der Bildersuche in Google Drive hervor:

Wenn Sie die Funktion für die Google Bildsuche in Google Docs verwenden, werden die Ergebnisse so gefiltert, dass Bilder mit einer Lizenz eingeschlossen werden, die das Kopieren des Bilds für kommerzielle Zwecke und das Ändern des Bilds gemäß den Angaben in der Lizenz zulässt.

Doch der Fall scheint schon eine gewisse Brisanz zu bekommen. Folgt man seinem Quelllink, dann hat sich dort bereits der Inhalt geändert. Nun heißt es von Google aus:

Bevor Sie Inhalte weiterverwenden, die Sie gefunden haben, sollten Sie überprüfen, ob die Lizenz rechtmäßig ist, und die in der Lizenz aufgeführten Bedingungen für die Weiterverwendung genau prüfen. In den meisten Lizenzen wird z. B. verlangt, dass Sie bei der Weiterverwendung eines Bilds den Ersteller nennen. Google kann nicht feststellen, ob eine Lizenz gültig ist. Wir können daher nicht bestätigen, ob Inhalte wirklich rechtlich lizenziert wurden.

Robert Kneschke, selbst ein engagierter Fotograf der mit Microstock-Fotos sein Geld verdient, bestätigt die unübersichtliche Sachlage: "Die Zusammenhänge sind sehr komplex und man bekommt immer nur Informationsteile zusammen. Zudem verändern sich die Sachverhalte gerade sehr schnell, so dass man die Geschichte eigentlich permanent umschreiben kann".

Ratgeber: Das Recht am eigenen Bild - Personen fotografieren

Kneschke sieht es vor allem kritisch, dass die Bilder ohne die sonst üblichen Metadaten und ohne Nutzungsausschluss übernommen werden. Beim sonst so prüden Google-Konzern gibt es für die Bilder keinen Ausschluss für sogenannte "diffamierende Nutzung" - genau das stellt die Fotografen aber vor ein Problem: Wer ein Modell engagiert hat, bekommt sehr schnell Ärger, wenn das Bild beispielsweise im Umfeld von pornografischen Inhalten auftaucht.

Getty Images sowie das Tochterunternehmen iStockfoto haben bis jetzt zu den Vorwürfen noch keine Stellung bezogen. Die verunsicherten Fotografen reagieren dagegen bereits: Am 2.2 soll es einen sogenannten D-Day (Deactivation Day) geben, an dem gleichzeitig viele Fotografen ihre Bilder aus dem Angebot nehmen wollen. Sogar ein Skript für die Deaktivierung macht bereits die Runde - der Fall bleibt spannend

Screenshot: drive.google.com

© Screenshot: drive.google.com

In Googles Online-Office können die Stockfotos als Illustrationen für Dokumente und Präsentationen genutzt werden.

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