3D-Printer und ihre Fähigkeiten

Erste gedruckte Waffe aus Metall - das kann nicht jeder

Das US-Unternehmen Solid Concepts hat die erste Waffe aus Metall gedruckt. Der Druckprozess lässt sich aber glücklicherweise nicht so leicht zuhause nachahmen.

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© Archiv/IntMag

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Zum ersten Mal hat ein Unternehmen eine 3D-Schusswaffe aus Metall gedruckt. Ein Massenphänomen wird dies jedoch wohl nicht.

Der 3D-Druck regt zum Träumen an. Zum Träumen von einer Welt, in der jedermann sich Haushaltsprodukte, Kleidung oder gar Autos selbst ausdrucken und zusammenbasteln kann. Aber besser ist diese Welt nicht unbedingt. Das zeigt das Beispiel der 3D-gedruckten Schusswaffe. Sie ist einfach zu bauen und - vor allem - jedem zugänglich, ob nun mit oder ohne Waffenlizenz.

Das US-amerikanische Unternehmen Solid Concepts hat nun erstmals eine solche Waffe aus Metall gedruckt - bisher gab es nur wenige widerstandsfähige Modelle aus Plastik. Sollte uns das schlaflose Nächte bereiten? Nein, meint zumindest der Hersteller selbst.

Bis auf die Federn kommen alle Einzelteile aus dem Drucker und bestehen aus rostfreiem Stahl, einer Nickelbasislegierung oder Kohlenstofffaser. Die Waffe des Modells 1911 funktioniert nach Angaben des Unternehmens hervorragend: Auch nach 50 abgefeuerten Schüssen war sie noch voll funktionsfähig, und der hauseigene Waffenexperte hat mit ihr sogar mehrere Male aus knapp 30 Metern ins Schwarze einer Schießscheibe getroffen.

Ganz so einfach, wie es sich zunächst anhört, lässt sich die Waffe aber nicht herstellen. Der Industriedrucker, den Solid Concepts benutzt hat, kostet mehr als die Gebühren der Privat-Universität, an der die Pressesprecherin des Unternehmens studiert hat, wie sie auf dem firmeneigenen Blog schreibt. Das Unternehmen Morris Technologies beziffert die Kosten eines solchen sogenannten DMLS-Druckers, was für Direct Metal Laser Sintering steht, auf etwa 850.000 US-Dollar (630.000 Euro). Diese Technologie lasert die gedruckten Einzelteile nahtlos zusammen, was die Anzahl der möglichen Bruchstellen reduziert. Überwacht haben den Prozess hochqualifizierte Ingenieure, die sich "besser mit dem 3-D-Druck auskennen als irgendjemand anderes in dieser Sparte", wie das Unternehmen schreibt.

Ein solch komplexer und kostspieliger Produktionsprozess lässt sich also nicht problemlos nachahmen. Zudem ist Solid Concepts nach eigenen Angaben das einzige US-amerikanische 3D-Druckunternehmen mit einer offiziellen Waffenlizenz. Überhaupt ginge es dem Hersteller gar nicht darum zu zeigen, wie man Waffen günstiger und leichter fabrizieren könne. "Wir wollten nur klarmachen, dass es falsch ist zu denken, mit einem DMLS-Drucker hergestellte Einzelteile seien nicht widerstandsfähig genug für hochwertige Produkte", erklärt Projektmanager Philipp Conner in einem Firmenvideo. Solid Concepts sagt, es könne die nötigen Bestandteile seiner Pistole innerhalb von fünf Tagen drucken.

Die Metall-Waffe sollte dabei widerstandsfähiger sein als der Vorgänger aus Plastik, der vom Open-Source-Unternehmen Defense Distributed entwickelte sogenannte "Liberator" (Befreier). Die 3D-Druckvorlage dieser Pistole hatte die Firma online zur Verfügung gestellt und damit für Furore gesorgt. "Jetzt kann jeder - Terroristen, Geisteskranke, solche, die ihre Lebenspartner missbrauchen, und Schwerverbrecher - in seiner Garage eine Waffenfabrik aufmachen. Wir müssen dem Einhalt gebieten!", warnte zum Beispiel Charles Schumer, US-Senator für den Staat New York.

Bei Tests der Plastikwaffe stellte sich jedoch heraus, dass sie nur einzelne Schüsse abfeuern kann. Lädt man sie mit einer Schnellschuss-Gewehrpatrone, explodiert sie in ihre Einzelteile. Das Online-Magazin The Atlantic Wire trifft zudem ein vernichtendes Urteil über die Zielgenauigkeit und Ladegeschwindigkeit des Liberators: "Sie ist weniger leistungsfähig als ein Steinschlossgewehr aus den Zeiten des Revolutionskrieges - und zwar in jeglicher Hinsicht, bis auf die Leichtigkeit, mit der man sie verstecken kann."

Dass die Waffe schwer aufzuspüren ist, hat unter anderem ein Test der britischen Boulevardzeitung Daily Mail gezeigt. Die Redaktion druckte selbst eine Plastikpistole aus und schmuggelte sie in ihren Einzelteilen durch die Sicherheitsscanner des Schnellzugs Eurostar.

Ungefährlich ist der Liberator dabei allerdings in keinem Fall. Mit ihm kann man andere Menschen töten und auch der Schütze selbst setzt sich einer Gefahr aus, da oft Teile der Waffe beim Schießen explodieren, wie ein Video der australischen Polizei veranschaulicht.

Für jeden wird jedoch auch die Plastikwaffe nicht erschwinglich sein. Schließlich kostet der für die Herstellung notwendige Drucker mindestens 700 Euro.

World's First 3D Printed Metal Gun

Quelle: Solid Concepts
2:16 min

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