Interview

"Die Einsatzmöglichkeiten sind grenzenlos"

Anfangs vor allem im Außendienst eingesetzt, erobern Business-Apps mittlerweile abteilungsübergreifend den Firmenalltag. Wir sprachen mit Experten der Kooperationspartner Computacenter und ayeQ über den Status quo und die Zukunft mobiler Anwendungen im Unternehmenseinsatz.

Business-Apps im Einsatz

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Business-Apps im Einsatz

Business&IT: Welche Vorteile sehen Sie für Ihre Kunden durch Mobility-Lösungen?

AnGünter Kurth

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AnGünter Kurth ? Solution Director Mobility bei Computacenter

Günter Kurth: Mobile Lösungen sind im Zuge von Trends wie Consumerization, Bring Your Own Device und Cloud-Angeboten in den Unternehmen angekommen. Diese müssen nun ihre mobilen Mitarbeiter im Außendienst so anbinden, dass sie die Kunden optimal beraten und bedienen können - sei es im Vertrieb oder Service. Dabei werden Apps zu den wichtigsten Treibern in den Geschäftsprozessen, denn sie sorgen für eine hohe Usability und bringen durch Interaktivität die Prozesse näher zum Kunden.

So organisieren Sie Smartphones und Tablets von Mitarbeitern

Peter Jungblut-Wischmann

© Business & IT

Peter Jungblut-Wischmann ? Geschäftsführer der ayeQ GmbH

Peter Jungblut-Wischmann: Gleichzeitig werden durch aktuelle Apps die Prozesse auch optimiert. So lässt sich auf dem Tablet etwa ein Vertrag nicht nur interaktiver, sondern auch schneller, mit weniger Fehlern und zu geringeren Kosten abschließen als auf Papier. Eine intelligente Dialogsteuerung erleichtert die Bedienung und gibt wichtige Zusatzinformationen. Dabei ist jedoch eine sichere Integration von Tablet-PCs in die Geschäftsprozesse von großer Bedeutung, um Missbrauch oder das Einschleppen von Schadsoftware zu verhindern.

Für welche Abteilungen sind mobile Applikationen besonders interessant?

Günter Kurth: Derzeit ist ganz klar der Vertrieb als Early Adopter auszumachen. Doch auch Servicetechniker, Sachverständige und Kundendienst sehen immer klarer die Vorteile des mobilen Zugriffs auf Datenbanken und technische Zeichnungen. Zudem gibt es die Möglichkeit für Videokonferenzen, um beispielsweise den Experten in der Zentrale in das Kundengespräch vor Ort einzubinden. Lagermitarbeiter, Wareneingangsprüfer, Personalplaner, ERP- und CRM-Verantwortliche erhalten ebenfalls immer häufiger Tablets. Es gibt eigentlich keine Einschränkungen für mögliche Nutzungen, jedoch ist immer klar zu ermitteln, wo der konkrete Vorteil für die Geschäftsprozesse liegt.

Peter Jungblut-Wischmann: In der Gesundheitsbranche ist diese Veränderung schon zu erkennen. Während früher nur Außendienstmitarbeiter Tablets erhielten, werden heute zahlreiche Prozesse damit optimiert. Sie lassen sich etwa bei der Aufklärung von Patienten einsetzen, bei der Visite im Krankenhaus, der Diagnose in der Arztpraxis oder zur Erfassung von Notfällen. Auch in anderen Bereichen sind neue mobile Anwendungen auf dem Vormarsch. Ein Reifenhersteller stellt zum Beispiel eine B2B2C-App auf Tablets zur Verfügung, mit deren Hilfe Autohäuser ihre Kunden über die verschiedenen Reifenvarianten informieren. Apps für E-Learning, Mitarbeiterwerbung auf Messen oder Assessment Center sind weitere Beispiele. Für die Einsatzmöglichkeiten gibt es kaum Grenzen.

Ihre beiden Unternehmen haben vor kurzem eine Partnerschaft geschlossen. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Günter Kurth: Im Rahmen der Partnerschaft bieten wir gemeinsam Lösungen zur Mobilisierung von Geschäftsprozessen an. Im Vordergrund stehen dabei die Entwicklung und nahtlose Integration mobiler Anwendungen in die Unternehmens-IT. Damit erhalten unsere Kunden ganzheitliche Services aus einer Hand. Dies reicht von der strategischen Beratung und Konzeption über den Einsatz der Produkte bis hin zu Implementierung und Betrieb.

Welche Aufgabe übernimmt ayeQ dabei und welchen Part hat Computacenter?

Peter Jungblut-Wischmann: Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung der mobilen Applikationen und gestalten sie gemäß der individuellen Wünsche des Kunden. Zudem bieten wir Services wie Content Management, Publishing, Business Analytics und die Erstellung von Reports. Als Tochterunternehmen von Juwi MacMillan können wir auch direkt auf die Marketingorganisation, die Designkompetenz und die Verkaufsförderungsmaßnahmen unserer Muttergesellschaft zugreifen.

Günter Kurth: Wir sind für alle Services rund um Produktversorgung, Beratung, Integration und Outsourcing zuständig. Unsere Kunden profitieren somit von einem umfassenden Mobility-Portfolio und den umfangreichen internationalen Praxiserfahrungen beider Partner in den Bereichen mobile Endgeräte und Cloud-Services. 500 IT-Consultants für die unterschiedlichsten Technologien und speziell auf das Thema Mobility ausgerichtete Experten sorgen dafür, dass Unternehmen optimale Lösungen für ihre individuellen Anforderungen erhalten.

Über welche Praxis-Erfahrungen verfügt ayeQ im Bereich mobiler Apps?

Peter Jungblut-Wischmann: Unsere Muttergesellschaft ist bereits seit 2009 in diesem Bereich tätig. Sie hat damals für die Pharmaindustrie eine Plattform zur Content- und Datensicherheit von Vertriebsapplikationen auf iPads entwickelt. Dabei optimierte sie auch die Performance der Inhaltsanzeige. Um die immer zahlreicheren Anfragen verschiedener Kunden zur App-Entwicklung noch effizienter und gezielter bedienen zu können, wurde das Tochterunternehmen ayeQ GmbH gegründet. Unsere Erfahrungen mit dem iPad im Vertrieb thematisiere ich gemeinsam mit Gawain MacMillan, Co-Geschäftsführer der ayeQ GmbH, in unserem neuen Buch "Die Revolution des Verkaufens". Es erscheint Mitte August. 

Wie kam es zu der Kooperation?

Günter Kurth: Das damalige Apple-Systemhaus HSD Consult hatte 2009 Juwi MacMillan mit den iPads beliefert und bei der App-Integration eng mit dem Unternehmen zusammengearbeitet. Als wir HSD vor zwei Jahren übernommen haben, wurde die Kooperation nahtlos fortgeführt. Dabei konnten wir feststellen, dass sich beide Unternehmen perfekt ergänzen. Das spezialisierte, umfassende Know-how in der App-Programmierung ergab mit unserer Kompetenz in Technologieintegration und Beratung ein ganzheitliches Angebot, ohne überlappende Parallelstrukturen.

Peter Jungblut-Wischmann: Beide Unternehmen legen auch sehr viel Wert auf praxisnahe Lösungen. Zudem hat sich gezeigt, dass die Chemie in der Zusammenarbeit einfach stimmt. Unsere inoffizielle Partnerschaft haben wir im Juli 2013 durch einen Vertrag sozusagen besiegelt.

Wie entwickeln sich Ihrer Meinung nach mobile Apps für den Unternehmenseinsatz?

Günter Kurth: Es wird immer mehr Apps für immer mehr Zwecke geben, die zunehmend direkt von den Fachabteilungen eingeführt und bezahlt werden. Dabei erwarten wir, dass native Apps in der Mehrheit bleiben, da sie die herstellerspezifische Hardware optimal ausnutzen. Doch Entwickler und Unternehmen sollten offen für neue Technologien bleiben.

Peter Jungblut-Wischmann: Es wird für fast jeden denkbaren Geschäftsprozess eine App geben, auch mit Augmented Reality zur Optimierung der Informationen. Aber für Unternehmen wird es immer schwerer, sich auf Apps mit konkretem Mehrwert zu beschränken und unnötige Spielereien für die Mitarbeiter zu vermeiden.

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