EU-Referendum

Brexit vs. Breturn: 4Chan-Portal manipuliert Online-Petition mit Bots

Eine Online-Petition für eine Wahlwiederholung der Brexit-Abstimmungen kam auf fast 4 Millionen Stimmen. Der Großteil davon wurde jedoch von der Online-Community 4Chan gefälscht.

4chan JPG

© 4chan/pol/

Das Online-Portal 4Chan manipuliert eine Online-Petition.

London, Schottland und Nordirland sowie zwei Drittel aller jungen Leute sind nicht zufrieden mit dem Ausgang des Brexit-Referendums. Deshalb wurde eine Online-Petition gestartet, die Unterschriften für eine erneute Abstimmung über den EU-Verbleib von Großbritannien sammelt.

Die Leiter der Petition hofften, genug Unterschriften zu sammeln, um zu erreichen, dass die Abstimmung über den EU-Austritt wiederholt wird. Dabei beziehen sie sich auf ein Argument der Befürworter des Austritts. Diese hatten sich vor der Abstimmung für eine Wahlwiederholung eingesetzt, falls das Ergebnis nicht mindestens eine Zustimmung von 60 Prozent erreicht. Außerdem stimmten die Brexit-Befürworter vor der Abstimmung für eine Wiederholung der Wahl, wenn die Wahlbeteiligung nicht mindestens 75% beträgt. Diese Zahlen wurden beide nicht erreicht.

Die Anzahl der Unterschriften auf der Online-Petition schossen schnell in die Höhe. Fast 4 Millionen Unterzeichner fordern eine erneute Abstimmung über den EU-Verbleib. Damit hätte die Unterschriftensammlung ihr Ziel weit überschritten. Nur 100.000 Unterschriften sind nötig, damit das Parlament die Forderung in Betracht zieht.

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Bald kam jedoch heraus, dass wohl ein Großteil der Unterschriften gefälscht ist. Der massive Zuspruch zur Abstimmung ist ein Scherz von Nutzern der Online-Community 4Chan. Mitglieder der Website haben die Abstimmung manipuliert und mit IP-Adressen aus verschiedenen Ländern mehrfach abgestimmt. Dafür verwendeten sie Skripte, die hunderttausend Formulare automatisch mit falschen Daten ausfüllten und so für eine erneute Abstimmung unterschrieben. Solche Petitionen dürfen eigentlich nur Briten unterzeichnen. Da das ganze online ablief und keine Identitätsprüfung stattfand, konnte 4Chan Stimmen aus verschiedensten Gegenden abgeben. Dabei waren die Verantwortlichen sehr kreativ. Es gab Stimmen aus der Antarktis und Nordkorea. Teilweise stammten mehr Stimmen aus einem Ort, als dieser Einwohner hat.

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Zum Beweis, dass die vielen Stimmen von ihnen stammen, veröffentlichten Autoren von 4Chan Dutzende Screenshots der Scripte, die die Petition scheinbar so erfolgreich machten. Der Betrug ist inzwischen aufgedeckt, es wurden bislang 77.000 Stimmen entfernt.

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