E-Commerce

Online-Shop erstellen leicht gemacht

Mit dem Hobby nebenberuflich Geld zu verdienen ist verlockend und scheint mit einem Online-Shop schnell realisierbar zu sein. Tatsächlich ist es für Computernutzer mit Web-Grundkenntnissen möglich, auch mit geringen finanziellen Mitteln einen Online-Shop aufzuziehen.

Aufziehen eines Online-Shops leicht gemacht.

© Hersteller/Archiv

Aufziehen eines Online-Shops leicht gemacht.

Nehmen wir an, Sie sind ein begeisterter Mountain- Biker, der während des letzten Urlaubs in den Schweizer Alpen auf einen in Deutschland noch relativ unbekannten Hersteller cooler Mountain- Bike-Outfits gestoßen ist. Sie haben für den Eigenbedarf eingekauft und werden nun, zurück in der Heimat, von Sportsfreunden immer wieder auf die Kleidung angesprochen, die Sie tragen.

Sie wittern eine Chance für ein gutes Geschäft und nehmen Kontakt zum Hersteller auf, der an einer Zusammenarbeit interessiert ist und Ihnen gute Einkaufskonditionen einräumt. Da Sie ein erfahrener Computeranwender sind und sich sogar schon selbst einen eigenen Mountain-Biker-Blog eingerichtet haben, können Sie sich gut vorstellen, auch einen Online-Shop selbst zu betreiben, wenn nicht sogar selbst einzurichten. Selbstverständlich möchten Sie den Shop so günstig wie möglich an den Start bringen, aber ohne Kompromisse beim Design und der Erweiterungsfähigkeit eingehen zu müssen.

Das soll die Ausgangssituation sein. Welche Möglichkeiten gibt es nun, diesen Shop zu realisieren?

Schauen wir uns dazu zunächst an, welche Schritte grundsätzlich auszuführen sind, um einen Online-Shop zu erzeugen, bevor wir uns um Details kümmern:

  • Registrierung des gewünschten Domänennamens,
  • Anmietung des Web-Spaces beim Hosting-Provider,
  • Auswahl und Installation der Shop-Software,
  • Auswahl eines Templates/Themes, das dem gewünschten Design bereits nahe kommt,
  • Anpassen des Templates/Themes an eigene Bedürfnisse,
  • ggf. Installation zusätzlicher Module, Add-ons oder Plugins, beispielsweise für zusätzliche Zahlungsarten oder für SEO-Zwecke,
  • Konfiguration des Shops, wobei u.a. Zahlungsarten, Versandarten und -kosten, Umsatzsteuersätze und Währungen auszuwählen bzw. einzustellen sind,
  • Erzeugen der eher statischen Inhalte, beispielsweise AGB, Widerrufsbelehrung, Kontaktinformationen,
  • Erzeugen der Produktkategorien oder Rubriken und Einpflegen der tatsächlichen Produkte mit deren Produktabbildungen und Produktbeschreibungen,
  • Kauf und Installation eines SSL-Zertifikats.

Viele dieser Schritte gleichen denen, die auch bei der Erzeugung einer Website oder eines Blogs auf Basis eines Content-Management-Systems (CMS) wie WordPress, Joomla oder Drupal auszuführen sind. Anstelle von einem CMS installiert der Nutzer die Shop-Software oder ein CMS plus Online-Shop- Erweiterung.

Etwas anders sieht es aus, wenn sich der künftige Online-Shop-Betreiber für ein Shop-System als Mietlösung entscheidet. Damit zu den unterschiedlichen Shop-Systemen: Ein Shop-System erhält der künftige Shop-Betreiber als Mietlösung, wozu wir auch die sogenannten Baukasten-Shops zählen möchten, als reines Shop-System in Form kommerzieller oder Open-Source-Software und als Erweiterung für ein CMS.

ESPRIT Online-Shop

© esprit

Mittels Konsumentenbefragung setzt der Online-Shop von Esprit Maßstäbe beim Design und der Funktionalität. Ein vergleichbarer Shop lässt sich mit einem Miet- oder Baukastensystem nur schwer realisieren, nah heran kommt man jedoch schon mit einem kostenlosen Open-Source-Produkt, einem ausgesuchten Template und dem einen oder anderen Add-on.

Einen Online-Shop mieten

Der Hauptvorteil eines Mietsystems ist der schnelle Einstieg, da die Installation und viele Konfigurationsschritte entfallen. Im einfachsten Fall selektiert der Shop-Betreiber eines der vorgeschlagenen Layouts, gibt einige wenige essenzielle Informationen ein, beispielsweise Shopname, Steuerinformationen, Kontaktinformationen und AGB, pflegt seine Produkte ein und verlässt sich ansonsten auf die Voreinstellungen. Ein Mietsystem kauft der Shop-Betreiber nicht, sondern er schließt einen Mietvertrag ab, der monatliche Kosten verursacht. Normalerweise sind in den monatlich zu zahlenden Gebühren die Hosting-Kosten bereits enthalten.

Los geht es mit etwa 20 Euro pro Monat. Allerdings gibt es zu diesem Preis bei vielen Anbietern nur eingeschränkten Speicherplatz, wenige oder keine Berichte und möglicherwiese eine Begrenzung in der Produktanzahl. Oft berechnet der Provider auch zusätzliche Transaktionsgebühren, die durchaus zwei Prozent des Warenkorbwertes betragen könnten.

Um einen individuell aussehenden Online-Shop zu erzeugen, sind sicher viele Anpassungen erforderlich. Dies kann ein Problem sein, denn für Mietlösungen sind oft nur wenige vorgefertigte Layouts oder Templates/Themes verfügbar. Wer sich an einem bekannten Shopsystem wie beispielsweise dem von der Modemarke "Esprit" orientieren möchte, sollte unbedingt vor Vertragsabschluss prüfen, ob das gemietete Shop-System überhaupt die notwendigen Änderungen am Design und bei den Funktionalitäten zulässt.

Bei den Baukasten-Shops bekannter deutscher Massen- Hoster ist das eher nicht der Fall. Besonders aufpassen muss der Interessent bei den Zahlungsarten. Oft unterstützen die Basisversionen der Mietsysteme nur einige wenige Zahlweisen wie PayPal, Vorkasse, Nachname und Barzahlung. Kreditkartenzahlung und Bankeinzug, zwei weitverbreitete Zahlungsarten, bieten Mietsysteme oft nur gegen Aufpreis.

Flexibler mit eigenständigen Shop-Systemen

Flexibler ist ein eigenständiges Shop-System, das in der Regel per FTP auf einem separat angemieteten Web-Space installiert wird. Zu unterscheiden sind hier kommerzielle Online-Shop-Softwarepakete und Open-Source-Systeme.

Bei einem kommerziellen Paket ist einmalig für die Software zu zahlen, allerdings ist der im Kaufpreis enthaltene Herstellersupport in der Regel auf ein Jahr begrenzt, womit laufende Kosten hinzukommen, falls Herstellersupport auch noch nach Ablauf dieser Frist gewünscht wird. Ein solches Shop-System kann unter 100 Euro kosten oder einen deutlich höheren Betrag verschlingen.

Die Preisunterschiede erklären sich zum Teil durch den Umfang des Herstellersupports sowie durch unterschiedlichen Funktionsumfang, beispielsweise Unterstützung von Multi-Shops und Sub-Shops, Mehrsprachigkeit, Gutscheinunterstützung, Berichts- und Controllingfunktionen, die Anzahl der Zahlungsabwicklungsdienste, Erweiterbarkeit durch Plugins und Anbindung an Warenwirtschaftssysteme.

Auch ein kommerzielles Paket enthält zunächst nur vorgefertigte generische Templates/Themes. Hier muss der Shop-Besitzer genau wie bei Miet- und Open-Source-Produkten anpassen. Allerdings ist die Auswahl verfügbarer Templates für einschlägige Shop-Systeme wie Magento, XT:Commerce, OXID oder Shopware deutlich größer, als bei Miet- und Baukasten-Shops.

Der Vorteil gegenüber Open- Source-Produkten ist eher darin zu sehen, dass zumindest die teuren Pakete in der Regel sofort einsatzfähig sind. Die kostenlosen Open-Source-Varianten benötigen möglicherweise zusätzliche Plugins oder Zusatzprogrammierungen. Für Kaufprodukte gibt es Herstellersupport, für Open-Source-Lösungen oftmals riesige Nutzergemeinschaften und Support-Foren.

Shop-Paket oder CMS plus Shop-Erweiterung

Mit einem kostenlosen Open-Source-Paket und einem dazu passenden, vorgefertigten Standard-Template lassen sich gute Ergebnisse erzielen. Die Frage, die sich hier stellt, ist, ob es ein reines Open-Source-Shop- Paket sein soll oder ein um Shop-Funktionalität ergänztes Open-Source-CMS.

Wer frisch startet und tatsächlich ausschließlich Online- Shop-Funktionalität haben möchte, der ist mit einer Open-Source- oder Community-Edition von Shop- Systemen wie Magento, XT:Commerce oder OXID gut bedient. Ein geeignetes kostenloses Template oder Theme dafür ist sicher schnell gefunden. Nutzer, die sich einigermaßen mit HTML und CSS auskennen, sollten nach einer gewissen Einarbeitung in der Lage sein, es selbst so anzupassen, wie sie es wünschen. Wer auf Schwierigkeiten stößt, findet in der Regel Hilfe bei der Community.

WordPress mit der Erweiterung WooCommerce

© WordPress

Eine typische Seite für die Eingabe von Produktdetails im Backend eines Shop-Systems - hier WordPress mit der Erweiterung WooCommerce.

Computernutzer, die bereits eine eigene Website betreiben, beispielsweise auf Basis von Joomla, WordPress oder Drupal, sind vielleicht besser beraten, die existierende Website um Shop-Funktionen zu ergänzen. Aber natürlich lässt sich auch eine eigenständige E-Commerce-Website auf Grundlage solcher Systeme aufziehen - empfehlenswert für Nutzer, die bereits Erfahrung mit dem CMS ihrer Wahl gesammelt haben.

Für populäre CMS steht eine große Menge kostenloser oder zumindest kostengünstiger Templates oder Themes zur Verfügung. Eine beliebte Online-Shop-Erweiterung für Joomla ist VirtueMart, für WordPress Woo- Commerce.

Statischer Inhalt

Natürlich braucht ein Online-Shop Inhalte. Und das sind zunächst einmal Inhalte eher statischer Natur, beispielsweise Texte, die aus rechtlichen Gründen vorhanden sein müssen, also die AGB, eine Datenschutzerklärung und eine Widerrufsbelehrung. Solche Inhalte werden einmal im Backend des Shop-Systems erzeugt und anschließend nur noch dann geändert, wenn sich in der Rechtsprechung etwas ändert.

Der Shop-Betreiber kann sie anhand von Mustervorlagen selbst erzeugen oder einen Anwalt beauftragen. Grundsätzlich empfiehlt sich der Gang zum Anwalt für die Datenschutzerklärung und die AGB, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Eher statisch sind die Texte, die die Produktkategorien oder Rubriken beschreiben. Vor dem Hintergrund der SEO-Optimierung müssen diese Texte gut formuliert die wichtigsten Suchbegriffe umfassen. Die Erstellung der Texte selbst dürfte bei einem überschaubaren Shop-Projekt kein großer Aufwand sein.

Wer die Texte mit Bildern ergänzen möchte, selbst aber keine geeigneten Bilder besitzt, kann zu sogenannten Stock-Fotos greifen, die in einer Größe von etwa 560 x 850 Pixel ab etwa 10 Euro pro Exemplar kosten, beispielsweise bei Fotolia.

Wie die Produkte in den Shop gelangen

Es folgt die anfängliche "Bestückung" des Online- Shops mit den Produkten. Und dies ist ein Punkt, der den Online-Shop teuer machen kann.

Die Entwicklungskosten sind einmalige Kosten und damit irgendwann abgehakt, die Kosten der Pflege jedoch nicht - darüber denken viele Online-Shop- Einsteiger zu wenig oder leider gar nicht nach. Diese Kosten entstehen regelmäßig wieder, beispielsweise wenn neue Produkte in den Shop aufgenommen, bereits existierende Produkte geändert oder entfernt werden müssen.

Teuer und aufwendig wird es für Shop-Betreiber, die sämtliche Produktfotos und Produktbeschreibungen selbst anfertigen. Nun sind aber die wenigsten Teilzeit-Online-Shop-Betreiber gleichzeitig auch Hersteller der Produkte, die sie verkaufen, sondern sie beziehen ihre Ware vom Großhandel oder Hersteller. Es liegt somit nahe, Hersteller oder Großhändler nach Produktbeschreibungen und Abbildungen zu fragen. Eine Anpassung der Beschreibungen für die eigene Zielgruppe ist unter SEO-Gesichtspunkten empfehlenswert.

Problem Produktabbildungen

Schwieriger wird es, wenn Produktabbildungen nicht digital sondern in Papierform vorliegen. Der Shop-Betreiber muss sie dann scannen oder von einem Dienstleister scannen lassen. Möglich ist natürlich auch, die Produkte selbst zu fotografieren.

Bildbearbeitung

© Archiv

Nicht jedes Produktfoto ist sofort für das Shop- System geeignet. Sieht das Design z.B. quadratische Produktabbildungen vor, müssen Abbildungen, die in einem anderen Seitenverhältnis vorliegen, zuvor bearbeitet werden, was Zeit in Anspruch nimmt und damit Kosten verursacht.

Liegen die Bilder schließlich in einem digitalen Format vor, sind sie oft noch mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu bearbeiten, bevor sie ins Shop-System übernommen werden können. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Bilder unterschiedliche Abmessungen beziehungsweise abweichende Seitenverhältnisse haben. Shop-Systeme sind in der Lage, von einem hochgeladenen Bild automatisch mehrere Versionen mit unterschiedlichen Größen zu generieren, beispielsweise ein kleines Vorschaubild, ein Bild mittlerer Größe für Produktlisten und ein großes Bild für Produktdetailseiten.

Dazu beschneidet oder skaliert das Shop-System das Ursprungsbild. Eine Skalierung ist nur dann möglich, wenn die Ursprungsbilder immer dasselbe Seitenverhältnis besitzen, denn sonst werden die generierten Bilder in der Regel zwar stets dieselbe Breite haben, aber unterschiedliche Höhen.

Beim Beschneiden des Ursprungsbilds passiert das zwar nicht, aber in diesem Fall ist dafür zu sorgen, dass die wichtigsten Details des Ursprungsbilds zentral liegen, denn sonst kann es beispielsweise passieren, dass bei einem Bild, das eine Person zeigt, im Vorschaubild der Kopf dieser Person abgeschnitten ist.

Download: Shop-Systeme im Überblick

Fazit

Am einfachsten und schnellsten ist ein Online- Shop mit einem Mietsystem startbereit. Das bekommt selbst hin, wer kaum etwas von HTML und CSS versteht, da Änderungen am einmal ausgewählten Layout nur in einem eng umrissenen Rahmen möglich sind und sich der Shop-Betreiber die gewünschte Funktionalität in der Regel aus vorgegebenen Bausteinen zusammenklickt.

Flexibler sind Shop-Erweiterungen für CMS wie Joomla, Drupal oder WordPress oder reine Shop-Systeme wie Magento, XT:Commerce oder OXID. Zu bedenken ist immer der Aufwand für die Produktpflege im Shop. Er ist immer gleich, egal, für welche Lösung sich der Shop-Betreiber entscheidet. Expertenwissen ist hier nicht erforderlich, aber es kostet Zeit.

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