Fidor Bank

Dein Freund, der Bankberater

Banken nennen sich Institute - das zeigt ihre scheinbare Unerschütterlichkeit. Doch auch diese Branche wird langsam aber sicher von digitalen Innovationen untergraben. Mit einem Mal machen Startups den Großen Konkurrenz: so wie die Fidor Bank.

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© Archiv/IntMag

Macht es derzeit Sinn, in Aktien zu investieren? Wer die Community der Fidor-Bank um Rat fragt, erhält eine eindeutige Antwort: Ja! >>Ist absolut wichtig<<, schreibt Fidor-Kunde >>ceri<<. Am besten solle man ers ein Musterdepot anlegen, den Markt eine Weile beobachten und dann >>vorsichtig investieren<< - aber mit langem Atem und >>nicht dauernd von einem Wert zum anderen springen.<<

Die Community ist das Herzstück der Fidor-Bank. Wer ein Konto eröffnet, kann dort Fragen stellen - und erhält, so das Versprechen, Ratschläge von Gleichgesinnten statt Tipps von abhängigen Bankberatern. >>Wir haben keine Vertriebsmitarbeiter, die auf Teufel komm raus Produkte verkaufen wollen, um hohe Provisionen zu kassieren<<, verkündet die Fidor-Bank in ihrem >>Moneyfest<<.

>>Banking mit Freunden<< heißt das Modell, mit dem Bankgründer und Vorstandschef Matthias Kröner den etablierten Finanzinstituten Konkurrenz macht. >>Wir wollen es den Menschen erleichtern, sich selbst um ihr Geld zu kümmern<<, sagt er. >>Sie sollen nicht mehr von zweifelhaften Vertriebsstrukturen abhängig sein.<<

Klingt einleuchtend. Aber kann sich das Modell durchsetzen? Sieht so das Bankgeschäft der Zukunft aus? Das Interesse ist groß, die Online-Bank meldet hohe Wachstumsraten. Inzwischen hat die Community mehr als 200.000 Mitglieder, jeden Monat kommen rund 2.000 Neulinge hinzu. Und auch wirtschaftlich geht es aufwärts. Im ersten Halbjahr 2013 - neuere Zahlen liegen noch nicht vor - halbierte das Geldhaus seinen Verlust auf 1,5 Millionen Euro. Und Kröner ist >>sehr zuversichtlich<<, dass Fidor in diesem Jahr - fünf Jahre nach Erhalt der Banklizenz - schwarze Zahlen schreibt.

Die Rahmenbedingungen könnten kaum besser sein: Befeuert von einer beispiellosen Serie von Skandalen im traditionellen Bankensektor, die seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht abreißen will, ist das Vertrauen der Kunden in das Geldgewerbe massiv gesunken.

Angesichts weit verbreiteter Falschberatung, dreister Zinsmanipulationen und fragwürdiger Steuertricks halten nur noch 27 Prozent der Deutschen die Glaubwürdigkeit ihres Beraters für >>hoch<< oder >>sehr hoch<<. Das zeigt eine aktuelle Studie der Ruhr-Universität Bochum und des Deutschen Aktieninstituts. Vor fünf Jahren waren es noch 39 Prozent.

Die Angst der Menschen, dass sich Banken >>auf ihre Kosten bereichern<<, sei erheblich gestiegen, kommentierte Bernhard Pellens, einer der Autoren der Studie. Kein Wunder also, dass viele Anleger nach Alternativen zu den klassischen Finanzinstituten suchen. Aber sind sie bei Fidor richtig? Sind die Empfehlungen dort tatsächlich glaubwürdiger? Der Praxistest lässt hoffen. Schließlich liegt >>ceri<< mit seiner Empfehlung, in einzelne Aktien oder alternativ in >>ETFs<< - Fonds, die nicht aktiv gemanagt werden, sondern stur sämtliche Aktien eines Indizes kaufen - zu investieren, auf einer Linie mit vielen renommierten Vermögensverwaltern. Bankberater dagegen empfehlen Kunden lieber klassische Fonds oder gar fondsgebundene Lebensversicherungen, weil hier deutlich höhere Provisionen fließen oder die Fondsgesellschaft zum Bankhaus gehört. >>Wer Provisionen kassiert, kann nicht unabhängig beraten<<, kritisiert Kröner.

Klar: Der Austausch mit Gleichgesinnten hat Grenzen, eine umfassende Beratung liefert >>ceri<< nicht. Kann er auch nicht. >>Der Austausch in der Community kann kein alleiniger Ersatz für eine kompetente Beratung zu komplexen Themen sein<<, heißt es im Moneyfest.

Für eine detaillierte Anlagestrategie, die Altersvorsorge oder eine Immobilienfinanzierung bleibt das persönliche Gespräch unerlässlich. Schließlich muss der Berater dafür umfassend über Vermögen, Einkommen und Risikobereitschaft seines Kunden informiert sein.

Doch der Austausch mit der Community kann helfen, heißt es im Moneyfest weiter, >>in einem Beratungsgespräch die richtigen Fragen zu stellen.<< Das stimmt: Wer die Antwort von >>ceri<< gelesen hat, könnte seinen Bank- oder Finanzberater zum Beispiel fragen, ob er auch ETFs im Angebot hat - und warum er sie nicht empfiehlt.

Doch wie erkennen Laien, ob die Antwort eines Community-Mitglieds tatsächlich glaubwürdig ist? Kröner setzt hier auf den Selbstreinigungseffekt - sobald jemand Unsinn schreibt oder gar dubiose Anlageprodukte empfiehlt (womöglich, weil er im wahren Leben für einen Fondsanbieter arbeitet), sollen andere Kunden einschreiten.

Das klappt tatsächlich - allerdings häufig zu gut. Denn immer wieder entgleisen die Debatten in der Fidor-Community. So kritisiert >>Harakiri0105<< , ein weiterer Fidor-Kunde, >>ewig andauernde Auseinandersetzungen diverser User, die dann meist noch in persönlichen Verunglimpfungen enden<<.

>>Das sind sicherlich die Schattenseiten einer Social- Media-Community<<, sagt Kröner. >>Wir haben das aber erkannt und arbeiten bereits an einer Lösung.<< So sollen die Fidor-Moderatoren künftig stärker in die Diskussionen eingreifen - und Querulanten schneller rauswerfen. >>Bisher waren wir an dieser Stelle zu tolerant<<, räumt Kröner ein. >>Wir werden aber schon in den nächsten Wochen klare Regeln für den Umgang miteinander veröffentlichen und bei Verstößen umgehend reagieren.

<>Harakiri0105<<, eine >>Masse von Geldbettel- und Pseudo-Geldfragen<<, in der wichtige Fragen, die auch für andere Teilnehmer von Belang sind, untergehen. Kein Wunder: Bisher schreibt Fidor Kunden pauschal 0,10 Euro gut, wenn sie eine Frage stellen. Das verleitet offenbar manchen, alles zu fragen, was ihm gerade in den Sinn kommt.Auch hier will Kröner reagieren: >>Unser Bonussystem muss qualitativer werden<<, sagt er. Künftig gibt's also nicht mehr für jede Frage automatisch 0,10 Euro, an den Details arbeitet seine Truppe noch. >>Zudem werden wir Kundenservice und Community trennen, so dass Spezialfragen künftig nicht mehr im Forum auftauchen<<, verspricht Kröner.

Auch beim Produkt- und Leistungsangebot stehen Änderungen bevor. Schon jetzt können Fidor-Kunden zum Beispiel Sparverträge abschließen, Kredite aufnehmen, in Gold investieren, die Internetwährung Bitcoin kaufen, via Crowdfunding in Internet-Startups investieren oder über die Social-Trading-Plattform Ayondo Wertpapiere kaufen. >>Wir werden künftig auch Versicherungen integrieren<<, sagt Kröner. Bald können Kunden also über ihr Fidor-Konto ganz bequem eine Vielzahl von Policen abschließen - und zwar online, ganz ohne lästigen Vertreterbesuch.

Mit Sicherheit nicht die letzte Neuerung: >>Unser Fidor-Smart-Girokonto ist ein offenes Ökosystem, das beliebig erweiterbar ist<<, sagt Kröner. Denn anders als bei klassischen Konten seien hier nicht nur Ein- und Auszahlungen möglich. >>Es ist gleichzeitig ein Tagesgeldkonto, Kunden bekommen also Zinsen. Zudem können sie weitere Geldanlagen wie Edelmetalle oder Fremdwährungen integrieren, ohne gesonderte Konten oder Depots eröffnen zu müssen.<<

Solche einfachen und anwenderfreundlichen Angebote sucht man bei anderen Geldhäusern vergeblich. Auch sonst versucht Fidor, Bankgeschäfte zu erleichtern. So können Kunden Geld an einen anderen Kunden überweisen, indem sie dessen E-Mail- Adresse eintragen. Und wenn sie auf ihrer Fidor-App den Button >>Geldnotruf<< drücken, stehen binnen weniger Sekunden 100 Euro zum Abheben bereit - etwa bei plötzlichem Geldmangel im Ausland.

Gerade bei solchen digitalen Angeboten hat das Geldhaus erheblichen Vorsprung vor den etablierten Banken. >>Es gibt zwar einige Pilotprojekte bei den großen Instituten, aber kaum echte Innovationen und vor allem keine klare Vision in Sachen Digitalisierung<<, kritisiert Dirk Schiereck, Bankenprofessor an der Technischen Universität Darmstadt. >>Banken und Versicherungen haben deutlich später als andere Branchen auf neue technische Möglichkeiten und veränderte Kundenbedürfnisse reagiert<<, sagt auch Alfons Niebuer, Partner der Unternehmensberatung SMP in Düsseldorf. >>Viele beginnen erst jetzt, schlüssige Gesamtkonzepte zu entwickeln.<<

Dass die Riesen nun aufwachen, liegt auch an Konkurrenten wie Fidor. >>Die Banken haben das Interesse der Kunden an neuen Geschäftsmodellen - wie etwa dem der Fidor-Bank - sehr genau registriert<<, sagt Wissenschaftler Schiereck. Tatsächlich kommt Bewegung in den Markt. So hat Rainer Neske, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, Anfang 2014 eine >>Digitalisierungsoffensive<< angekündigt. Und Martin Zielke, in selber Position bei der Commerzbank tätig, will bis Jahresende deutlich mehr Produkte online anbieten: >>Wir schaffen die Trennung zwischen Filiale und Online-Banking ab.<<

Bei ihrer Offensive können die Branchenriesen einiges von Fidor lernen. >>Es geht nicht nur darum, mehr Produkte online zu verkaufen<<, sagt Oliver Keine, Bankenexperte bei SMP. >>Es geht zum Beispiel auch darum, den Kunden den direkten Austausch über Social-Media-Kanäle zu ermöglichen - ganz ähnlich, wie es auch bei der Fidor-Community stattfindet.<< Viele Vorstände, berichtet Keine, hätten Angst vor Shitstorms. >>Das verstehe ich zwar. Aber das ist kein Argument, nichts zu machen. Immer mehr Kunden wünschen den direkten Kontakt via Internet, und deshalb müssen die Banken - und auch die Versicherungen - hier aktiver werden.<< Sicher ist: Die behäbigen Branchenriesen werden nicht plötzlich zu hippen Online-Anbietern. >>Das geht nicht von heute auf morgen<<, sagt Keine. >>Aber sie werden in den nächsten Jahren deutlich aufholen.<<

In nicht allzu ferner Zukunft wird es also auch auf den Internetportalen und Facebook-Seiten klassischer Geldhäuser spannende Diskussionen geben - und zwar nicht nur mit den Social-Media-Experten der Banken, sondern auch mit anderen Kunden, die Fragen oder Aussagen kommentieren. >>Banking mit Freuden<< wird tatsächlich zum Modell der Zukunft, zumindest ein Stück weit. Und was bedeutet das für Fidor? Wird das Insti- tut weiter wachsen - oder wird es den anderen Banken gelingen, online-affine Kunden zu binden? Kröner sieht dem Gegenangriff der Branchengrößen gelassen entgegen. >>Es gibt in den Führungsetagen immer noch Manager, die glauben, sie könnten Kunden Gebühren in Rechnung stellen, wenn ihre Social-Media-Abteilung eine Frage über Facebook beantwortet.<< Solange diese Mentalität verbreitet sei, biete Fidor seinen Kunden einen echten Mehrwert.

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