Nur 0,05 statt 30 Prozent

Facebook-Umfrage zum Erhalt des Mitbestimmungsrechts scheitert wohl

300 Millionen Facebook-Stimmen hätten es sein müssen: Die wohl letzte Abstimmung zum Mitbestimmungsrecht kommt kurz vor dem Fristende auf eine Beteiligung von nur knapp über 500.000 Personen. Das entspricht 0,05 Prozent der gesamten Community.

Facebook wird Änderungen an den Nutzervereinbarungen künftig wohl einfach durchsetzen: ohne die User zu fragen.

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Facebook wird Änderungen an den Nutzervereinbarungen künftig wohl einfach durchsetzen: ohne die User zu fragen.

Facebook ließ eine Woche über Abschaffung oder Erhaltung des demokratischen Mitbestimmungsrechts bei Änderungen der Nutzerbedingungen abstimmen. Nun steht die Umfrage kurz vor ihrem Ende. Heute Abend (10. Dezember 2012) um 21:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft sie aus. Bereits jetzt lässt sich wohl sagen, dass die Abstimmung aus Sicht der Nutzer scheitern wird. Anstatt mindestens den geforderten 30 Prozent der gesamten Community, das sind 300 Millionen Nutzer, haben nur 0,05 Prozent teilgenommen. Das entspricht 500.000 Stimmen. Gemeint ist hierbei wohlgemerkt die reine Beteiligung, nicht der Zuspruch, Änderungen bei den Nutzervereinbarungen künftig weiterhin von den Nutzern abstimmen zu lassen.

Auf Grund der zuletzt immer vergleichbaren, sehr geringen Anzahl von Stimmen bei entsprechenden Umfragen zweifelte Facebook an der Notwendigkeit der Prozedur. Bei dieser mussten zuerst rund 7.000 kritische Kommentare auf einer eigens eingerichteten Webseite eingehen, bevor es zu einer finalen Umfrage kam. Während die kritischen Stimmen stets schnell erreicht waren, mangelte es stets an Teilnehmern für die anschließende Abstimmung. Nutzer und Datenschützer kritisieren, dass die Hürde von 30 Prozent beziehungsweise aktuell 300 Millionen entsprechenden Stimmen zu hoch sei. Beteiligungsraten wie zuletzt im 0,4- oder aktuell 0,5-Bereich belegen dies eindrucksvoll.

Zudem ist das Verfahren für den durchschnittlichen Facebook-Nutzer nicht besonders transparent. Änderungsvorschläge werden auf der Webseite Facebook Governance kommuniziert. Abstimmungen werden in Folge über eine App ermöglicht. Die genannte Webseite kommt aktuell gerade einmal auf 2,6 Millionen "Likes". Das heißt, dass höchstens diese Anzahl von Personen auf entsprechende Vorstöße seitens der Betreiber aufmerksam werden. Zwar hat es zuletzt eine E-Mail von Facebook über die jüngste Abstimmung gegeben, doch das sei laut Kritikern nicht genug.

Schließlich sendet Facebook sehr häufig E-Mails: etwa bei neuen Beiträgen an der eigenen Pinnwand, Antworten auf eigene Kommentare, Geburtstagen von Freunden, neuen Kontaktanfragen und mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine derart wichtige E-Mail bei den meisten Facebook-Nutzern untergeht, sei sehr hoch. Ändert sich bis 21:00 Uhr am 10. Dezember 2012 nichts am aktuellen Ergebnis, wird Facebook Änderungen an den Nutzervereinbarungen künftig über die Köpfe der Nutzer hinweg umsetzen. Tipp: Wer künftig via Facebook über Online-, IT-, Sicherheits-Themen und mehr informiert werden möchte, hinterlässt unserer Facebook-Seite vom PC Magazin ein "Gefällt mir".

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