Buchtipp

"Barbara Klemm - Fotografien 1968-2013": Typische Momente

Ein Geschichtsbuch der anderen Art präsentiert der Nimbus-Verlag mit der Retrospektive der großen Fotografin Barbara Klemm. Seit 1968 hat sie vor allem für die FAZ in aller Welt fotografiert.

>>Barbara Klemm - Fotografien 1968-2013<< - Typische Momente

© Barbara Klemm/Nimbus Verlag

>>Barbara Klemm - Fotografien 1968-2013<< - Typische Momente

Wie kaum eine andere deutsche Fotografin steht Barbara Klemm als Maßstab für Fotojournalismus der besten klassischen Art. Mehr als 40 Jahre war Klemm als Fotografin der >>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<< Augen- und Kamerazeugin von zahlreichen, teils weltgeschichtlichen Ereignissen. Das Bild von Willy Brandt 1973 im Gespräch mit Leonid Breschnew, umringt von Beratern, Dolmetschern und Journalisten, gehört zu ihren Klassikern. Weitere eindrucksvolle Zeitdokumente sind Klemms Fotos von der Nelkenrevolution 1974 in Portugal, Papst Johannes Paul II. bei seiner ersten Reise in seine Heimat Polen, Michail Gorbatschow 1989 bei der Parade zum 40. Jahrestag der DDR in Ost-Berlin, vom Fall der Mauer und der deutsche Vereinigung.

Auf Reisen sammelte Klemm ihre fotografischen Eindrücke von Land und Leuten in Osteuropa und Russland, im Südafrika der Apartheid, in Chile unter Pinochet, in Cuba ebenso wie in Indien und China, Irland, Usbekistan, den USA und vielen anderen Ländern. Abseits vom aktuellen Geschehen entstanden, sehen wir Fotos aus berühmten Kunstmuseen der Welt und viele Porträts weltberühmter Künstler, Musiker und Schriftsteller, aber auch von "kleinen Leuten". Hier erzählen oft Gruppenporträts von deren Leben.

Dass Klemm ihre Fotos konsequent in Schwarzweiß gehalten hat, schlicht betitelt mit Ort oder Name und Datum, unterstreicht deren zeitlosen Wert, ebenso der Verzicht auf Sensation. Klemm erweist sich vielmehr als Meisterin des >>entscheidenden Momentes". Daraus entstehen bei Klemm keine zufälligen Schnappschüsse, sondern durchdachte, komponierte Fotos. Faksimiles von FAZ-Seiten im Buch zeigen immer wieder einzelne Fotos in ihrem seinerzeitigen Veröffentlichungszusammenhang.

Fotopraxis: Bildideen zum Thema "Strukturen"

Der Schwarzweiß-Fotoband >>Barbara Klemm - Fotografien 1968-2013<< ergänzt um einen kenntnisreichen Text von Hans-Michael Koetzle und wortreiche wie weitschweifige "Gedanken" von Durs Grünbein erscheint vorab zur großen Klemm-Retrospektive. Sie läuft vom 16. November 2013 bis 9. März 2014 im Martin-Gropius-Bau, Berlin, und bietet einen faszinierenden Querschnitt durch Barbara Klemms Werk. Verdienst des Buches ist es, dieses auch einem breiteren Publikum nicht nur für den Ausstellungszeitraum, sondern dauerhaft und mit der Möglichkeit zum gründlichen und wiederholten Betrachten zu erschließen.

Originaltitel: Barbara Klemm - Fotografien 1968-2013 Erschienen bei Nimbus 320 Seiten ISBN 978-3-907142-93-6 Preis: 48 Euro

Zur Fotografin

Barbara Klemm (* 1939, Münster, Westfalen) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Aufgewachsen in Karlsruhe, machte sie dort auch von 1955-58 eine Ausbildung in einem Karlsruher Porträtatelier. Ab 1959 arbeitete Barbara Klemm für die FAZ, zunächst im Fotolabor und in der Klischeeherstellung, ab 1970 als Redaktionsfotografin mit Schwerpunkt Feuilleton und Politik.

Neben zahlreichen Ausstellungen, wie im Deutschen Historischen Museum, Berlin (1999) und im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt (2009) erhielt sie u.a. 2010 den Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt.

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