Technologie

Cloud Computing - Neue Möglichkeiten für Fotografen

Cloud Computing, das Arbeiten mit Daten, die auf externen, per Internet weltweit erreichbaren Servern zentral gespeichert liegen, gehört zu den wichtigsten aktuellen technischen Entwicklungen und gewinnt auch für Fotografen zunehmend an Bedeutung.

image.jpg

© Archiv

In die "Cloud"  werden nicht nur Daten ausgelagert, sondern es können auch Programme online genutzt werden. Ob Apple, Microsoft oder Google, überall wird an Cloud-basierten Anwendungen gearbeitet. Zur Bedeutung dieser Entwicklung hat der Photoindustrieverband zwei seiner direkt betroffenen Mitglieder, Adobe Systems und Nik Software, befragt. Alexander Hopstein ist Senior PR Manager bei Adobe Systems, Martina Beckmann ist Business Development Managerin bei Nik Software. 

Erwarten Sie neue Möglichkeiten für das Software-Geschäft durch Cloud Computing? Beckmann: Ja, Cloud Computing wird nicht nur Schritt für Schritt die Produkte und die Art und Weise, wie wir Produkte entwickeln, verändern, sondern auch, was man mit ihnen tun kann, wo sie es tun können und wie einfach es in Bezug auf ihre Rechnernutzung umsetzbar sein wird. Diese Veränderungen bringen für unser Geschäft in den kommenden Jahren ein breites Spektrum neuer Möglichkeiten und Chancen. Die Einführung von Cloud Computing durch einige Top Player der Branche hat bereits begonnen. Dennoch steckt Cloud Computing noch immer in den Kinderschuhen.  

Wie sieht man bei Adobe die Zukunft von Cloud Computing?Hopstein: Adobe bietet bereits seit geraumer Zeit zahlreiche Cloud-Services an. Unter dem Begriff CS Live ist ein ganzes Set an Online-Diensten rund um die Creative Suite und Acrobat verfügbar. Darunter beispielsweise Acrobat.com mit Anwendungen wie Buzzword und Connect Now und der Möglichkeit, PDF-Workflows Cloud-gestützt zu optimieren. Adobe BrowserLab, Adobe CS Review, Adobe Story und Adobe SiteCatalyst NetAverages powered by Omniture helfen Kreativen, ihre Workflows und Abstimmungsprozesse zu optimieren. Für die Zusammenarbeit von Teams, Freigabeprozesse und die Erweiterung von Desktop-Applikationen werden Cloud-Lösungen zunehmend wichtiger. Wir werden unsere Angebote für die Cloud zukünftig in diese Richtung weiter ausbauen.  Welche Vorteile sehen Sie für Anwender Ihrer Software im Cloud Computing? Beckmann: Einer der größten Nutzen von Cloud Computing für unsere User wird wahrscheinlich darin liegen, dass sie mehr mit ihren Inhalten und Medien verbunden sind. So werden Anwender zum Beispiel davon profitieren, dass sie auf alle ihre Fotos, Videos und Premiuminhalte praktisch vom jedem Gerät aus zugreifen können. Jederzeit und überall auf die Dinge zugreifen zu können, die für sie am wichtigsten sind, ist ein enormer Nutzen. Die Synchronisation wird automatisch ablaufen, das heißt, für mehr Menschen erschließen sich einfachere Wege, mit ihren Medien zu interagieren und sie zu konsumieren.   Software-Lösungen, die auf Cloud Computing basieren, werden so einfach zu nutzen sein, wie es heute noch nicht möglich ist und sie werden Anwendern neue Wege erschließen, Fotografie zu nutzen und so Fotos einen noch größeren Raum im täglichen Leben zu schaffen.  Wird sich dadurch das Kaufverhalten von Software ändern, weil die Verbraucher die Software in der Cloud abonnieren/mieten? Hopstein: Wenn Software komplett in der Cloud laufen wird, ist damit zu rechnen, dass sich das Kaufverhalten ändert. Es gibt ja durchaus einige Vorteile. Beispielsweise entfällt die Installation der Software bei vielen Arbeitsplätzen, ein gutes Argument pro Cloud, ebenso werden Aktualisierungen mit Updates überflüssig, das geschieht automatisch in der Cloud. Gleichzeitig wird man bei Daten-intensiven Workflows aber wesentlich höhere Datenvolumen übertragen müssen. Sowohl der Software-Anbieter als auch der Nutzer benötigen höchste Ausfallsicherheit, wenn sie die Software produktiv einsetzen. Da gibt es noch vieles zu berücksichtigen. Für Adobe steht zunächst im Vordergrund, dass unsere Kunden unsere Software zu jeder Zeit produktiv einsetzen können, die lokale Installation ist gegenwärtig noch die beste Lösung dafür. Ergänzend sehen wir, wie gut sich unsere Anwendungen mit Cloud-basierten Diensten mit erheblichem Mehrwert ergänzen lassen. Darauf konzentrieren wir uns momentan.  Sehen Sie bei Cloud Computing irgendwelche Risiken für Fotografen? Beckmann: Sicherheit und Datenschutzaspekte waren in der Vergangenheit Anlass zu großer Besorgnis. Heute sind einige dieser Bedenken noch immer angebracht. Doch die Branche hat darauf klar reagiert. In der Vergangenheit machten verschiedene Faktoren (angefangen vom Aufwand der Industrie über die Technik bis zur Redundanz) Cloud Computing für Fotografen riskant. Cloud Computing, wie wir es sehen, wird jedoch einen höheren Level an Redundanz und Sicherheit für die Medien der User bieten und deshalb Fotografen mit unterschiedlichster Ausbildung und Erfahrung davon überzeugen.  Könnten sich dadurch die Umsätze bei Software steigern, weil mehr Leute darauf zugreifen? Alexander Hopstein: Der Grund, Software zu nutzen, ist weitestgehend unabhängig davon, ob ich sie lokal installiere oder in der Cloud nutze. Entweder löst die Software ein Problem oder hilft mir in meinem Job, dann werde ich sie so oder so nutzen. Wenn der Software-Anbieter sein Cloud-Angebot aber so gestaltet, wie wir gegenwärtig unser Abo-Modell für die Creative Suite, dann ist davon auszugehen, dass die Nutzerzahlen und damit die Umsätze steigen werden. Denn in unserem Abo-Modell ist es möglich, die Adobe Creative Suite beispielsweise ein Jahr zu abonnieren oder nur einen Monat. Für viele Freelancer und Unternehmen genau die richtige Option, um zeitlich befristete Projekte mit der allerneuesten Software abwickeln zu können.  Sehen Sie Chancen für geschäftliches Wachstum durch die Cloud? Beckmann: Die Veränderungen, die Cloud Computing allgemein im Markt bewirkt, bringen unglaubliche Chancen für unser Business mit sich. Die Cloud ist bereits Teil unseres Geschäfts und wird es weiter sein, indem wir unsere mobile Produktlinie weiter ausbauen. Unsere Produktlinie von Desktop über Mobile bis zur Cloud wird weiter wachsen, da wir Produkte und Dienstleistungen anbieten werden, die eng mit der Cloud verbunden sind.  Gibt es heute schon Cloud-Angebote für Fotografen, über die man Adobe Software, wie zum Beispiel Photoshop, nutzen kann? Hopstein: Wir haben mit photoshop.com eine Plattform geschaffen, die im Wesentlichen zum Speichern und Präsentieren von Fotos geeignet ist. Zusätzlich sind auch einfache Bearbeitungen möglich. Der Vorteil ist, dass die Bilder immer zugänglich sind, egal, ob man am eigenen Rechner sitzt oder bei Freunden zu Besuch ist oder via Smartphone darauf zugreift. Denn für photoshop.com gibt es beispielsweise auch eine App namens Photoshop Express, die die Nutzung der eingebauten Kamera auf dem mobilen Gerät unterstützt und die für Smartphones und Tablets unter Android und iOS erhältlich ist.   Adobe Photoshop als vollständiges Produkt ist gegenwärtig in der Cloud nicht verfügbar. Das wäre - zumindest heute - auch nicht ohne größeren Aufwand machbar. Durch die offene Architektur von Photoshop gibt es viele Plug-ins und Workflows, bei denen Photoshop direkt in weitere Produkte integriert wird, alle diese Dinge müssten beispielsweise dann komplett in der Cloud nachgebildet werden.  Bieten Sie bereits spezielle Cloud-Pakete für Fotografen an?Martina Beckmann, Business Development Managerin, Nik Software Augenblicklich haben wir noch keine speziellen Cloud-Angebote für Fotografen. Aber da wir ständig unsere Produktlinien erweitern, werden wir unseren Kunden sinnvolle Produkte und Dienstleistungen bieten, die sich nahtlos in die Cloud mit all ihren Vorzügen integrieren lassen.  Welche Vor- und Nachteile sehen Sie, in Zukunft in der Cloud zu arbeiten? Hopstein: Zum größten Vorteil zählt die Unabhängigkeit von den Daten. Alles, was in der Cloud gespeichert ist, ist prinzipiell von überall her zugänglich, unabhängig vom ursprünglichen Speicherort. Seine Arbeit jederzeit unterbrechen, an jemand anderes übergeben oder an anderer Stelle und womöglich sogar mit einem anderen Device fortsetzen zu können, ist sehr charmant. Im Gegenzug wird es zum Problem, wenn plötzlich keine Datenverbindung mehr möglich ist. Dann sind auch keine alternativen Szenarien mehr möglich, bei denen man beispielsweise lokal arbeitet, die Ergebnisse auf Datenträger kopiert und per Kurier zum Drucker oder in die Belichtungsanstalt bringt.  Welche Chancen und Hindernisse sehen Sie allgemein für die Zukunft bei der Arbeit in der Cloud? Beckmann: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Cloud-basierte Software und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen, die den Umgang mit Fotos für die Anwender besser, handhabbarer und sinnvoller gestalten. Die Möglichkeiten der Menschen, ihr Leben und ihre Geschichten in Bildern mitzuteilen, werden von Cloud-Computing-basierten Angeboten profitieren. Wir werden neue Wege sehen, wie Menschen unsere Produkte und neue Geschäftsmodelle nutzen wollen, die viele neue Chancen für Unternehmen bieten zu diversifizieren und zu wachsen.   Der Weg zu einer völlig Cloud-Computing-basierten Fotografie ist zwar noch nicht ganz klar. Wahrscheinlich werden wir Phasen der Konsolidierung erleben, die zweifellos einige Herausforderungen bedeuten. Dennoch betrachten wir Cloud Computing als einen großartigen Weg, unsere Angebote für unsere Kunden zu erweitern und unser Geschäft wachsen zu lassen.  www.photoindustrie-verband.de  Grafik/Fotos: Photoindustrieverband

image.jpg

© Archiv

Martina Beckmann ist Business Development Managerin bei Nik Software
image.jpg

© Adobe

Alexander Hopstein ist Senior PR Manager bei Adobe Systems

Mehr zum Thema

Canon EOS-1D X Mark II
Profi-DSLR

Die neue Canon EOS-1D X Mark II bringt zahlreiche Verbesserungen. Wir haben alle Details zu Features, Preis und Verkaufsstart.
Sony Alpha 6300
Systemkamera

Die neue Sony Alpha 6300 soll beim Autofokus gleich zwei Rekorde in der Klasse der APS-C-Systemkameras brechen.
Canon Cashback 2016
Geld-Zurück-Aktion

Kamera kaufen und Geld zurück erhalten, heißt es jetzt wieder bei Canon. Bei der Cashback-Aktion "Canon EOS plus X" können Sie bis zu 800 Euro…
panoramabild facebook
Panoramabilder

Auf Facebook gibt es jetzt einen neuen Betrachtungsmodus. Mit dessen Hilfe können Nutzer Panoramabilder als 360-Grad-Foto anschauen und selber…
Canon EOS 5D Mark IV Preis Release Infos
Vollformat-DSLR

Die neue Canon EOS 5D Mark IV kommt mit 30,4-Megapixel-Sensor, WLAN und 4K-Videos. Wir haben alle Infos zu Preis, Release und Features.