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E-Commerce: PrestaShop auf Erfolgskurs

Das Open-Source-Shopsystem PrestaShop hat sich in den letzten Jahren als E-Commerce-Tool zur führenden europäischen Onlineshop-Plattform entwickelt.

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© Hersteller

In folgendem Artikel erfahren Sie, wieso der Onlineshop PrestaShop zum beliebtesten europäischen Open-Source-Shopsystem und E-Commerce-Tool wurde.

Die Geschichte von PrestaShop beginnt 2005 mit einem Projekt von fünf Studenten aus Paris, dem Shopsystem namens phpopenstore (POS). Zwei Jahre später gründet einer der Studenten, Bruno Leveque, zusammen mit Projektbetreuer Igor Schlumberger, dem Gründer von LeGuide Group, das Unternehmen PrestaShop.

Schon im August 2008 erscheint die erste stabile Version von PrestaShop 1.0. PrestaShop liegt aktuell in der Version 1.5 vor und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Weltweit liegt PrestaShop aktuell auf Platz zwei hinter Magento. In Europa hat Prestashop laut Angaben von PrestaShop Marketing einen Marktanteil von 30 % erreicht und den Marktführer Magento bereits überholt.

Zielgruppe

PrestaShop ist ein Shopsystem für kleine und mittelständische Unternehmen. Mit dieser Positionierung konnte es mit relativ kleinem Kapital und in sehr kurzer Zeit die aktuellen Nutzerzahlen erreichen. Dabei ist der Shop für größere Ansprüche durchaus geeignet und skalierbar. Besonders seit der Einführung von Version 1.5 und der Multishopfunktion. Ein Grund, warum so viele Start-ups und kleine Shopbetreiber sich für PrestaShop entscheiden, ist die leichte Einarbeitung. Obwohl der Funktionsumfang von PrestaShop sehr beachtlich ist, haben es die Entwickler geschafft, das Backoffice (Adminbereich) sehr benutzerfreundlich zu gestalten. So kommen auch unerfahrene Shopbetreiber mit dem System sehr schnell zurecht.

Funktionsumfang

PrestaShop ist eine sehr leistungsfähige Lösung, die auf PHP/MySQL basiert. Im Bereich Administration bietet PrestaShop alles, was Sie für die Verwaltung eines Onlineshops benötigen: Rechnungen und Lieferscheine, bequeme Kundenverwaltung, Verwaltung von mehreren Lagerstandorten, Retourenmanagement sowie zahlreiche Statistik-Tools. In vielen Fällen können Sie als Shopbetreiber damit auch auf den Einsatz von zusätzlichen Warenwirtschaftssystemen verzichten.

Planungskomplexität gekonnt reduzieren

Auch andere wichtige Funktionen werden bereits im Kern unterstützt, wie z. B.:

  • Verwaltung von mehreren Shops (Multishopfähigkeit). Dabei können Sie den Bestellbestand und Kundenstamm je nach Einstellungen komplett trennen. Die Zuweisung separater Templates und Domains für Shopinstanzen sowie unterschiedliche Moduleinstellungen und Produktbeschreibungen und -preise bei gleichen Produkten sind ebenfalls möglich.
  • Mehrsprachigkeit, die sehr einfach zu bedienen ist. PrestaShop unterstützt derzeit 56 Sprachen. Neue Sprachpakete laden Sie einfach vom Prestashop-Server herunter. Nachträgliche Anpassungen jeder einzelnen Passage und von E-Mail-Texten sind mit dem Übersetzungstool jederzeit möglich.
  • Zahlreiche Marketingtools wie Gutscheine, Geburtstagserinnerung, Discounts, Treuepunkte- und Affiliateprogramm u. Ä.
  • Mobiles Template. Neben templateabhängigem responsivem Design wird ein mobiles Theme geliefert, das komplett auf mobile Endgeräte optimiert ist und die zusätzliche Last einer vollwertigen Webseite vermeidet. Das Theme kann optional abgeschaltet werden, etwa bei Verwendung eines responsiven Designs des Templateherstellers.

Insgesamt werden in dem Funktionsumfang auf der Entwicklerseite über 310 Funktionen genannt. Sollte Ihnen das nicht reichen, bietet der offizielle PrestaShop-Marktplatz unter addons.Prestashop.com weitere ca. 3.500 Module und Templates an, die vom Prestashop-Team selbst, Drittanbietern und Partnern entwickelt werden. Individuelle Erweiterungen sind durch den modularen Aufbau ebenfalls möglich. In diesem Punkt darf der Aufwand jedoch nicht unterschätzt werden. Konnten Sie sich bei älteren Versionen als erfahrener PHP-Entwicker relativ schnell in das System einarbeiten, sind ab Version 1.5 ein größerer Aufwand und mehr Erfahrung nötig. Folglich wird die aktuelle Entwicklung

von Modulen und individuellen Lösungen zum größten Teil über ein ausgebautes Partnernetz mit zertifizierten Presta-Shop-Entwicklern abgedeckt. Die Qualität steigt, und Shopbetreiber profitieren.

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Produktseite im Backoffice.

Servervoraussetzungen

PrestaShop ist ein leistungsfähiges System, das Ihrem Server auch einiges abverlangt. Das bezieht sich zwar auch auf die Hardware, aber in erster Linie auf sachgemäße Serverkonfiguration, die dem System einwandfreien Zugriff auf Ressourcen erlaubt. Zwar sind die Installation und der mässige Betrieb schon mit einfachen Mitteln gewährleistet, aber die Speicherzuteilung für die Sonderfälle muss stimmen: einige speicherintensive Rechenoperationen, wie der Aufbau der Filter, die Neuberechnung der Bilder oder die Speicherung der Übersetzung brauchen größere PHP-Zugriffszeiten, die über Standardeinstellungen der meisten Hostingpakete gehen. Hier ist es die Sache der Hostingprovider, Shopbetreiber mit genug Informationen zu PrestaShops-Anforderungen zu versorgen.

Online-Beratung als neuer Vertriebskanal

Erfahrungsgemäß ist ein großer Teil des Kundensupports auf fehlerhafte Serverkonfiguration oder mangelnde Speicherwerte zurückzuführen. Hier einige Werte, die erfahrungsgemäß eine einwandfreie Entwicklung mit PrestaShop ermöglichen:

  • PHP per FastCGI/FPM, mindestens 5.3
  • Memory-Limit: 128 MB oder höher
  • PHP, wenn möglich mit APC
  • max_input_vars = 15000
  • post_max_size "passend" (96 MB)
  • safe_mode = off
  • register_globals = offmax_execution_time = 300 oder höher

Es ist ratsam, Beschleuniger wie APC oder Memcached installiert zu haben, denn das macht bei der Performance sehr viel aus.

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Statistik-Ansicht.

Design und Perfomance

Die Templates von PrestaShop bestehen aus modifizierten HTML-Dateien mit Smarty-Anweisungen [smarty.net]. Ein mitgeliefertes Default-Template, das aus vielen einzelnen .tpl-Dateien besteht, gibt die Anweisungen und die CSS-Klassen vor, die für den Aufbau des Frontends notwendig sind. Das HTML-Gerüst um diese Anweisungen können Sie komplett beeinflussen, was eine große Flexibilität beim individuellen Aufbau ermöglicht. Das Gerüst wird von zahlreichen CSS-Dateien unterstützt (die Trennung erfolgte in Version 1.4), die für einzelne Template-Teile zuständig sind und auch nur bei Bedarf geladen werden. Das ermöglicht eine gezielte Ressourcensteuerung für optimale Performance.

IT-Sicherheitsgesetz für Unternehmen

Zudem wurde seit Version 1.4 das sogenannte CCC (Combine Compress & Cache) eingeführt. Es handelt sich um eine Reihe von Performance Optimizern, die den Code eines Produktivshops aufs Äußerste komprimieren. So können Sie HTML-, CSS- und Javascript-Elemente komprimieren. Zudem lassen sich noch smarty-Cache, allgemeine Template-Kompilierung, externe Caches und eine Reihe weiterer Tools aktivieren, um dem User ein angenehmes Einkaufserlebnis zu bescheren. In Verbindung mit einem optimal konfigurierten Server können Sie für ein Shopsystem so beachtliche Ladezeiten bis unter einer Sekunde erreichen.

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Ein Auszug aus Kompressionseinstellungen bei PrestaShop.

SEO&SEM

Dieses Thema wurde bei PrestaShop von Anfang an sehr gut durchdacht. Sie können Produkte und statische Seiten mit einfach modifizierbaren Meta-Tags versehen. Die Produkte erhalten eine automatisch vom Titel abgeleitete oder eine manuell (in allen Sprachen separat) erstellte URL. Ab Version 1.5 gibt es die Möglichkeit, die Syntax selbst zu beeinflussen, indem Sie der Produkt-URL etwa noch die begleitende EAN-Nummer oder den Attribut-Titel anhängen. Module für Google Sitemap, Google Analytics und Google AdWords werden mitgeliefert. Im PrestaShop-Marktplatz addons.prestashop.com finden Sie zudem Module, die die SEO-Fähigkeiten des Kerns optimieren und ausweiten.

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SEO-Tab bei der Produktseite im Backoffice.

Position in Deutschland und Rechtssicherheit

In Frankreich, Spanien, Italien oder Tschechien ein Star, ist der Marktanteil von PrestaShop in Deutschland immer noch vergleichsweise klein. Das liegt zum einem an der starken Konkurrenz: heimische Software wie Shopware, Oxid Sales, XTCommerce sowie Magento, deren intelligente Marketingpolitik seinerzeit einen Hype ausgelöst hat, ließen keinen Platz für einen größeren Neuzugang. Zum anderen liegt das an der PrestaShop-Strategie selbst. Zwar empfindet das PrestaShop-Management den deutschen Markt als wichtig, doch gilt dieser als schwer und unverständlich.

So kommen wir zum größten Kritikpunkt an Presta-Shop: dieser lässt sich nicht auf deutsche Gesetze hin anpassen. Das ist ein Vorwurf, mit dem PrestaShop hierzulande seit der ersten Version zu kämpfen hat. Dabei ist die Situation schon lange nicht mehr so schwierig wie vor vier, fünf Jahren. In der Tat gibt es einige Punkte, die eine Anpassung erfordern. Das betrifft in erster Linie den Bestellprozess, aber auch Preiskennzeichnung, Informationspflichten, Datenschutz und einige weitere Punkte.

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Einstellungen für Mod Rewrite.

Es existieren aber inzwischen mindestens zwei kostenfreie Lösungen, die den rechtssicheren Einsatz von PrestaShop in Deutschland ermöglichen: das von Trusted Shops vorzertifizierte Modul germaNext vom PrestaShop-Partner silbersaiten und das Modul GC German vom PrestaShop-Partner Gurkcity. Darüber hinaus gibt es im PrestaShop-Forum einige Anleitungen für manuelle Änderungen von der deutschen Community (genannt Fixe) [goo.gl/rMCjc2]. Interessant ist, dass die gleiche Sachlage und vergleichbare Lösungsansätze bei Magento die Produktakzeptanz in Deutschland nicht gehemmt haben. Bei PrestaShop war und ist es teilweise immer noch ein Streitpunkt.

Die aktuellen Zahlen zeigen aber ein wachsendes Interesse an PrestaShop. Nach den Angaben von PrestaShop Marketing (Stand:Oktober 2013) gibt es in Deutschland 2.871 Produktivshops. Im Oktober sind die Downloadzahlen um 6 % gestiegen, der Traffic-Zuwachs aus Deutschland liegt bei 9 %. Diese Tendenz wird schon seit einigen Monaten beobachtet. Auch die Dienstleiter zeigen ein deutliches Interesse an PrestaShop. So bieten fast alle Zahlungsanbieter eine PrestaShop-Anbindung an.

Ausblick

Für Anfang 2014 ist die neue Version angekündigt. "Version 1.6 wird das beste bisher erschienene PrestaShop sein. Wir haben Hand Hand mit Entwicklern und Shopbetreibern gearbeitet und die besten Ideen aus den zahlreichen wertvollen Vorschlägen umgesetzt", sagt PrestaShop-CEO Benjamin Teszner. Und in der Tat verspricht PrestaShop 1.6 zumindest optisch einen sehr großen Fortschritt.

Einige neue Features von PrestaShop 1.6 sind:

  • komplett überarbeitetes Backoffice Theme mit responsivem Design
  • Echtzeit-Verfolgung der Shopaktivitäten
  • Einbindung des Frameworks Bootstrap
  • neues Frontoffice Theme mit responsivem Design
  • neue Features in der Produktliste

Fazit

PrestaShop ist ein ausgereiftes und leistungsfähiges Open-Source-Shopsystem, das in Deutschland leider noch unterschätzt wird. Ein Mangel an marktspezifischen Schnittstellen und starker Bedarf an Spezialisten sind derzeit die größten Hindernisse.

An dieser Stelle sind deutsche Partner gefragt: Agenturen, Freelancer, aber auch Dienstleister im Bereich E-Commerce. Die deutliche Vergrößerung des Partnernetzes wird dazu beitragen, dass PrestaShop auch in der deutschen E-Commerce-Landschaft die Stellung erreicht, die es schon längst verdient hat. Leichte Einarbeitung, viele günstige Templates und großer Funktionsumfang "out of the box" machen den Einsatz von PrestaShop für Start-ups und Firmen, die nach einem schnellen Einstieg in E-Commerce suchen, besonders interessant. Mittelständische Unternehmen mit größeren Ansprüchen sollten sich zum Start einen erfahrenen PrestaShop-Partner suchen.

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