Ratgeber: "Unternehmensführung"

Innovation bringt Wachstum

Wir sind innovativ - das dachten auch Hertie und Quelle, Kodak und manroland. Doch dann mussten die Unternehmen Insolvenz anmelden. Ihre Innovationsbemühungen bewegten sich im Rahmen des Altbekannten und -bewährten. Es gelang ihnen nicht, sich neu zu erfinden - eine Herausforderung, vor der viele Unternehmen stehen.

Innovation bringt Wachstum

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Innovation bringt Wachstum

Ein radikaler Paradigmenwechsel findet zurzeit in zahlreichen Branchen statt. Denn die Unternehmen sind mittlerweile so sehr auf Effizienz getrimmt, dass kaum noch Luft für Kostensenkungen bleibt. Und die Märkte? Die sind gesättigt. Die klassischen Wachstumsrezepte - Prozess-Optimierungen, Produktverbesserungen und Erweiterungen der Produktlinien und -paletten - funktionieren nicht mehr. Die "Low Hanging Fruits" sind abgeerntet.

Das bedeutet, dass die Unternehmen neue Wege beschreiten müssen. Doch welche? Diesbezüglich  wächst in den Betrieben die Unzufriedenheit. Denn die Top-Manager spüren deutlich, dass ihre  Innovationsbemühungen - trotz der vielen Initiativen, aufwendigen Prozesse sowie hohen  Investments an Zeit und Geld - nicht die gewünschten Ergebnisse bringen.

Jens-Uwe Meyer -Geschäftsführer der Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen GmbH

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Der Autor: Jens-Uwe Meyer -Geschäftsführer der Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen GmbH, Baden-Baden, Deutschlands erster Beratungsfirma für unternehmerische Kreativität.

Das enttäuschte Fazit des Technologievorstands eines Automobilkonzerns lautet: "Was immer wir  tun, wir erhalten stets nur neue Varianten des Bestehenden." Und der Geschäftsführer eines  internationalen Baukonzerns stellt sarkastisch fest: "Wir sind gut in Innovation - solange wir von  vornherein wissen, was am Ende dabei herauskommt."

Radikal neu statt partiell besser

Was den Unternehmen fehlt, sind wirklich innovative Ideen, mit  denen sie bestehende Märkte umgestalten oder ganz neue entwickeln können - also radikale Innovationen und nicht nur Verbesserungen des Bestehenden; zudem Visionen, mit welchen  Angeboten sie in fünf bis zehn Jahren punkten möchten und können. Und dies, obwohl das Entwickeln neuer Angebote und das Erobern neuer Märkte für die Mehrheit aller Unternehmen der  einzige Weg ist, um langfristig zu wachsen.

Hinzu kommt: Das Innovationstempo hat sich weltweit drastisch erhöht. Waren die  Innovationszyklen früher lang, planbar und teilweise sogar vorhersehbar, so bietet sich heute  vielfach ein radikal anderes Bild. Egal ob Automobil-, Energie- oder Chemiebranche,  Elektrooder Konsumgüter-Industrie, Maschinen- oder Anlagenbau - in allen Branchen registriert  das Top-Management ein wachsendes Innovationstempo.

Neue Mitbewerber drängen in den Markt - teils aus anderen Branchen. Neue Technologien  machen ganz neue Problemlösungen möglich. Unternehmen, die in diesem  Innovationswettbewerb nicht mithalten können, werden abgehängt.

Verkrustete (Denk-)Strukturen überwinden

Deshalb arbeiten zahlreiche (Groß-)Unternehmen mit Hochdruck daran, verkrustete Strukturen  zu überwinden. So plant zum Beispiel die Deutsche Telekom eine School of Transformation: einen Think Tank (auf Deutsch: Denkfabrik), der dem Unternehmen mithilfe kreativer Methoden  einen Innovationsschub verleihen soll.

Auch die Tourismusbranche beschreitet neue Wege. "Denn die klassischen Methoden der  Strategieentwicklung bringen uns immer wieder mehr vom Gleichen", betont Andreas Kurth,  Head of New Business beim Reiseveranstalter TUI. "Die Kosten senken, die Prozesse weiter  optimieren - und ab und zu mal eine kleine Veränderung. Es entsteht aber nichts wirklich Neues."

TUI beschloss, stärker auf die eigene Kompetenz zu vertrauen. Das Unternehmen holte 30  Manager für drei Monate ins Hamburger Schanzenviertel und ließ sie dort neue Geschäftsmodelle entwerfen. Das Ergebnis: radikal neue Ideen, die sukzessive umgesetzt  werden und TUI in den nächsten Jahren Wachstum bringen sollen.

Neues Wachstum braucht neue Methoden

Das Gros der Unternehmen gleicht heute schwerfälligen Tankern: Sie sind langsam und behäbig.  Sie können mit den bewährten Methoden zwar das Bestehende verbessern. Doch sie sind zu- meist nicht fähig, wirklich neue Wege zu gehen. Die wichtigsten Fragen, die sich Unternehmen stellen müssen:

  • Sind wir mit unseren Wachstumszielen zufrieden? Können wir diese ohne große Veränderungen erreichen?
  • Können wir mit den bewährten Produkten und Dienstleistungen noch ein großes Wachstum erzielen?
  • Sind unsere Märkte stabil? Wird unser Unternehmen in den nächsten zehn Jahren von Veränderungen unberührt bleiben?

Wenn Unternehmen nur eine dieser Fragen mit "nein" beantworten, dann ist es Zeit zum Umdenken. Dann muss die Firma über radikale Innovationen nachdenken, die langfristig Märkte verändern und neues Wachstum schaffen.

Was sind radikale Innovationen?

"Radikale Innovation verändert das Verhältnis zwischen Kunden und Lieferanten", schrieb der Ende 2011 verstorbene US-Professor Richard Leifer, der mit einem Team von Mitarbeitern mehrere Jahre lang radikale Innovationsprojekte untersuchte, "Märkte werden umgestaltet, aktuelle Produkte verdrängt und häufig komplett neue Produktkategorien geschaffen."

Diese Art von Innovation muss anders gemanagt werden als inkrementelle Verbesserungen des Bestehenden. Radikale Innovationen erfordern kleine entschlossene Teams, die eine Art "Unternehmen im Unternehmen" bilden und in einem definierten Rahmen weitgehend autonom handeln. Diese Art des Managements ist den meisten Unternehmen fremd.

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Und genau hier liegt die Wurzel des Problems: Unternehmen streben zwar radikale Innovationen an, doch sie nutzen hierfür schwerfällige Prozesse. Und sie betrachten neue Ideen ausschließlich mit der internen Brille - statt über den Tellerrand hinauszuschauen.

Angriff statt Verteidigung

Das hat dramatische Folgen: Hertie und Quelle mussten schließen, während Amazon im Internet ein neues globales Handelsimperium aufbaute. Die Elektronik-Discounter der Media-Saturn-Kette brauchten 16 Jahre, um auf Amazon zu reagieren: Erst Anfang 2012 eröffnete auch Media Markt einen eigenen Online-Shop. 2012 wurde manroland, einst der zweitgrößte Druckmaschinenhersteller weltweit, zerschlagen. Und Kodak meldete Insolvenz an. Alle diese Unternehmen dachten, sie seien innovativ, doch sie waren unfähig, radikal umzudenken.

Unternehmen, die es schaffen, radikal neue Ansätze zu entwickeln und diese umzusetzen, können mittel- bis langfristig große Alleinstellungsmerkmale schaffen. Sie können in den Märkten das mitnehmen, was in der Managementlehre als der "First Mover Advantage" gilt - sprich: die Vorteile der Pioniere. Und sie können neue Märkte entwickeln, statt aus alten verdrängt zu werden. Aus ihnen werden Angreifer statt Verteidiger.

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