Terminplaner und Organizer

Radicale als Dienst und im Fazit

  1. Adressen und Termine organisieren mit Radicale
  2. Radicale als Dienst und im Fazit

Radicale als Dienst

Bevor Sie Radicale als Dienst installieren, sollten Sie sicherstellen, dass der Rechner, auf dem Radicale läuft, immer unter der­selben IP-Adresse im Heimnetz auffindbar ist. Typischerweise erledigen Sie das in den DHCP-Server-Einstellungen des DSL-Rou­ters, wo Sie auch die aktuelle IP-Adresse des betreffenden Rechners auslesen kön­nen.

Unter Windows ist die einfachste Möglich­keit, Radicale als Dienst einzurichten, der Non Sucking Server Manager (erhältlich unter nssm.cc), der als Meta-Dienst verstanden werden kann, der sich um Start und Neustart verschiedenster Dienste kümmert. Installieren Sie zunächst NSSM, indem Sie die EXE beispielsweise nach C:\ Program Files\NSSM kopieren. Starten Sie dann die Diensteinstallation in einer Einga­beaufforderung mit Administratorrechten:

  • nssm install

Anschließend erstellen Sie im grafischen Frontend von NSSM einen neuen Dienst mit Namen Radicale, als Anwendungspfad ist der komplette Pfad zur Python.exe an­zugeben und als Argumente:

  • -m radicale --config "C:\Radicale\conf\
  • server.txt"

Geben Sie für I/O-Umleitung von Fehlern noch C:\Radicale\data\error.txt ein, um Fehler zu protokollieren. Diese Protokoll­datei sollten Sie übrigens gelegentlich kon­trollieren und löschen, wenn sie zu groß wird. Testen Sie dann mit einem Neustart, ob der automatische Start und danach das Login im Browser funktionieren. 

Für Linux- Systeme mit Systemd hält die Dokumen­tation unter radicale.org ein sehr ausführliches Beispiel bereit, das den Start mit unpriviligierten Rechten beschreibt. Soll Radicale dagegen mit Root-Rechten gestartet werden, genügt es, in der Konfigu­ration Daemonizing zu aktivieren und ihn über die Datei /etc/rc.local zu starten.

Cardbook

© Radicale / Screenshot PC-Magazin

Cardbook ist die Erweiterung der Wahl, um Thunderbird mit Caldav- Adressbüchern zu synchronisieren.

Daten ablegen

Wie bereits erwähnt, ist das Webinterface recht spartanisch gehalten und lässt nicht mehr zu, als Kalender und Adressbücher anzulegen. Ist dies geschehen, muss ein Caldav-Client den Kalender und ein Card­dav-Client das Adressbuch mit Inhalten füllen. 

Sollen größere Mengen von Daten umgezogen werden, beispielsweise um ei­nen Google-Kalender komplett entfernen zu können, existieren verschiedene Mög­lichkeiten: Kalender im ICS-Format können Sie bei Google direkt exportieren und die­se einfach ins Radicale-Datenverzeichnis kopieren. Visitenkarten exportieren Sie als VCF-Datei (das kann beispielsweise auch Thunderbird mit lokalen Adressbüchern).

Die Client-Situation ist ziemlich uneinheit­lich: Apples Betriebssysteme unterstützen sowohl Caldav als auch Carddav von Haus aus, Windows 8 und höher unter dem Stichwort iCloud-Unterstützung ebenfalls, erfordern aber eine etwas umständlichere Einrichtung über Erweiterte Einstellun­gen. Android kann von Haus aus nur auf Google-eigene Kalender- und Adressbü­cher zugreifen, hier helfen Anwendungen wie DavDroid, CalDAV Sync oder CardDAV Sync. 

Mozilla Thunderbirds Kalender Light­ning kommuniziert mit Caldav-Servern via Bordmitteln, Thunderbird selbst benötigt für den Carddav-Zugriff aber Plugins wie den Sogo Connector oder CardBook. Alle beschriebenen Clients drängen sich ent­weder bei nicht erfolgter Synchronisation nicht zu sehr in den Vordergrund oder bie­ten eine komfortable manuelle Synchroni­sation an.

Je nach Client genügt es, die Adresse des Servers anzugeben, also beispielsweise http://12.34.56.78:5232/ oder den komplet­ten Pfad, wie er im Webfrontend angezeigt wird. Abtippen müssen Sie dabei nicht, ru­fen Sie einfach im Browser des Mobilgeräts das Webfrontend auf und kopieren Sie die URLs, welche Sie dann ins Serverfeld des Caldav-/Carddav-Clients einfügen.

NSSM Start

© Radicale / Screenshot PC-Magazin

Der Non Sucking Server Manager hilft dabei, Radicale als Dienst einzurichten.

Gemeinsame Kalender

Der typische Fall gemeinsamer Kalender bei Paaren und Familien sind Kalender, die von allen Beteiligten editiert werden kön­nen, hierfür ist es sinnvoll, einen zusätz­lichen Benutzer anzulegen, der von allen Familienmitgliedern für den gemeinsamen Kalender genutzt wird. Anders mag es in Unternehmen aussehen, wo Mitarbeiter geschäftliche Kalender anderer Mitarbei­ter einsehen können, aber nicht editieren sollen. 

Eine Lösung hierfür, die Softlinks verwendet, um Kalender für andere Nut­zer verfügbar zu machen und schließlich eine weitere Konfigurationsdatei rights.txt mit Rechtedefinitionen zu nutzen, zeigt das Wiki des Projektes.

Radicale im Router

Wer einen LEDE-kompatiblen Router sein eigen nennt, kann auf diesem Radicale instal­lieren, da Python 3 viel Platz benötigt, sollte der Router über USB verfügen.

OpenWRT und das Nachfolgeprojekt LEDE enthalten Radicale in ihren Paketre­positories. Bei OpenWRT ist Version 0.10 verfügbar, LEDE bringt die neuere Version 1.1.1. Wegen der besseren Client-Kompa­tibilität raten wir daher dazu, gegebenen­falls den DSL-Router von OpenWRT 15.05 auf LEDE 17.04 zu aktualisieren (sichern Sie vorher die gesamte Konfiguration, um bei einem möglicherweise erforderlichen Downgrade schneller online zu sein).

Aufgrund des hohen Platzbedarfs sollte ein USB-Stick für Extroot eingerichtet sein. Nachinstallierte Packages landen dann auf diesem Stick. Anschließend aktualisie­ren Sie die Paketlisten und suchen nach radicale. Neben dem eigentlichen Radi­cale-Server bieten beide ein Luci-Plugin, welches es ermöglicht, Radicale aus dem Administrationsfrontend heraus zu kon­figurieren. 

Die Installation dieser Komponente ist auf jeden Fall zu empfehlen. Da für Open­WRT und LEDE keine bcrypt-Pakete exis­tieren, müssen Passwörter schwach oder unverschlüsselt abgelegt werden – ver­wenden Sie daher andere Passwörter als sonstwo.

Box Router

© Radicale / Screenshot PC-Magazin

LEDE und OpenWRT enthalten Radicale in recht kompakter Konfiguration.

Radicale mit SSL - Letsencrypt und Windows

Soll Radicale aus dem Internet erreich­bar sein, empfiehlt es sich, SSL einzu­richten. Wenn Radicale unter Linux läuft, kön­nen Sie einen Dummy-Apache mit lee­rem HTTP-Root einrichten und Certbot installieren (siehe PDF auf DVD). Das in der Apache-Konfiguration eingetragene Zertifikat tragen Sie dann in der Konfi­gurationsdatei von Radicale ein. Neben dem Port des Radicale-Servers müssen dann zur regelmäßigen Zertifikatser­neuerung die Ports 80 und 443 von au­ßen erreichbar sein. Etwas aufwendiger ist die Installation unter Windows, hier hilft ebenfalls zunächst eine leere Apa­che-Installation, allerdings kommt für die Zertifikatserzeugung nicht der offi­zielle Python-Client, sondern der freie Windows-Client zum Einsatz: http://bit. ly/2aY8bvS. Mit diesem erzeugte Zertifi­kate müssen Sie vierteljährlich manuell neu erstellen.

Fazit: Mit der schnellen Einrichtung und der trans­parenten Konfiguration ist Radicale ideal für den Hausgebrauch im lokalen Netzwerk geeignet. Größter Vorteil von Radicale ist dabei, dass er seinen eigenen Webserver mitbringt. Dennoch können Administrato­ren in Unternehmen von der kompakten Codegröße und der dadurch leichten Erweiterbarkeit profitieren, beispielsweise mit selbst geschriebenen Authentifizie­rungs-Plugins. 

Wer jedoch Webdav auch zur Dateisynchronisation verwenden möchte und Wert auf ein umfangreiches Webfrontend zur Bearbeitung von Kalendern und Adressbüchern legt, sollte sich eher bei Nextcloud umsehen, wo allerdings die In­stallation auf einem Linux-System emp­fohlen ist, also mindestens ein Raspberry Pi laufen muss. Der wiederum muss gewartet werden und verursacht Kosten für Hard­ware und Strom.

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