EU-Report

EU-Kommission unterstützt Cloud

Die EU-Kommission will mithilfe von Cloud Computing die Produktivität europäischer Unternehmen und Verwaltungen steigern und der Vereinheitlichung des Binnenmarktes gleichzeitig einen Schub geben. von Johannes Fritsche

EU-Kommission unterstützt Cloud

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EU-Kommission unterstützt Cloud

Bei der Aufholjagd gegenu?ber dem ostasiatischen Wirtschaftsraum, insbesondere China, setzt die EU-Kommission alle Hebel in Bewegung: Neben der Innovationsförderung (EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020) oder der von Industriekommissar Antonio Tajani ku?rzlich verku?ndeten "neuen industriellen Revolution" ist die Förderung von Cloud Computing eine davon.

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So sieht die von der EU-Kommission im September formulierte Strategie zur "Freisetzung des Cloud-Computing- Potenzials in Europa" Maßnahmen vor, die bis 2020 einen Nettonutzen in einer Größenordnung von 2,5 Millionen neuen Arbeitsplätzen in Europa und eine jährliche Steigerung des BIP der EU in Höhe von 160 Milliarden Euro bewirken sollen. Der Grund sind von der EU-Kommission erwartete Skaleneffekte: 80 Prozent der Organisationen, die Cloud Computing einfu?hren, erreichen Kosteneinsparungen von mindestens zehn bis 20 Prozent, ganz zu schweigen von beträchtlichen Produktivitätssteigerungen, wenn es zu einer breiten Cloud-Nutzung in allen Wirtschaftssektoren käme.

Schlu?sselaktionen

"Cloud Computing ändert die Spielregeln in unserer Wirtschaft. Ohne Eingreifen der EU wu?rden wir in starren nationalen Systemen verharren und wirtschaftliche Vorteile in vielfacher Milliardenhöhe verschenken. Wir brauchen ein einheitliches Regelwerk fu?r ganz Europa", erklärt Vizepräsidentin Neelie Kroes dazu. Zusammen mit ihrer Kommissions-Kollegin Viviane Reding formuliert sie die Schlu?sselaktionen der Strategie:

  • Lichten des Dschungels aus technischen Normen, damit Cloud-Nutzer in den Genuss von Interoperabilität sowie Datenu?bertragbarkeit und -umkehrbarkeit kommen; die notwendigen Normen sollten bis 2013 festgelegt werden;
  • Unterstu?tzung EU-weiter Zertifizierungsprogramme fu?r vertrauenswu?rdige Cloud-Anbieter;
  • Ausarbeitung sicherer und fairer Muster-Vertragsbedingungen fu?r das Cloud-Computing, einschließlich Leistungsvereinbarungen (SLA);
  • Schaffung einer Europäischen Cloud- Partnerschaft mit den Mitgliedstaaten und der IT-Branche, um die Nachfrage des öffentlichen Sektors (20 Prozent aller IT-Ausgaben) nutzbar zu machen.

Fu?r Kroes und Reding ist die neue Strategie die konsequente Folge des Kommissionsvorschlags von 2012 zur Überarbeitung des Datenschutzrechtes und geht einem Vorschlag fu?r eine europäische Strategie zur Cybersicherheit voraus, den sie in den kommenden Monaten vorlegen wollen.

Strategie für den Binnenmarkt

Die neue Strategie soll mit dem Missstand aufräumen, dass bislang viele potenzielle Nutzer wegen fehlender Normen und unklarer Verträge vor Cloud-Lösungen zuru?ckschrecken: Sie wissen nicht genau, wie sie die Anforderungen und Rechtspflichten erfu?llen können, beispielsweise um ihre eigenen Daten und die Daten ihrer Kunden zu schu?tzen.

Bislang fehlen auch klarere Regeln, wo Streitfälle beigelegt werden und wie dafu?r gesorgt wird, dass Daten und Software einfach zwischen unterschiedlichen Cloud-Anbietern verlagert werden können.

Bei einer erfolgreichen Umsetzung ihrer Schlu?sselaktionen, der Einfu?hrung klarer einheitlicher Regeln und Normen, kämen Kroes und Reding einem wichtigen Ziel der EU näher. "Die Cloud- Strategie der EU-Kommission hat das Potenzial, ein wichtiger Beschleuniger bei der Fertigstellung eines echten digitalen Binnenmarkts zu werden", erklärt Pilar del Castillo Vera, Koordinatorin der EVPED- Fraktion im Ausschuss fu?r Industrie, Forschung und Energie.

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