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Tod den IT-Schnecken

In einer vernetzten Wirtschaft gefährden sich einigelnde IT-Abteilungen den Erfolg von Unternehmen. Erst recht, wenn das Internet of Things ins Spiel kommt. Deshalb müssen IT-Abteilungen sich radikal ändern, meint Thomas Knüwer.

IT-Abteilung

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Thomas Knüwer war der Editor at Large des Internet Magazin und ist Gründer der digitalen Strategieberatung kpunktnull. Er bloggt über Marketing und Medien bei Indiskretion Ehrensache und über Essen, Reisen und Wein bei Gotorio. Außerdem gehört er zum Team der Online-Talkshow "Das Digitale Quartett". Auf Twitter ist er als @tknuewer erreichbar. >>Liebe Kollegen aus der IT, am morgigen Mittwoch, dem 27.11.2013, findet eine Fu?hrung fu?r die Gescha?ftsleitung durch unsere Abteilung statt. Bitte stellt sicher, dass dieses Mal !!!ALLE!!! Mitarbeiter Hosen anhaben. Vielen Dank.<< 

Angebliche interne Mitteilung eines nicht genannten Unternehmens. Quelle: Webfail Vor ungefa?hr zehn Jahren kam es zu einer bedeutenden Machtverschiebung innerhalb großer Unternehmen, die noch heute negative Auswirkungen hat: IT-Abteilungen verloren ihren Status und zogen sich in ihre Schneckenha?user zuru?ck.

Moment? Waren sie da nicht immer?

Nein.

Fu?r eine kurze Zeit waren die IT'ler Stars, die ein Stu?ck weit den Takt von Unternehmen bestimmten. Das begann 1995, als der Bo?rsengang von Netscape die neue Zeitrechnung des Internets einla?utete. Nun wollten alle Unternehmen in dieses neue World Wide Web. Auch die Position des Chief Information Officers verbreitete sich u?ber den Atlantik gen Europa. Tatsa?chlich war es neu, IT-Experten auf Vorstandsebene zu hieven. Erst 1986 hatte die >>Business Week<< getitelt: >>Management's Newest Star: Meet the Chief Information Officer<<.

Es folgte der Rausch der New Economy, in dem Investitionen in Computer, Server und Datenleitungen nicht nur Notwendigkeit waren, sondern Statussymbol. In Anfa?llen von Gro?ßenwahn wurden aus IT-Abteilungen eigene Unternehmen mit Bo?rsenpla?nen. Gleichzeitig aber a?nderte sich ihr Status: Digitale Technologie wurde zum ersten Mal nicht allein als Kostenfaktor begriffen - sondern als gewichtiger Teil der Unternehmensstrategie und als Chance, neue Einnahmen zu generieren.

Das a?nderte sich flott, als 9/11 und das Platzen der Dotcom-Blase die Wirtschaft in die Krise zwangen. Den IT'lern wurde eine Mitschuld gegeben: Hatten nicht Typen mit Computern der Welt erza?hlt, nun werde alles anders? Waren es nicht ihre Abteilungen, die heftig gewachsen waren? So schnell wie der Auf- stieg der Informationstechnologie innerhalb von Unternehmensstrukturen verlaufen war, so schnell ging es nun in die entgegengesetzte Richtung. IT-Abteilungen wurden zuru?ckgeworfen auf die Rolle eines Cost Centers. Ein Jahrzehnt ist das jetzt her.

Die Reaktion der betroffenen Verantwortlichen und ihrer Mitarbeiter war so versta?ndlich wie fatal: Sie versuchten so gut wie mo?glich ihre verbliebenen Pfru?nde zu sichern. Da ihre Erfolgsbeurteilung sich allein an Kostengesichtspunkten orientierte, wurden sie zu Sparmeistern und Blockierern von Investitionen. Das erkla?rt zu einem erheblichen Teil, warum selbst ansonsten serio?s arbeitende Großunternehmen ihre Mitarbeiter mit uralten Rechnern, lahmen Browsern und u?berkommenden Betriebssystemen maltra?tierten. Dass eine bessere, modernere und schnellere Soft- und Hardwareausstattung die Arbeit beschleunigen und effizienter machen ko?nnte, schien fu?r Nicht-IT'ler nicht vorstellbar - und war den IT-Abteilungen egal.

>>Kommunikationsprobleme zwischen IT-Profis und ihren Kollegen aus den Fachbereichen bestimmen nach wie vor das Stimmungsbild in den Unternehmen<<, erkla?rte der Mu?nchner Wirtschaftspsychologe Dieter Frey 2007 in der >>Computerwoche<<. Er konstatierte Misstrauen, Dickko?pfigkeit und sich gegenseitiges Belauern auf beiden Seiten.Daran hat sich seitdem wenig gea?ndert. Mehr noch: Die Technikspezialisten sind zu Karikaturen mutiert, gelten als die, die vom Kauf eines neuen Laptops u?ber die Anschaffung des iPhone bis zur Nutzung innovativer Dienste wie Dropbox oder Evernote alles verhindern - und dabei Defizite bei einfachsten, zwischenmenschlichen Gepflogenheiten aufweisen. Jener oben zitierte Zettel ist mutmaßlich eine Fa?lschung - doch geteilt wurde er ju?ngst auf Facebook und Twitter nur deshalb so rege, weil er echt sein ko?nnte. Die Redaktion des Magazins >>Business Punk<< kommentierte gar o?ffentlich auf Facebook: >>Dasselbe Problem haben wir auch bei uns im Office.<< Die IT des Mutterhauses Gruner + Jahr dürfte erfreut gewesen sein.

Diese Frontenbildung war wa?hrend all dieser Jahre bereits gescha?ftsscha?digend. Nun aber dringen webbasierte Dienste immer weiter vor und sorgen fu?r erhebliche Effizienzgewinne bei jenen Unternehmen, die sie anwenden. So ersetzen Plattformen wie Dropbox oder Wetransfer die umsta?ndlichen FTP-Server zur Datenu?bertragung, Google Drive verbreitet sich als Instrument zur Kollaboration, Skype und Google Hangouts werden zum Telefon- Surrogat. Die IT-Abteilungen in den allermeisten Unternehmen reagieren mit Mauertaktik: >>Wollen wir nicht<<, >>Gefa?hrdet die Sicherheit<<, >>Fu?hrt zu Infrastrukturwildwuchs<< sind typische Reaktionen auf Mitarbeiter, die um die Freischaltung entsprechender Dienste bitten.

Das ist nicht immer falsch. Nur versa?umen es die Technikverantwortlichen in ihrer reinen Kostenorientierung, Alternativen zu  bieten. Und die Einfu?hrung jedes neuen Dienstes oder Programms verursacht nun einmal Kosten, vom Lizenzankauf u?ber die Schulung bis zur Anpassung vorhandener Technik. Denn die Wu?nsche der Kollegen nach schnellerer und einfacherer Technik haben ja einen Hintergrund: Sie wissen aus dem privaten Umfeld, dass sie dank neuer Mo?glichkeiten effizienter arbeiten ko?nnten.

Das Ergebnis ist eine Kultur der >>Hilfe zur Selbsthilfe<<. Schnell sprach sich herum, dass die IT zwar aus angeblichen Sicherheitsgru?nden keine Instant Messenger zulassen will - aber der Facebook-Chat viele Firewalls unterla?uft. Und mit einem Mal chattet der Vertriebler mit seinem asiatischen Kunden im Social Network. Gefeierter Bu?roheld wird, wer es heimlich schafft, einen WLAN-Router an das Firmennetz zu koppeln und somit Kollegen mit schnellem, drahtlosen Internet auf ihren Handys versorgt.

So kann es nicht weitergehen, die Technikabteilung muss raus aus ihrem Schneckenhaus. Erst recht in der A?ra des Internet of Things. Wenn Unternehmen aller Branchen immer mehr Connected Objects anbieten - von vernetzten Laufschuhen bei Nike bis zu Car-Sharing-Systemen bei Mercedes und BMW - steht die Integration neuer Digitaltechnologien vor komplett neuen Herausforderungen.

Dieser Wandel aber wird nicht einfach so einsetzen. Im Topmanagement mu?ssen die Weichen entsprechend gestellt werden: So muss es vorbei sein mit der Betrachtung der IT-Abteilung als reinem Cost Center, gleichzeitig mu?ssen die Technikspezialisten in alle strategisch wichtigen Projekte fru?hzeitig und ernsthaft einbezogen werden. Dieser interne Imagewandel ist mehr als nur eine Nettigkeit zur Wahrung des Firmenfriedens. In einem digitalen Zeitalter ist die IT mehr als ein simples Arbeitsinstrument: Sie ist eine strategische Ressource. Und diejenigen, die sie am kundigsten verwalten, mu?ssen ins Zentrum der Unternehmensaktivita?t, nicht an den Rand.

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