Netzwerk-Ratgeber

LAN im Unternehmen einrichten: Darauf müssen Sie achten

Das eigene LAN ist das Nervensystem jedes Unternehmens. Jetzt die richtige Hardware zu kaufen kann vermeiden, in zwei Jahren von vorne beginnen zu müssen – das spart langfristig Geld.

Computernetzwerk

© shutterstock/hywards

Ein Netzwerk für ein Unternehmen zu planen, ist keine leichte Aufgabe.

Gigabit kann jeder - nicht umsonst bewirbt der Fritzbox-Hersteller AVM seine Router für Heimnetze schon seit einem Jahr mit diesem Schlagwort. Für ein Unternehmensnetz ist die Geschwindigkeit, welche die Ethernet-Kabel vertragen, aber nur einer von vielen Faktoren. Die richtigen Kabel laufen heute für kleines Geld mit einem Gigabit pro Sekunde und später auch mit 10 GBit/s - wenn die Planung und Installation vorher gründlich überlegt wurden.

Die Wiederverwendung ist bei einem LAN und dessen Aufrüstung das ökonomische Zauberwort. Selbst das heute als Datei- und Mail-Server angeschaffte NAS-Gerät kann, wenn das Unternehmen wächst, später zum Beispiel noch als Backup-Server dienen.

Das setzt jedoch vor dem Anschließen der ersten Geräte eine langfristige Strategie voraus. Einfach nur die vorhandenen Strippen aus den Kabelkanälen des frisch gemieteten Büros zu verwenden mag auf den ersten Blick günstig sein und sogar funktionieren, es kann aber später zu Problemen führen. An erster Stelle sollte mit dem Vermieter, dem Vorbesitzer oder dem Bauherren eine Bestandsaufnahme stehen. Auch der für die Erstverkabelung zuständige Elektriker kann der richtige Ansprechpartner sein.

AVM FRITZ Box 7490

© AVM FritzBox

Die Fritzbox 7490 eignet sich mit einem LTE-Stick auch für Unternehmen.

Eine wichtige Grundregel lautet: Am Kabel hängt alles

Der heutige Mindeststandard sind Kabel der Kategorie - daher auch der Name - Cat5e. Damit lässt sich Gigabit-Ethernet mit 100 Metern Länge verbinden - aber nur 50 Meter mit 10 Gigabit/s, und das auch nur, falls wirklich gute Cat5e-Kabel verwendet wurden. Auch wenn solche Switches noch deutlich teurer sind als Gigabit-Verteiler, sollte man 10-Gigabit-Ethernet vor allem für Backbones und die Verbindung von Servern und NAS untereinander für die Zukunft einplanen. Wer ohnehin neue Strippen ziehen muss, sollte gleich auf Cat7 setzen, denn damit ist auch 10GBe mit 100 Metern Länge kein Problem. Für VoIP-Telefone, WLAN-Access-Points und andere Geräte empfiehlt sich ein getrennter Kabelstrang, der dann auch mit Cat5e versehen sein darf, samt Power-over-Ethernet-Einspeisung.

Solche Subnetze auch physisch zu trennen ist nicht nur für Verwaltung, sondern auch für Fehlersuche und als Ausweichverkabelung sinnvoll. Wer weit im Voraus plant, verlegt zumindest für die Backbones auch gleich Glasfaserkabel. Nach den Kabeln kommen die Switche. In einem kleinen Unternehmen, das nur auf einem Stockwerk residiert, sind günstige und in jedem Raum angebrachte Gigabit-Switches, wie man sie aus dem Heimnetz kennt, noch tragbar. Besser, und nicht sehr viel teurer, sind sogenannte Managed Switches. Sie lassen sich aus der Ferne verwalten, weisen auf Ausfälle und Überlastungen hin und können physisch getrennte Subnetze einrichten. Auch die Bündelung von zwei Gigabit-Ports ist - beispielsweise für ein erstes Backbone - nur zwischen zwei Managed Switches möglich.

Synology DS 1815 +

© Synology

Das DS1815+ von Synology mit 8 Bays hat Platz für Erweiterungen und Spares.

Auch ein Heimrouter kann als günstiger Access Point eingesetzt werden

Gute Managed Switches sind stapelbar, was bedeutet, dass sich die Zahl der Ports ohne vollkommene Neuverkabelung erhöhen lässt. Bei den Access Points für das WLAN sind professionelle Geräte zwar auch die bessere Wahl, aber im Vergleich zu Home-Routern überproportional teuer. Die Heimgeräte lassen sich oft aber auch im Bridge-Modus betreiben, sodass sie nur noch als Access Point fungieren. Größter Nachteil: Per Ethernet mit Strom lässt sich kaum ein Heimrouter versorgen, und das Abschalten von potenziellen Sicherheitslücken wie UPnP und WPS muss bedacht werden.

Wer viel mit großen Datenbanken arbeitet und unternehmensspezifische Client-Server-Anwendungen in virtuellen Maschinen nutzt, kommt um einen großen Windows-Server kaum herum. Einen ausgedienten PC mit Festplatten und RAM vollzustopfen ist keine Alternative zu einem fertig konfigurierten Server, denn solche Bastellösungen sind nicht vollständig fernwartbar und fehleranfällig. Zudem haben Windows-Server den für das Unternehmen unschätzbaren Vorteil der langen Ersatzteilversorgung und des langen Supports - je nach Vertrag auch mit Vor-Ort-Reparaturen. Die Administration ist mit Windows Server 2012 R2 auch für mehrere Intranet-Seiten, virtuelle Maschinen und Backup-Aufgaben recht einfach, weil sie der bekannten Windows-Usability folgt.

Die Frage lautet nicht: Server oder NAS? Setzen Sie beides ein

Dennoch sind auch fertige Windows-Server auf Hardwareseite PCs, also gelten auch die üblichen Konfigurationsempfehlungen: Eine SSD für das Betriebssystem und die am häufigsten genutzten Daten sollte es sein, beim Hauptspeicher hilft hier viel auch viel. Auf Erweiterbarkeit sollte man in jedem Fall achten, ergo sind wenige große DIMMs für die Erstausstattung besser als viele kleine. Die Festplatten müssen nicht Enterprise-tauglich sein, wenn sie nicht im 24-Stunden-Betrieb mit dauernden Zugriffen laufen. Hier sind die NAS-Modelle von Seagate oder Western Digital in der Regel ausreichend.

 Der ideale Partner für den Windows-Server ist eine Netzwerkfestplatte (NAS), allein schon als Backup-Ziel für den Server. Die kleinen und relativ günstigen Boxen können inzwischen aber viel mehr: Nur für Datei-Sharing mitsamt Nutzerkontingenten und Medien- sowie Mail-Server reicht eine NAS heute leicht aus. Auch Groupware-Intranet- und Mail-Lösungen gibt es, all das lässt sich über Oberflächen im Browser leicht auf der NAS einrichten. Schwachpunkt ist aber die vergleichsweise geringe Rechenleistung. Spätestens beim Einsatz von mehreren virtuellen Maschinen ist eine NAS überfordert. Zudem ist eine der Speicherkisten schon für kleine Firmen schnell zu wenig, denn eine NAS ersetzt kein Backup. Die Geräte beherrschen praktischerweise inzwischen durch die Bank das automatische Sichern auf eine zweite NAS oder einen anderen Server sowie den Umgang mit Cloud-Backups.

Bei allen Geräten - und noch mehr bei Festplatten - sollte man bei der Budgetplanung gleich Ersatzteile bedenken. Einen zweiten Windows-Server muss man nicht vorrätig halten, aber ein zusätzlicher Switch und einige lange Kabel im Schrank haben schon so manchem Administrator den Tag gerettet. Ebenso ist ein Chef gut beraten, an die Zukunft zu denken: Schulungen für die eingesetzte Hard- und Software sind eine gute Investition - nur leider eine, die oft genug übersehen wird.

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