Kommentar

Bedrohung Smart-TV?

Bedrohen Smart-TVs die Privatsphäre? Spionieren sie Nutzer, die den Fernseher mit dem Internet verbunden haben, gar systematisch aus? Oder ist die Panik unbegründet? Ein Kommentar von TV-Spezialist Volker Straßburg.

Smart-TVs sind mit dem Internet verbunden.

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Smart-TVs sind mit dem Internet verbunden.

Immer wieder machen neue "Schreckensmeldungen" die Runde, und Publikationen "decken auf", dass Smart-TVs die Privatsphäre bedrohen. Das Unfassbare scheint zu passieren: Ist der Fernseher ans World Wide Web angeschlossen, kann das der Internetprovider feststellen. Er kann sogar registrieren, ob der Smart-TV-Besitzer Ausflüge ins Internet unternimmt. Falls ja, wird beobachtbar, welche Seiten er besucht.

Das ist doch alles glatte Spionage! Beim Internet-Besuch, so hat eine namhafte Testzeitschrift offensichtlich mit großem Aufwand gerade wieder neu herausgefunden, lässt sich die IP-Adresse des Smart-TVs herausfinden. Die komplette IP-Adresse! So etwas hat es in der Netzwelt ja noch nie gegeben...

Es ist schon verwunderlich, mit welcher Unternehmungslust immer wieder versucht wird, aus Smart-TVs den neuen Privatsphärenschreck zu kreieren. Gleichzeitig stellen dieselben Zeitschriften allerdings dar, dass schnelle, sich in alle möglichen Kommunikationswege einklinkende Tablets und Smartphones das Erstrebenswerteste der Welt seien. Dass man sich dabei ebenso oder noch eher beobachtbar macht, scheint in diesem Fall allerdings selbstverständlicher Alltag und weniger erwähnenswert.

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Dass ein Smart-TV schlicht ein großer Computer ist, mit dem man genau dasselbe anstellen kann wie mit einem kleinen, wird kaum objektiv dargestellt. Lieber schwingt man die Sensationskeule und verunsichert Nutzer. Tatsache ist: Geht der Smart-TV-Besitzer mit dem großen Computer im Wohnzimmer vergleichbar bedächtig um wie mit der Miniversion in der Hosentasche, erfahren Netz-Provider, Service-Anbieter oder TV-Programmveranstalter nicht mehr als bisher auch. Eine IP-Adresse sagt dann genauso viel oder wenig aus. Die Wohnadresse und den Namen des TV-Besitzers hat man da noch längst nicht herausgefunden, um personalisierte Daten zu sammeln. Genau diesen Eindruck erwecken aber die Verfasser solcher Meldungen. Das ist Panikmache. Neue Informationen stecken nicht dahinter.

Einer der leidigen Höhepunkte der Diskussion war die Meldung, es sei gelungen, bei einem Fernseher einer bekannten Marke die integrierte Kamera ferngesteuert aktivieren zu können. Wer genau nachgelesen hat, erfuhr, dass dieser einzelne TV vorab durch Veränderungen der Hardware manipuliert worden war. Nachfolgend kamen schließlich Kommentare, theoretisch sei derartiges auch ohne eine solche Manipulation möglich. Man gab jedoch zu, dass sich dies als sehr kompliziert und schwierig darstellt. Ein tatsächlicher Fall wurde nicht bekannt und dürfte noch einige Zeit auf sich warten lassen. Ganz anders beim Computer: Jüngere Ereignisse zeigen, dass Laptop-Kameras schon längst soweit sind.

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Kurz: TVs sind auch nicht die besseren Menschen. Der Nutzer muss sich, wie bei allen Computer- und Kommunikationstechniken, selbst mit engagieren, Risiken zu minimieren. Wer am TV etwa seine Kontodaten für Video on Demand samt Adresse eingibt, hat Sicherheitsaspekte genauso zu berücksichtigen wie am Laptop. Und er macht sich bei seinen zukünftigen Filmaufrufen ebenso "gläsern".

Um etwaigen Auswüchsen entgegenzuwirken, besteht übrigens bei den Smart-TV-Softwareversionen neuerer Generation bereits während der Erstinstallation die Möglichkeit, das Sammeln von Nutzungsdaten mit einem Haken zu untersagen. Auch das kennt man von vielen Computerprogrammen bereits. Man sollte in beiden Fällen nicht versäumen, den Haken richtig zu setzen.

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