Tablet

Angetestet: Cat Nova Tablet von Weltbild und Hugendubel

Seit dem 27.10. gibt es bei Weltbild und Hugendubel die "Antwort an die amerikanischen Herausforderer": Das Weltbild-Tablet zum vergleichswese günstigen Preis von 159,99 Euro. Wir haben das Tablet ausprobiert, erste Benchmarks durchgeführt und geben eine Einschätzung, ob das Tablet tatsächlich mit Amazons Kindle Fire und weiteren Kontrahenten wie dem Galaxy Tab 10.1 konkurrieren kann.

image.jpg

© Archiv

Amazons Ankündigung, den Tablet-Markt mit dem Kindle Fire aufzumischen, hat für hohe Wellen gesorgt: Ein 7-Zoll-Multitouch-Tablet mit 1024x600 Pixeln Auflösung soll es werden, für entsprechende Leistung soll eine 800-MHz-Dual-Core-CPU sorgen - das alles für unter 200 Euro. Leider wird das Tablet zunächst aufgrund des geringeren E-Book-Angebots nicht in Deutschland verfügbar sein - ein Vorteil für die Kooperationspartner Weltbild und Hugendubel, die letzte Woche die Verfügbarkeit ihres ersten Tablets ankündigten. Und tatsächlich: Das Tablet der deutschen Buchhändler liegt bereits in zahlreichen Filialen in Stapeln zum Kauf aus, und wer sich dafür interessiert, kann es vor dem Kauf meist direkt vor Ort ausprobieren.

Das Gerät von Weltbild und Hugendubel stammt vom Hersteller Eins SE und ist auch unter dem Namen Cat Nova bekannt. Es verfügt über ein 5-Finger-Multitouch-fähiges resistives 8-Zoll-Display (Kindle Fire: kapazitiv 7-Zoll), die Auflösung beträgt jedoch nur 800x600 Bildpunkte, beim Kindle Fire sollen es 1024x600 Pixel werden. Prozessor ist ein Single-Core Cortex A8 mit 1,2 GHz , in den Systemeinstellungen sowie dem Antutu-Benchmark ist jedoch nur von 1 GHz die Rede (Amazon Fire: Dual-Core mit 800 MHz, Samsung Galaxy Tab 10.1: Nvidia Tegra 2 Dual-Core mit 1 GHz). Als Betriebssystem kommt das nicht gerade Tablet-optimierte Android 2.3 zum Einsatz, beim Amazon-Tablet soll ein ebenfalls auf Android 2.x-basierendes, jedoch angepasstes Betriebssystem zum Einsatz kommen. Das Galaxy Tab 10.1 nutzt Android 3.1. Während das Weltbild-Tablet Zugriff auf den Google-Android-Market erlaubt, wird es bei Amazons Fire nur einen angepassten App-Store geben, der Zugang zum Google-Android-Market wird gesperrt sein. Beim Galaxy Tab gibt es natürlich umfassenden App-Store-Zugriff.

Das Cat Nova verfügt insgesamt über 4 GByte internen Speicherplatz, rund 1,5 GByte sollen allerdings schon belegt sein. Allerdings lässt sich der Speicher über microSD-Karten erweitern. Im Tablet sind zwei Kameras verbaut (vorne mit 1,3 Megapixel, hinten mit 2,0 Megapixel), die für Filme, Foto und Videotelefonie genutzt werden können. Für die Verbindung nach außen sorgt die WLAN-802.11-b/g-Unterstützung mit theoretisch bis zu 54 MBit/s. Per Mini-HDMI lässt sich das Gerät auch an den Fernseher anschließen, das Laden des Tablets erfolgt über eine Mini-USB-Buchse, wobei die notwendigen 2,5 Ampere nur mit dem mitgelieferten Netzteil erreicht werden, nicht durch den Anschluss an einen "normalen" USB-Port. Umso bedauerlicher, weil erste Käufer bereits von schwacher Akkuleistung berichten - Weltbild selbst gibt 8 Stunden an. Ein GPS-Modul ist z.B. für Navigationsprogramme eingebaut, ein G-Sensor sorgt für automatisches Umstellen von Hoch- und Querformat. Ton wird wahlweise über eingebaute Lautsprecher oder den Kopfhöreranschluss ausgegeben.

Beim ersten Ausprobieren des Austellungsstücks zeigten sich schnell Licht und Schatten: Der Touchscreen reagierte recht flott, zum Starten von Apps genügten leichte Berührungen des Displays, auch auf Wischbewegungen reagierte das Gerät ohne große Verzögerungen. Im Gegensatz dazu standen die vier Navigationstasten unten (Home, Menü, zurück, Suche): Hier musste man fester drücken, damit sich am Gerät etwas tat. Auch der Lagesensor reagierte in unserem Test etwas zu empfindlich, sodass wir die Funktion zum automatischen Drehen gleich deaktivierten, sobald der Bildschirm richtig gedreht war.

Solange keine Anwendungen im Hintergrund arbeiteten, konnte man das Tablet gut bedienen, ansonsten waren deutliche Verzögerungen zu spüren. Auch im Browser merkt man leider den Unterschied zur Oberklasse: Beim Laden größerer Nachrichten-Websites ist zunächst kein Scrollen möglich, erst wenn alles fertig geladen ist, ist das Scrollen flott, wenn auch nicht ganz ruckelfrei.

Diesen ersten Eindruck spiegeln auch die Benchmark-Ergebnisse wieder, die wir mit den kostenlosen Apps Antutu 2.4 und Vellamo ermittelt haben. Der Antutu-Benchmark misst die Prozessor-, 2D- und 3D-Leistung, auch die Geschwindigkeit der SD-Karte geht zu einem kleinen Teil in die Gesamtwertung mit ein, wobei wir keine Details zu der im Vorführgerät gesteckten SD-Karte kennen. Die Gesamtpunktzahl bei einmaligem Durchlaufen: 1955 Punkte. Damit liegt das Gerät von der Leistung her eindeutig über Android-Smartphones wie dem HTC Hero oder Galaxy 3, die ca. 1000 Punkte erreichen, und knapp unter Moto Defy sowie Nexus One, die fast 2500 Punkte erreichen. Im Vergleich zu letztgenannten Geräten kann das Weltbild-Tablet in allen Disziplinen gut mithalten - bis auf die Disziplin "3D-Grafik", wo es deutlich sichtbaren Punktabzug gab. Ein Galaxy S2 kommt übrigens auf 4500 Punkte, ein Galaxy Tab 10.1 auf etwas über 3700 Punkte.

Der Vellamo-Benchmark für Kompatibilitätstests in den Bereichen HTML5, Animation, und JavaScript durch, misst u.a. jedoch auch die Scrollgeschwindigkeiten von Seiten mit viel Text oder vielen Grafiken. Hier erreicht das Cat Nova einen Wert von 442 Punkten und bewegt sich im Bereich des ähnlich teuren Huawei Ideos S7 (Antutu: ca. 2700 Punkte). Ein Galaxy Tab 7 liegt knapp über dem Weltbild-Tablet, das Galaxy S2 und das Galaxy Tab 10.1 kommen auf knapp über 900 Punkte.

Erstes Fazit

Der Ersteindruck ist durchwachsen. Wer "nur" etwas surfen und E-Books lesen will, ist mit dem Gerät gut bedient. Angry Birds funktioniert, umfangreiche neuere Spiele mit 3D-Grafik dürfte das Gerät jedoch an seine Grenzen bringen. Auch HD-Videos wollen, so erste Berichte, nicht flüssig laufen. Aber auch Anwender mit weniger Ansprüchen könnten sich ärgern: Bestätigt sich die niedrige Akkuleistung, wird der benötigte Ladestrom zum Ärgernis - auch Standard-Kfz-Lade-Adapter liefern "nur" 1A und nicht die benötigten 2,5A, was den Einsatz als Deluxe-Navi im Auto fraglich erscheinen lässt.

Tablet-Kundige wundern sich über Android 2.3 - ob sich die beworbene Updatefähigkeit auch auf den größeren Sprung auf 3.0 oder sogar 4.0 bezieht, ist fraglich, nachdem der Hersteller schon beim Vorgängermodell keine Updates nachlieferte. Natürlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass hier bei entsprechender Verbreitung die Community nachhilft.

Momentan lässt sich sagen: Man bekommt das, was man bezahlt. Amazon zahlt zunächst bei jedem verkauften Kindle Fire drauf, und mit Dual-Core-Prozessor und hochwertigerem Display muss davon ausgehen, dass es in der höreren Leistungsliga spielt, der auch das Galaxy Tab 10.1 und natürlich Apples iPad angehören. Dafür sieht es so aus, als sei das Kindle Fire durch das angepasste Android in ein strenges Korsett gepackt, das in erster Linie dem Buch- und App-Verkauf über den Amazon-Store dient.Das Weltbild-Tablet alias Cat Nova profitiert von der Amazon-Fire-Verzögerung, dem Bekanntheitsgrad von Weltbild und Hugendubel und dem etwas unüberschaubaren Markt an No-Name-Tablets im selben Preissegment. So kann es preislich ein Kindle-Fire-Konkurrent werden, leistungsmäßig aber wohl eher weniger.

Bildergalerie

Das Weltbild-/Hugendubel-Tablet im Katalog (auch bekannt als Eins SE Cat Nova)
Galerie
Erster Blick auf die Amazon-Konkurrenz

Seit dem 27.10. gibt es bei Weltbild und Hugendubel die "Antwort an die amerikanischen Herausforderer": Das Weltbild-Tablet zum vergleichswese…

Bildergalerie

Mehr zum Thema

Medion Lifetab S7852
Aldi Tablet Oktober 2014

Aldi verkauft das Medion Lifetab S7852 (MD 98625) ab dem 30. Oktober für 129 Euro. Was denken Tester über das 7,85-Zoll-Tablet mit Android 4.4…
Medion Akoya P2214T (MD 99430)
Aldi-Notebook ab 26.02.2015

Das Aldi-Convertible Medion Akoya P2214T (MD 99480) wartet ab dem 26. Februar für 349 Euro. Lesen Sie hier unsere Tester-Meinung zum…
Aldi-Convertible
Aldi Notebook

Aldi bietet den Notebook-Tablet-Hybriden Medion Akoya S6214T (MD 99440) ab dem 18. Dezember für 499 Euro. Lesen Sie unsere Test-Meinung.
Amazon Kindle Fire HDX
Amazon Cyber Monday

Zum Cyber Monday gibt Amazon auf das Kindle Fire HDX 130 Euro Rabatt. Die Variante mit 16 GB und WLAN gibt es so für verlockende 99 statt 229 Euro.
HP Stream 7: Produktbild
Windows 8 Tablet für 79 Euro

Microsoft bietet das HP Stream 7 Tablet für 79 statt 99 Euro an. Für den Rabatt auf das Windows 8 Tablet brauchen Sie nur den passenden…