Unternehmensführung

Der richtige Umgang mit Burnout

Er ist mehr als ein psychisches Syndrom und mittlerweile zur Lebensweise einer ganzen Generation geworden, meint der Business-Coach und Trainer Dr. Constantin Sander und versucht, das Dickicht zwischen Banalisierung und Symptombehandlung etwas zu lichten.

Der richtige Umgang mit Burnout

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Der richtige Umgang mit Burnout

Was ist Burnout?

Burnout ist ein Zustand der völligen Erschöpfung, ausgelöst durch permanenten Stress. Es handelt sich um eine Folge nicht mehr kontrollierbarer Belastung, die dann auftritt, wenn Menschen Dinge "aus dem Ruder laufen". Warnsignale sind körperliche Symptome wie Kopfschmerz, Konzentrationsstörungen, innere Unruhe, das Gefühl des völligen Ausgebranntseins sowie psychische Anzeichen wie Sinnleere, gepaart mit dem Gefühl des Getriebenseins, so Gunther Schmidt, Arzt für Psychotherapie.

Schmidt bezeichnet Burnout allerdings als Kompetenz: Es ist die Kompetenz des Körpers, den Stecker zu ziehen, bevor es endgültig zu spät ist. Wir wissen seit Langem, dass ein großer Teil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen stressbedingte Ursachen haben.

Aber ursprünglich ist Burnout eine Fahrtechnik. Mit durchdrehenden Reifen, bis sie qualmen. Danach ist Auswechseln angesagt. Diese Metapher ist recht passend und viel besser als jede medizinische Klassifizierung. Wer ständig überdreht, immer auf Hochtouren fährt, der überhitzt irgendwann allerdings nicht nur die Reifen, sondern auch den Motor. Jeder Formel-1-Fan weiß das.

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Bei uns ist das nicht viel anders. Unser Körper kann auch heißlaufen. Nur auswechseln können wir ihn nicht. Und doch meinen wir, im Zeitalter des Multitasking die Beschleunigung immer weiter vorantreiben zu müssen. Jede technische Revolution wälzt auch die Anforderungen an uns Menschen um.

Selbst die digitale Revolution hat sich diesbezüglich nicht gerade als hilfreich erwiesen. Sie führt dank Internet und Smartphone dazu, dass Menschen immer mehr online sind, ständig Informationen aufnehmen und austauschen. Unser Körper braucht aber auch Ruhezeiten, in denen er sich wieder regenerieren kann. Bekommt er die nicht, wird Burnout zur Lebensweise.

Zeitmanagement hilft nicht

Gutes Zeitmanagement ist nicht unbedingt das geeignete Mittel, um dem Burnout vorzubeugen. Ein effektiver Umgang mit Zeit kann exakt die gegenteilige Wirkung entfalten: dass man noch mehr Aufgaben in noch kürzerer Zeit erledigt. Klassisches Zeitmanagement ist ein Tool des Maschinenzeitalters, mit dem die Taktung optimiert wird. Aber es dient nicht dazu, auf den eigenen, inneren Takt zu hören. Dieses Gespür haben immer mehr Menschen verloren. Darauf kommt es aber an, wenn wir nicht unsere inneren Ressourcen ausbeuten, sondern unsere Potenziale entwickeln wollen.

Die Krux ist, dass sich die Möglichkeiten der persönlichen Entwicklung mit der Zunahme der Komplexität in unserer Welt des 21. Jahrhunderts potenzieren. Das ist faszinierend und gefährlich zugleich. Es öffnet uns eine Menge Türen, denn nie zuvor waren Informationen so leicht zugänglich, war Kommunikation so einfach und waren Entfernungen so kurz. Und diesen Raum füllen wir nur zu gern mit engagierter Arbeit aus - oft bis zum Anschlag und darüber hinaus.

Die Signale erkennen

Hören Sie auf den inneren Takt, achten Sie auf die Signale. Denn die gibt es: ständiges Rotieren im Job, gepaart mit Erschöpfung, Schlafstörungen, leichter Reizbarkeit und körperlichen Symptomen, die individuell so verschieden sein können, dass sie in keine medizinische Klassifizierung hineinpassen.

Die richtigen Fragen stellen

Wie kann die Prophylaxe aussehen? Hier sind einige Fragen, die Sie sich stellen könnten:

  • Haben Sie ständig das Gefühl, mit Ihren Aufgaben nicht fertig zu werden und fühlen Sie sich häufig überfordert?
  • Fühlen Sie sich oft "neben der Bahn" und meinen, eher getrieben zu sein, als dass Sie Dinge wirklich steuern?
  • Sind Sie zeitlich und gedanklich sehr stark auf Ihre Aufgaben fokussiert und haben Sie wenig Zeit auszuspannen?
  • Verspüren Sie oft eine innere Unruhe, sind Sie häufiger gereizt oder sogar aggressiv?
  • Zeigen sich bei Ihnen körperliche Symptome wie die oben genannten oder sind Sie in letzter Zeit häufiger krank als gewöhnlich?
  • Treten Ihre realen sozialen Kontakte in Ihrem Privatleben hinter Ihren Job zurück? Und empfinden Sie Ihre sozialen Kontakte als unterstützend und wertschätzend?
  • Fällt es Ihnen schwer, auf die Frage, wie viel Sie sich körperlich bewegen und wie viel Sport Sie treiben, eine ehrliche Antwort zu geben?
  • Wenn Sie einmal darüber nachdenken würden, wann Sie sich zuletzt so richtig wohl gefühlt haben und den Eindruck hatten, mit sich selbst im Reinen zu sein und in Ihrem Leben mindestens ebenso viel Energie zu gewinnen, wie Sie aufwenden, müssten Sie dann lange nachdenken?

Wenn Sie sich bei der Beantwortung dieser Fragen ganz gut wiedererkennen, dann könnte es vielleicht hilfreich sein, etwas zu ändern - vorausgesetzt, Sie wollen sich und Ihrer Gesundheit etwas Gutes tun. Dabei kann es nicht darum gehen, Belastungen grundsätzlich zu vermeiden. Herausforderungen zu meistern ist ja das Salz in der Suppe unseres Lebens. Es geht vielmehr um die Frage, wie Sie mit Belastungen stressfreier umgehen können.

Auswege finden

 

Autor: Dr. Constantin Sander - Business-Coach

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Der Autor: Dr. Constantin Sander - Business-Coach in Regensburg

Selbstachtsamkeit ist eine wichtige Voraussetzung für physische und psychische Gesundheit. Dazu gehört neben der Fähigkeit, Grenzen zu erkennen, auch der Mut, diese zu setzen. Sich selbst und anderen. Entspannung und Bewegung sind wichtige Phasen, um Stress abzubauen. Daneben ist soziale Vernetzung ein wichtiger Faktor für eine ausgeglichene Lebensweise. Wohlgemerkt: Damit sind nicht virtuelle Netzwerke wie Twitter, Facebook und Co. gemeint, sondern reale Kontakte im wirklichen Leben. Von Angesicht zu Angesicht.

Letztlich geht es immer wieder darum, was Aaron Antonowsky in seinem Entwurf der Salutogenese beschrieben hat: Die Frage ist nicht, auf welche Weise wir Symptome kurieren können, sondern wie wir unser Leben - zu dem auch unsere Arbeit gehört - so gestalten, dass wir Belastungen als handhabbar, verstehbar und sinnvoll begreifen können.

Dann gelingt es uns nämlich, ein inneres Gleichgewicht zu erhalten. Das bedeutet: Kontrolle herzustellen, irritierende Komplexität zu reduzieren, Multitasking zurückzufahren, Orientierung zurückzugewinnen und vor allem, die Sinnhaftigkeit unseres Handelns noch im Visier zu haben.

Der Satz des finnischen Rennfahrers Mika Häkkinen "Wenn Du alles unter Kontrolle hast, bist Du zu langsam" ist zum Credo der Generation Burnout avanciert. Es ist die Illusion, dass alles möglich ist. Doch Höchstleistung kann niemals zum Dauerzustand werden und auch Multitasking ist eine neuronale Unmöglichkeit. Das müssen auch Führungskräfte begreifen.

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Unser Bewusstsein kann sich nur auf eine Aufgabe gleichzeitig konzentrieren, unser Unbewusstes hingegen kann sehr gut multitasken. Doch dazu bedarf es Ressourcen. Permanenter Stress reduziert aber die Fähigkeit, Ressourcen zu aktivieren.

Die Generation Burnout ist daher gut beraten, die Steuerung über ihr Leben wieder zu übernehmen. Das ist nicht nur eine Frage der Einstellung, sondern eine Frage des Umgangs mit sich selbst. Der Motor soll schließlich laufen und nicht ausbrennen.

Statement - Erreichbarkeit ja - aber nicht um jeden Preis

 

Michael Bayer - EMEA von Avaya

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Michael Bayer - President EMEA von Avaya

"Den Kaffee auf dem Weg zur Arbeit oder einen Snack für zwischendurch - fast alles gibt es heutzutage ,to go'. Die Kommunikation macht hier keine Ausnahme. Das ist gut so, denn dank mobiler Systeme und Kommunikationstechnologien wie E-Mail, Videokonferenzen und Instant Messaging sind Mitarbeiter in der Lage, ihre Aufgaben effizienter zu erfüllen und ihre Arbeitszeit nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Doch dieses Leben im ,Standby-Modus' hat auch Schattenseiten: Viele Arbeitnehmer sind auch außerhalb der regulären Arbeitszeit für Kollegen, Vorgesetzte und Kunden erreichbar - am Abend, am Wochenende, an Feiertagen und sogar im Urlaub.

Die moderne Arbeitswelt erfordert flexible Arbeitszeiten. Doch die Verpflichtung, auch während des Familienurlaubs oder bei Krankheit immer erreichbar zu sein, widerspricht der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Gefordert ist daher ein Kompromiss. Vorgesetzte sollten nur in Ausnahmefällen fordern, dass ihre Mitarbeiter in der Freizeit oder spät am Abend erreichbar sind. Gleichzeitig muss auch den Beschäftigten bewusst sein, dass sie dem Unternehmen eher schaden als nutzen, wenn sie rund um die Uhr verfügbar sind und dadurch ihre Kräfte überstrapazieren. Moderne Kommunikationsmittel wie Smartphones und Videokonferenzlösungen sind probate Mittel, um die Produktivität und Effizienz von Mitarbeitern zu erhöhen und deren Spaß an der Arbeit zu erhöhen. Werden sie jedoch dazu eingesetzt, um das letzte Quäntchen an Leistung aus einem Beschäftigten herauszupressen, verkehrt sich der Nutzen solcher Lösungen ins Gegenteil. Und das kann sich kein Unternehmen leisten."

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